Gesundheitswirtschaft

Apotheker beklagen Bürokratie-Aufwand durch Mindestlohn

Der Bürokratieaufwand und die Personalkosten steigen für Apotheker infolge des Mindestlohns. Die Zahl der Minijobber hingegen nimmt ab. Da sie wesentlich weniger Stunden steuerfrei arbeiten dürfen, wird der Minijob für Arbeitnehmer unattraktiver.

Apotheken beschreiben die Veränderungen, die der Mindestlohn mit sich bringt. (Grafik: IFH Köln, 2015)

Apotheken beschreiben die Veränderungen, die der Mindestlohn mit sich bringt. (Grafik: IFH Köln, 2015)

In deutschen Apotheken steigen die Personalkosten und der bürokratische Aufwand. Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes sind die Minijobs zudem in Gefahr geraten. Die Arbeitsstunden für Minijobber müssen genau dokumentiert werden. Vier von zehn Teilnehmern bestätigen einer Umfrage für das Stimmungsbarometer von APOkix zufolge, seit Anfang des Jahres mehr für ihr Personal auszugeben.

Der Mindestlohn stellt insbesondere Firmen mit vielen Minijobbern vor große Herausforderungen. Denn die Grenze von 450 Euro, die die Deutschen steuerfrei pro Monat verdienen können, bleibt bestehen. Minijobber dürfen bei einem höheren Lohn nicht mehr so viele Stunden arbeiten. Jeder fünfte Apothekeninhaber verlagert Aushilfstätigkeiten von Minijobbern und Hilfskräften auf festangestellte Mitarbeiter, um die Kosten zu senken.

Rund 81 Prozent bemerken zudem, dass durch die Einführung des Mindestlohns der bürokratische Aufwand in ihren Apotheken gestiegen ist. Als Ursache sehen drei Viertel der Befragten die mit dem Mindestlohn einhergehende Dokumentationspflicht.

Das Mindestlohngesetz sieht vor, dass die Arbeitszeit der Arbeitnehmer, denen der Mindestlohn zusteht und die weniger als 2.958 Euro brutto monatlich verdienen, erfasst wird. Dokumentiert werden muss damit Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit und das spätestens bis zum Ablauf des siebten Kalendertags. Zwei Jahre müssen die Daten archiviert werden.

Eine Regelung für Sachbezüge, Weihnachtsgeld oder dem 13. Gehalt gibt es jedoch nicht. Ausgenommen vom Mindestlohn sind wenige. Auszubildende und unter 18-jährige gehören beispielsweise zu den Ausnahmen. Und auch Studenten, die Pflichtpraktika von bis zu drei Monaten absolvieren und Langzeitarbeitslose innerhalb der ersten sechs Monate ihrer Tätigkeit können außerdem zu einem geringeren Lohn angestellt werden.

Trotz dieser betriebswirtschaftlichen Herausforderungen steht die Mehrheit der Apothekeninhaber hinter dem gesetzlichen Mindestlohn: Sieben von zehn Befragten finden den Mindestlohn gerecht und geben gern mehr für ihre Mitarbeiter aus.

Die Inhaber beurteilen die wirtschaftliche Situation zurzeit eher negativ. Der Konjunkturindex für die aktuelle wirtschaftliche Lage sinkt erneut und erreicht einen Wert von 87,5 Punkten. Die Mehrheit der Befragten bewertet die aktuelle Geschäftslage neutral, das gilt sowohl für kleine Apotheken (60%) als auch für große Betriebe (51%).

Auch der Index für die erwartete Geschäftsentwicklung sinkt im Mai auf 71,4 Punkte. Damit kann der Aufwärtstrend der vergangenen Monate nicht fortgesetzt werden. Rund 38 Prozent der Umfrage-Teilnehmer rechnen damit, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert – das sind vier Prozent mehr als im Vormonat. Die Anteile der Apothekeninhaber, die mit einer stabilen oder positiven Geschäftsentwicklung rechnen, sind dagegen im Vergleich zum April leicht gesunken.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles warnt vor einer Umgehung der Dokumentationspflichten und lehnt Änderung der Vorschriften ab. Seit Einführung des Mindestlohns zu Beginn des Jahres ist die Zahl der Minijobber allein in Nordrhein-Westphalen der WZ zufolge um 2.000 zurückgegangen.

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