Gesundheitswirtschaft

Das Geld wird knapp: Ärzte investieren kaum noch in ihre Praxen

Die wirtschaftliche Lage der niedergelassenen Ärzte stagniert. Geld für Investitionen in die Praxis bleibt kaum noch übrig. Die Betriebskosten für Personal und Material steigen überdurchschnittlich stark. Der Anreiz für die Eröffnung einer eigenen Praxis sinkt. Das kann den Ärztemangel noch verstärken.

Das Einkommen von Ärzten ist von der Art des Facharztes unterschiedlich. (Foto: Flickr/ Bratislavská župa/CC BY 2.0)

Das Einkommen von Ärzten ist von der Art des Facharztes unterschiedlich. (Foto: Flickr/ Bratislavská župa/CC BY 2.0)

Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verdienen weniger. Während die Jahresüberschüsse auf gleichem Niveau verharren, steigen die Kosten für Personal und Material. Einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge mussten Praxisinhaber zwischen 2009 und 2011 im Durchschnitt 5 Prozent mehr Kosten verbuchen – ein deutlich höherer Anstieg als der der Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum (3,2 Prozent).

Den Medizinern steht dadurch weniger Geld für Investitionen in ihren Praxen zur Verfügung: Für Abschreibungen sowie Leasing und Mieten von Geräten gaben die Ärzte weniger aus als in den Vorjahren. Von 2009 bis 2011 sanken die Ausgaben dafür um etwa 10 Prozent.

Die Betriebskosten steigen drastisch. Demnach lag der durchschnittliche Jahresüberschuss 2011 bei 145.100 Euro je Praxisinhaber. Nach Abzug von Vorsorge- und Versicherungsbeiträgen sowie Einkommenssteuer bleibt davon ein Nettoeinkommen von 71.476 Euro übrig, was einem Stundensatz von 30 Euro entspricht. Die Einnahmen sind dabei von Fachgruppe zu Fachgruppe sehr unterschiedlich: Ein Viertel der Befragten erwirtschaftete weniger als 85.400 Euro, ein Viertel mehr als 181.600 Euro. Zu den Spitzenverdienern zählen etwa die Radiologen, am unteren Ende der Skala liegen Psychotherapeuten und Rehabilitationsmediziner.

Die Betriebskosten legten im selben Zeitraum zugleich stärker zu; vor allem für Personal, Material und Labor sowie für Versicherungen, Beiträge und Gebühren mussten Ärzte mehr Geld ausgeben (zwischen 7 und 8,4 Prozent).

„Angesichts faktischer Nullrunden überrascht es nicht, dass die Investitionsschwäche in den Praxen im Berichtszeitraum anhielt“, sagt Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts. Ärzte im Krankenhaus verdienen immer noch mehr als ihre niedergelassenen Kollegen.

In dem Bericht wurden Kosten, Einnahmen und Überschüsse von Praxen festgehalten. Die Daten stammen aus 2013 und umfassen die Jahre 2009, 2010 und 2011. Sie enthalten die Angaben von 4.739 Praxen, was einem bundesweiten Anteil von 4,9 Prozent entspricht.

Wie bereits angedeutet, unterscheidet sich die wirtschaftliche Lage deutlich je Fachgebiet: Das größte Einnahmen- und Überschussplus verzeichneten die Neurologen (plus 8 bzw. 12 Prozent), ein Minus steht hingegen etwa bei Gynäkologen und Urologen in den Büchern.

Grundsätzlich ist das Gefälle zwischen operativ und konservativ tätigen Ärzten groß. Beispielsweise erzielten operierende Augenärzte 2011 einen Jahresüberschuss, der etwa 87 Prozent über dem ihrer rein konservativ arbeitenden Kollegen lag. Und schon Dermatologen, die nur selten operieren, verdienen pro Stunde mehr als doppelt so viel wie ihre konservativ behandelnden Kollegen.

Die Steigenden Kosten mindern den Anreiz für junge Mediziner, sich mit einer eigenen Praxis – vorzugsweise in einer ländlichen Region – niederzulassen. Viele ältere Ärzte hingegen gehen in den Ruhestand, oder ins Ausland. Gleichzeitig wünschen sich viele Ärzte flexible Working-Life Modelle und stellen damit bisher gewohnte hierarchische Strukturen in Frage.

