Arzneimittelmarkt

Rekord: 2014 sind 45 neue Arzneimittel auf den Markt gekommen

Immer mehr Medikamente überströmen den Arzneimittelmarkt. Dabei fallen 60 Prozent der neuen Präparate durch die gesetzliche Nutzenbewertung durch. Die teuersten neuen Präparate sind Arzneien gegen Krebs und Infektionen. Medikamente gegen seltene Krankheiten können Preise von über 10.000 Euro pro Packung erreichen.

Noch wurden so viele so teure Arzneimittel eingeführt. (Foto: Flickr/ PeterFranz/CC BY 2.0)

Noch wurden so viele so teure Arzneimittel eingeführt. (Foto: Flickr/ PeterFranz/CC BY 2.0)

Das Gesetz zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln führt nicht zu einer Reduktion von zusätzlichen Medikamenten auf dem Markt. Im Gegenteil: Im Jahr 2014 wurden 45 neue Arzneistoffe zugelassen. Der Rekord lag bislang bei 36 neuen Medikamenten im Jahr 2009. Im Jahr 2013 wurden lediglich 26 Stoffen neu in den Markt aufgenommen.

In 2014 gab es zudem noch nie so viele neue Arzneimittel, die derart teuer waren, berichtet das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Das liegt daran, dass unter den neuen Arzneimitteln 14 „orphan drugs“ enthalten sind. Das sind Medikamente, die für die Behandlung seltener Erkrankungen zugelassen sind. Weil es wenige Patienten gibt ist die Entwicklung dieser Medikamente sehr teuer, weil die Pharmaunternehmen die Kosten nicht durch einen hohen Absatz der Medikamente kompensieren können. Der Preis für eine Packung eines „orphan drugs“ kann über 10.000 Euro liegen. Bei den neuen 45 Medikamenten war das bei acht Präparaten der Fall.

Seit 2011 müssen alle neuen Medikamente durch die frühe Nutzenbewertung. Dabei wird festgestellt, welchen Zusatznutzen diese Medikamente für den Arzneimittelmarkt haben. Etwa 60 Prozent aller neuen Medikamente erhalten keine Marktzulassung, weil sie keinen Zusatznutzen zu bereits bestehenden Präparaten bereitstellen. 75 Prozent aller Medikamente, die mit dem Merkmal „beträchtlicher Zusatznutzen“ ausgestattet werden, stammen aus der Krebs- und der Infektionsforschung, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in ihrer Analyse der ersten Jahre der Nutzenbewertung.

Doch die Nutzenbewertung gerät auch in die Kritik. Die Bewertung eines Medikaments ist nach der Markteinführung abgeschlossen. Doch oft ist gar nicht klar, welchen Nutzen das Präparat entfaltet, wenn es bereits zwei bis drei Jahre verordnet wurde. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), spricht sich daher für eine „späte Nutzenbewertung“ aus.

Ohne nachfolgende Untersuchungen bestehe die berechtigte Sorge, dass therapeutische Innovationen aufgrund formaler Kriterien nicht ausreichend gewürdigt und berücksichtigt würden, sagt Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie an der Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie an der Universitätsklinikum Leipzig, dem Ärzteblatt.

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