Medikamente

„Pille danach“ beschert HRA Pharma riesen Absatzwachstum

Die Freigabe der Pille danach ohne Rezept führt zu Absatzsteigerungen des Medikamentes. HRA Pharma profitiert am meisten. Doch Mediziner warnen vor einem sorglosen Umgang mit dem stark dosierten Hormon-Präparat. Es sei immer noch ratsam, einen Arzt vor der Einnahme zu Rate zu ziehen.

Nachdem die „Pille danach“ nun rezeptfrei in Apotheken bezogen werden kann, ist der Absatz des Verhütungsmedikaments im Vergleich zu den absatzstärksten Monaten des Vorjahres um 25 Prozent angestiegen. Der Pharmahersteller HRA Pharma profitiert besonders von dieser Entwicklung. Der monatliche Absatz der Marke EllaOne mit dem Wirkstoff Ulipristal hat sich in den vergangenen sechs Monaten mehr als verdoppelt.

2014 wurden im Schnitt 37.000 bis 44.000 Packungen des Präparates abgegeben. Seit Mitte Mai ist die Abgabe der Pille rezeptfrei. Im April stieg der Absatz auf über 55.000 Packungen, berichtet der Statistikdienstleister Insight Health.

Die höchste Abgabe des Medikaments pro Einwohner gibt es in Hamburg, Berlin und Bremen. In Berlin ist die Abgabe pro Person im April um das Fünffache gestiegen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) plädiert dafür, dass sich Frauen dennoch vor der Einnahme von einem Arzt beraten lassen. „Es handelt sich um ein stark wirksames Arzneimittel, das gravierend in den Hormon­haushalt der Frauen eingreift”, warnte Huml einem Bericht des Ärzteblatts zufolge. Das Präparat könne starke Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Blutungen bis hin zu Zyklusstörungen hervorrufen. Es sei viel stärker dosiert als die normale Anti-Baby-Pille.

Berufsverbände und Fachgesellschaften der Gynäkologen in Deutschland warnen vor einer unzureichenden Beratung zur „Pille danach“. Aufgrund des Wirkstoffs Levonorgestrel im Präparat Pidana – ebenfalls von HRA Pharma hergestellt – kann es zu einer nachlassenden Wirkung ab einem Körpergewicht von über 75 Kilogramm kommen. Die nachlassende Wirkung von Ulipristalacetat beginnt erst bei einem Körpergewicht von 90 Kilogramm.

Nach der Einnahme der „Pille danach“ sollen Frauen auf die Einnahme der herkömmlichen Pille bis zur nächsten Menstruation verzichten und unbedingt nichthormonell verhüten. Die Pille verliert in diesem Zeitraum nämlich ihre Wirkung.

„Es ist zu befürchten, dass diese unverzichtbaren Informationen in den Apotheken nicht in jedem Fall mit der gebotenen Dringlichkeit an Mädchen und Frauen weitergegeben werden“, warnen die Gesellschaften.

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