In Zukunft müssen auch Jungärzte von verschiedenen Fachgebieten und Schwerpunkten der Medizin überzeugt werden, um der Überalterung entgegen zu wirken. Laut der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren im Jahr 2014 gerade einmal 18,3 Prozent von Deutschlands Ärzten jünger als 35 Jahre. (vgl. 1993 mit 26,6 Prozent). Heute liegt das Durchschnittsalter bei Ärzten im Krankenhaus bei etwa 41 Jahren.

„Wenn kein Nachwuchs folgt, dauert es nicht lange, bis uns Fach- und Oberärzte und schließlich auch Chefärzte fehlen: In der Klinikhierarchie folgen sie auf die Ärzte. Ohne Chefarzt müssen Kliniken sogar ganze Abteilungen schließen“, warnt David Fickeisen, Leiter des Gesundheitsportals Kliniken.de. Viele Ärzte scheuen die Facharztanerkennung. Vor allem der Fachbereich Psychologie verliert deshalb momentan an qualifizierten Kräften.

Kommentare

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  1. Und in der Schweiz ? Auch hier gab es mehrheitlich schon länger keine Tariferhöhung mehr (Tarmed). Im Bereich von einzelnen Leistungen jedoch nun jüngst eine Verschiebung insbesondere zugunsten von Hausärzten. Die Zahlen hier schon etwa 5 jährig: Median bei Hausärzten in eigener Praxis bei CHF 197’500 und in Anstellungen lassen sich CHF 150′-180’000 erzielen.
    http://www.facharztjob.ch

  2. Das ist schon ganz schön heftig !!! … das man sollte den PolitikerInnen aller Couleur mal tüchtig unter die Nase reiben ! …oder ihnen alternativ empfehlen, die Bevölkerung durch PolitikerInnen und/oder BürokratInnen behandeln zu lassen … vielleicht funktioniert das ja auch ?????
    Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, das Leute wie ich mit kleiner Privatpraxis ( die Kassenpraxis habe ich vor 3 Jahren mit kurz über 62 Jahren frustriert aufgegeben ) noch lange ein wenig funktionierendes Hirn bleibt, um den größten Mist, den die an die privaten Krankenhauskonzerne für ’n Appel & ’n Ei verscherbelten ehemals öffentlichen Krankenhäuser „leisten“ , schon im Vorfeld auszubügeln … als da wären Operationsempfehlungen aus rein pekuniären Erwägungen heraus, Nicht-Einhaltung der Minimalstandards für Krankenhaushygiene aus gleichem Grunde etc. !
    Leider wird sich – da bin ich durchaus Pessimist – da keine Besserung ausbilden, da von Seiten der Bevölkerung und Medien ( noch ? ) nicht ausreichend Druck ausgeübt wird, um die ausschließlich von einer Wahl zur anderen denkenden PolitikerInnen in die richtige Spur zu zwingen !!

    • Es wird sich nichts ändern! Der Druck auf die Ärzte wird erhöht. Nach den jetzt 5-jährig erforderlichen Rezertifizierungen für die Röntgentechnik werden sicher noch weitere Gebiete für Rezertifizierungen im 5-Jahresrhythmus eingeführt; z.B. Hygiene, Patientenrechte, Operationsgrundlagen… etc. Es gibt nichts, was den Bürokraten nicht noch einfallen könnte, weil sie auf die Industrie hören, die ja nachweislich verdienen muß, um Fortschritte hervorzubringen. Ärzte müssen nicht verdienen, denn wer mit dem Unglück = sprich Krankheiten der Menschen seinen Lebensunterhalt verdienen möchte ist moralisch das Letzte, Scharlatan oder Abzocker oder… Auch aus diesem Grunde wird der Verdienst eines Arztes immer VOR Steuern genannt. Und ganz verbitternd ist, daß fast alle Medien ohne Prüfung die Ausssagen der Politik nachplappern und groß herausbringen. Sorgfältige Prüfung ist nicht opportun. Und: die Politiker lernen nicht dazu!!! Komme was da wolle. Sie wissen nur hinterher wie man die Verantwortung auf (am besten verstorbene) Vorgänger der jeweils anderen Partei abwälzt.

