Wirtschaft

Unternehmen suchen kaum Pflegekräfte im Ausland

Der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal in Deutschland führt nicht dazu, dass Unternehmen im Ausland nach Personal suchen. Probleme bei der Einwanderung und Anerkennung von Qualifikationen lassen sie eher Pflegekräfte aus anderen deutschen Einrichtungen abwerben.

Pflege-Unternehmen werben liebe Fachkräfte aus anderen Einrichtungen ab, als sie im Ausland zu suchen. (Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Pflege-Unternehmen werben liebe Fachkräfte aus anderen Einrichtungen ab, als sie im Ausland zu suchen. (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Pflege-Unternehmen können kaum ausländische Fachkräfte akquirieren. Selbst wenn es ihnen an Fachkräften mangelt, werben sie nur selten gezielt Arbeitnehmer aus dem Ausland an. Kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland hat derart große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.

Bis 2030 werden in Deutschland etwa 250.000 Vollzeitstellen im Pflegebereich fehlen, teilt das Institut für Arbeit und Technik mit. Seit den 70er Jahren hat die Politik qualifizierte Zuwanderung allenfalls erlaubt, aber selten aktiv ermöglicht. Genau das jedoch wäre heute notwendig, zeigt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung für die Bertelsmann Stiftung. 61 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben Vakanzen, durchschnittlich sind dort 4,3 Stellen unbesetzt. Dennoch hat bislang nur ein Sechstel der Pflegebetriebe versucht, Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren, so die Studie.

Die Unternehmen wünschen sich einen Abbau rechtlicher Hürden (67 %), bessere Angebote an Sprach- und Integrationskursen (87 %) und mehr Informationsmöglichkeiten über Bewerber (73 %). 83 Prozent der befragten Unternehmen mit Rekrutierungserfahrung stießen bei ihrer internationalen Fachkräftegewinnung auf bürokratische Hemmnisse, 67 Prozent auf Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen. 60 Prozent hatten Schwierigkeiten mit der Einwanderungserlaubnis für Drittstaatler.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützung. Je größer das Unternehmen und je professioneller seine Personalabteilung, desto mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland gewinnt es. Kaum aktiv sind vor allem die ambulanten Pflegedienste, von denen nur jeder zehnte in den vergangenen drei Jahren Rekrutierungsversuche im Ausland unternommen hat. Dagegen war jede fünfte stationäre Krankenpflegeeinrichtung und Altenpflegeeinrichtung aktiv, um international zu rekrutieren.

Drei von vier Pflegeeinrichtungen, die vakante Stellen haben, bezeichnen die Suche nach geeigneten Fachkräften auch in Deutschland als schwierig. Trotzdem nimmt die Rekrutierung aus dem Ausland den letzten Platz unter den Strategien ein, mit denen die Pflegebranche diesem Arbeitskräftemangel begegnet. Gerade einmal 16 Prozent der Einrichtungen wählen diesen Weg. Lieber werben die Unternehmen Personal von der Konkurrenz ab (20 %) oder versuchen, den Krankenstand abzusenken (83 %).

Trotz aller Personalknappheit ist dies für 59 Prozent der Pflegebetriebe ohne Erfahrung mit Rekrutierung aus dem Ausland auch künftig keine Option: Zu aufwendig, zu teuer, zu hohe rechtliche Hürden, lauten die Begründungen.

Das Land, in dem die deutschen Pflegebetriebe in den vergangenen drei Jahren am häufigsten Arbeitskräfte gesucht haben, ist Spanien. Dort waren 61 Prozent aller Unternehmen mit internationaler Rekrutierungserfahrung aktiv. Dahinter folgen Polen (19 %), Kroatien (16 %) und Rumänien (14 %). Bei den wenigen Unternehmen, die auch Rekrutierungsversuche außerhalb der Europäischen Union unternommen haben, verteilen sich die Aktivitäten vor allem auf osteuropäische Länder (Bosnien und Herzegowina, Ukraine, Russland) sowie asiatische Länder (China, Philippinen, Vietnam).

Pflegeeinrichtungen, die Mitarbeiter aus dem Ausland eingestellt haben, ziehen mehrheitlich ein positives Fazit. 60 Prozent der Unternehmen sind mit diesen Pflegefachkräften zufrieden oder sehr zufrieden. Positiv bewerten die Unternehmen bei den aus dem Ausland eingestellten Mitarbeitern vor allem die Einsatzbereitschaft.

 

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