Forschung

Virotherapie: Herpes-Virus erfolgreich gegen Hautkrebs eingesetzt

Wissenschaftlern ist es gelungen, mit einem genmodifizierten Herpes-Virus in einer Studie Hautkrebszellen zu töten. Der Virus war sogar in der Lage, die eigene Immunabwehr zu starten. Auf gesunde Zellen soll der Virus keinen Einfluss haben.

Hautkrebs ist in Deutschland die fünfthöchste Neuerkrankung an Krebs. (Foto: Flickr/Dean Hochman/CC by 2.0)

Hautkrebs ist in Deutschland die fünfthöchste Neuerkrankung an Krebs. (Foto: Flickr/Dean Hochman/CC by 2.0)

In einer Studie der Phase 3 ist es einem internationalen Forscherteam gelungen, Hautkrebs-Patienten erfolgreich mit einem Herpes-Virus zu behandeln. Der Einsatz der genmodifizierten Herpes-Viren könnte die Virotherapie revolutionieren: Sowohl Patienten, die bereits Krebstumore ausgebildet hatten, als auch Patienten in früheren Krebsstadien sprachen auf die Therapie an, die vom Institute of Cancer Research London geleitet wurde.

Bei einer Virotherapie erhalten Krebspatienten im Rahmen einer klinischen Studie modifizierte Impfviren. Diese befallen gezielt die Tumorzellen und können sich nahezu unbegrenzt vermehren. Nach dem Befall der Tumorzellen zerplatzen diese und setzen so im Tumor tausende dieser Viren frei.

Mit dem Erfolgen beim Einsatz von Herpes-Viren ist es das erste Mal gelungen, eine Krankheit so zu nutzen, dass sie eine andere Erkrankung bekämpfen kann. „Es ist das erste Mal, dass eine Phase 3 Studie in der Virotherapie offensichtlich einen Nutzen für den Patienten gezeigt hat, so die Wissenschaftler. T-VEC basiert auf einem Herpes-Virus, dem zwei Gene entnommen wurden (ICP34.5 und ICP47), um ihn für gesunde Zellen unschädlich zu machen. Zusätzlich dazu führte die vorgenommene Modifizierung dazu, dass das Virus ein Molekül freisetzt, welches die eigene Immunabwehr auslöst.

Für die Studie wurden 436 Probanden getestet. 64 Forschungszentren waren an der so genannten Talimogene Laherparepvec oder auch kontrollierten Immuntherapie beteiligt. Alle zwei Wochen erhielten die Patienten per Injektion die entsprechende Dosis. Die Kontrollgruppe wurde einer bereits bekannten Immuntherapie unterzogen.

16,3 Prozent der mit dem Medikament T-VEC behandelten Patienten zeigten auch nach sechs Monaten noch ein Nachlassen von Krankheitssymptomen. In der Kontrollgruppe kam dies nur bei 2,1 Prozent vor. „Einige Patienten haben sogar die Jahre nach der Behandlung noch positive Reaktionen auf den verabreichten Virus,“ heißt es von Seiten des Instituts

Bei den 163 Studienteilnehmern, die Melanome in den Entwicklungsstufen 2 und 4 hatten, zeigte sich den Wissenschaftlern zufolge sogar eine überdurchschnittliche Lebensdauer von 41 Monaten. In der Kontrollgruppe waren es durchschnittlich nur 21,5 Monate. Der gezielte Angriff auf die Tumorzellen verringert zudem die Nebenwirkungen.

Die Tatsache, dass der modifizierte Herpes-Virus aber bei Patienten in frühen Stadien sogar noch besser gegen den Krebs wirkt, könnte T-VEC zu einer sehr früh einsetzbaren Behandlung machen. Selbst bei sekundären Tumorzellen, die nicht mit dem Virus infiziert worden sind, kam es während der Behandlung zu einer Veränderung: Sie schrumpften oder verschwanden.

„Wir denken bei Viren in der Regel an Feinde der Menschheit“, sagt Paul Workman vom Institute of Cancer Research London. „Aber es ist ihre Fähigkeit, sehr genau menschlichen Zellen zu infizieren und zu töten, die sie zu einer vielversprechenden Krebs-Behandlung machen kann.“

Erhält das Medikament eine Zulassung, könnten es die Krebspatienten schon im kommenden Jahr nutzen, so die Wissenschaftler.  Sowohl bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA als auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur hat die Firma Amgen eine Zulassung für T-VEC eingereicht.

In der Krebsforschung kam es in den vergangenen Jahren vermehrt zu neuen Entdeckungen von potentiellen Behandlungsmöglichkeiten. Umfangreich wird über diese Krankheit geforscht. Während Google an Nano-Teilchen zum Aufspüren von Krebs arbeitet, soll eine Tropenfrucht wirksamer gegen Krebs sein als eine Chemotherapie oder Arzneimittel. Die Chemotherapie als Rundum-Waffe gegen den Krebs ist schon lange in die Kritik geraten. Vermehrt rückt ein individualisierter Therapieansatz in den Vordergrund. Der ist jedoch oft sehr teuer für die Krankenkassen und wird von der Pharmaindustrie kaum unterstützt.

Wie die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen, erkrankten 2010 allein 477.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Damit stieg die Zahl der Neuerkrankungen in den Jahren zwischen 2000 und 2010 um 14 Prozent bei den Frauen und 21 Prozent bei den Männern. An einem malignem Melanom auf der Haut erkrankten 2010 9.640 Männer und 9.580 Frauen in Deutschland. Häufigste Krebserkrankung ist bei Frauen weiterhin der Brustkrebs und bei Männern der Prostatakrebs. Die Hautkrebserkrankung die fünfthäufigste Krebsneuerkrankung.

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