  3. Warum verteilen die KV’en die Gesamtvergütung so ungleich. Eine Erfolgsgerechtigkeit kann ich dort nicht erkennen. Insgesamt ist genügend Geld im System, es wird nur nicht richtig verteilt. Fehlallokationen wohin man schaut. Aber die Versicherten sollen es bezahlen.

  4. Die Gehälter der Ärzte sind weit überdurchschnittlich. Was soll das Gejammere?
    Weiterhin möchte ich Herrn Graalmann zitieren: „Defizit Analyse der Ärzteschaft hat Tradition“. 354.247 berufstätige Mediziner gab es zum Jahresende in Deutschland. Das waren 2,2 Prozent mehr als zum Jahresende 2013.
    Wir brauchen mehr Qualität im Gesundheitswesen und mehr Einbeziehung des examinierten Pflegepersonals in die Patientenbetreuung.

    • Verdienst überdurchschnittlich? Im Vergleich zu wem? Harz4?
      Und so viele viele Ärzte?
      Ja, wenn wir den massiv zugenommenen Frauenanteil berücksichtigen, der sich mit Recht um die Familie kümmern möchte und nur halbtags arbeitet. Dazu kommen immer mehr Ärzte die nur stundenweise arbeiten!
      Solche Statistikblenderei taugt gar nichts ausser zum planlosen nachplappern!
      Fakt ist:
      Mehr Ärzte , aber deutlich weniger Arbeitszeit pro Arzt.
      Gleichzeitig fehlender Nachwuchs durch zu wenig Studienplätze.
      Allein in NRW spart Rot/Grün pro Jahr eine Milliarde Euro an den fehlenden nicht Angebotenen 2000 notwendigen Studienplätzen ein.
      Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und werden durch die nachrückende Pillenknickgeneration nur zur Hälfte nachbesetzt!
      In Dortmund z. B. wird in 4 Jahren jede 3 Hausarztpraxis aufgegeben und im Sauerland vielleicht jede Zweite!
      Das ist die Realität die Patienten und Ärzte jetzt schon spüren!
      Pflegepersonal und hoch qualifizierte Pflegekräfte unterstützen uns Ärzte längst.
      Sie werden aber den Arzt nie komplett ersetzen können.
      Mir fehlte in dem Artikel der inzwischen eklatante Einkommensunterschied von Bayern z.B. nach Westfalen wo inzwischen eine Ärzteflucht einsetzt.

  5. Ihre Stundensatzberechnung ist nicht nachvollziehbar, es fehlt die Amgabe von wieviel Stunden pro Jahr sie ausgehen.
    Ausserdem ist es z.B. nicht korrekt, aus dem Nettoeinkommen einen Stundensatz zu berechnen, dies ermöglicht keine Vergleichbarkeit mit anderen Berufsgruppen.

  6. Hinter der “ Austrocknung “ der freien Arztpraxen steckt doch System ! Man sollte immer fragen : wem nutzt das Ergebnis ? Die Folge wird ein Aufkauf der freien Sitze durch MVZ in Klinikshand sein – unabhängig ob privater oder „gemeinnütziger“ Träger. Es entstehen dann sog. Türflügel-Praxen. Was sich nicht wehrt, wird operiert, endoskopiert, katheterisiert. Die entsprechende Lobby-Arbeit in Berlin und ggf. Brüssel beherrscht die Industrie und die Trägerschaft vor allem der privaten Klinikkonzerne perfekt. Sie spart ja auch schon seit Jahren an den „Bestechungsgeldern“ für die niedergelassene Ärzteschaft. Die Regelungswut der Justiz und die Selbstverpflichtung der Industrie gehen hier Hand in Hand. Selbst die Abgabe von bedruckten Schreibutensilien wie Kugelschreibern und Schreibblocks gilt als illegale Einflussnahme – nicht aber das gesponserte Essen im Sterne – Restaurant mit Abgeordneten. Man denke an das Gesundheit-Reform-Gesetz von U.Schmidt – erstellt mit sogenannten externen Beratern ( Klinikkonzerne und Krankenkassen nach meinem Wissen – keine Patienten oder Ärzte-Vertreter … ). Wem ging es 10 Jahre danach prächtig ? Helios mit 14% Aktienrendite und den großen Krankenkassen …