Organspende

Infokampagnen steigern Spendebereitschaft nur geringfügig

Informationskampagnen zum Thema Organspende erhöhen die Spendebereitschaft kaum. Obwohl die meisten Deutschen den Sinn einer Spende gutheißen, gibt es immer noch Hemmungen, die eigene Entscheidung schriftlich festzuhalten.

Jeder dritte Befragte trägt den Organspendeausweis einer Umfrage zufolge stets mit sich. (Foto: BZgA)

Jeder dritte Befragte trägt den Organspendeausweis einer Umfrage zufolge stets mit sich. (Foto: BZgA)

Die Bereitschaft der Bürger für eine Spende der Organe nach ihrem Tod ist in den vergangenen zwei Jahren nur leicht gestiegen. 80 Prozent der Befragten stehen einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, 71 Prozent der Befragten sind grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnimmt. 2013 waren es 68 Prozent. Das ergibt eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die am Montag veröffentlicht wurde.

Doch nur „jeder Dritte in Deutschland hat seine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende in einem Organspendeausweis festgehalten“, sagt Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA. Die Bürger müssten noch besser informiert werden über die Organ- und Gewebespende, damit sie ihre persönliche Entscheidung bewusst treffen und auch dokumentieren können.

Die Verbindlichkeit müsse sichergestellt werden. „Alle 8 Stunden stirbt ein Mensch, weil kein passendes Organ zur Verfügung steht“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Denn viele hielten weder ihren Willen schriftlich fest, noch teilten sie ihre Entscheidung ihren Angehörigen mit. „Deshalb ist der Organspendeausweis so wichtig“, so Gröhe. „Jeder sollte sich informieren, bewusst entscheiden und mit der eigenen Familie darüber sprechen. Denn diese Entscheidung kann Leben retten.“

Die aktuelle Befragung zeigt eine weitgehende Akzeptanz und eine leicht höhere Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende als in den vergangenen Jahren.

Auf die Frage nach den Motiven für eine Organ- und Gewebespende sagen 64 Prozent aller Befragten, dass sie anderen Menschen helfen wollen. Für 45 Prozent ist die Entlastung ihrer Angehörigen eine wichtige Spendenmotivation.

12 Prozent der Befragten lehnen eine Organ- und Gewebespende ab, weil sie den Missbrauch durch Organhandel fürchten und 9 Prozent aus Angst, dass medizinisch nicht mehr alles für sie getan würde, wenn ein Organspendeausweis vorliege. Das Deutsche Herzzentrum in Berlin ist vor diesem Hintergrund bereits vor einem Jahr unter Manipulationsverdacht. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung in 28 Fällen ein, heißt es verschiedenen Medienberichten zufolge. Einem anschließenden Prüfbericht zufolge gabe es in 14 Fällen manipulierte Transplantationen. Krankheitsbilder wurden falsch beschrieben und die Dosis von Medikamenten zu hoch angesetzt. So kamen einige Patienten schneller zu einem Spenderorgan als es ihnen tatsächlich zustand.

Seit 2012 steigt in Deutschland die Zahl der Personen, die einen Organspendeausweis ausgefüllt haben: Hatten 2012 lediglich 22 Prozent ihre Entscheidung zur Organ- und Gewebespende in einem Ausweis dokumentiert, waren es 2013 schon 28 Prozent. Dieser Trend setzt sich in 2014 fort – inzwischen besitzen 35 Prozent der Befragten einen Organspendeausweis.

Das liegt auch an der Forschung, die die Zahl der verwertbaren Spenderorgane ansteigen lässt. Bis zu 30 Prozent mehr Herzen können in Zukunft transplantiert werden. Zwei australische Herzkranke erhielten Berichten der Website IFLScience zufolge bei Transplantationen in Sidney bereits Spenderherzen, die bis vor kurzem nicht hätten genutzt werden können. Beide Herzen hatten schon mindestens 20 Minuten nicht mehr geschlagen und konnten dennoch erfolgreich den Spendern entnommen, wiederbelebt und ihren neuen Besitzern eingesetzt werden.

Die große Mehrheit (86 Prozent), die einen Organspendeausweis ausgefüllt hat, stimmt einer Organ- und Gewebespende zu. 7 Prozent benennen eine andere Person, die im Todesfall über eine Organ- und Gewebespende entscheiden soll. Lediglich 4 Prozent dokumentieren ihren Widerspruch im Organspendeausweis.

Die Ergebnisse zeigen ebenfalls, dass bereits 46 Prozent aller Befragten ihren Angehörigen ihre persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende mitgeteilt haben.

Das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass Krankenkassen und Krankenversicherungsunternehmen ihre Versicherten alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende und über den Nutzen und die Möglichkeiten des Organspendeausweises informieren müssen. Doch mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) fühlt sich zum Thema Organ- und Gewebespende weniger gut bis schlecht informiert. Die BZgA hält deshalb ein breites Informationsangebot bereit.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *