Gesundheitssystem

Krankenkasse fordert Budget für Forschung und Entwicklung

Ein Gutachten der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit kommt zu dem Schluss, dass die Krankenkassen mehr Geld brauchen. Ein neuer Fonds für Forschung und Entwicklung soll die Leistungen der Kassen stärker am Bedarf der Alten und chronisch Kranken ausrichten. Dafür bedarf es einem Betrag von knapp einer Milliarde Euro.

Von den Zusatzverträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern profitieren hauptsächlich gesunde Patienten. (Foto: DAK Gesundheit)

Von den Zusatzverträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern profitieren hauptsächlich gesunde Patienten. (Foto: DAK Gesundheit)

Der Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gehe am Wohl der Patienten vorbei, meint die gesetzliche Krankenkasse DAK-Gesundheit. Die Kasse fordert einen Neubeginn: Ein eigenständiges Krankenkassenbudget für Forschung und Entwicklung soll Innovationen finanziell ermöglichen. So sollen die hohen Rücklagen für gesunde Patienten abgebaut und mehr Mittel für die Versorgung von Patienten zur Verfügung gestellt werden.

Als Größenordnung werden 0,5 Prozent des gesamten Beitragsaufkommens in der gesetzlichen Krankenversicherung genannt. Dies würde aktuell einer Summe von rund 922 Millionen Euro entsprechen. Grundlage für diese Berechnung ist ein Gutachten des Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastrukturfragen IGES. Die Gelder für „Forschung und Entwicklung innovativer Versorgungsprozesse“, über deren Verwendung die einzelnen Krankenkassen selbst entscheiden, sollen dem bestehenden Gesundheitsfonds entnommen werden, erklärt das Gutachten. Ziel ist es dabei, die teils hohen Überdeckungen für gesunde Versicherte abzubauen und zugunsten der Patientenversorgung einzusetzen.

Das Institut analysierte im Auftrag der drittgrößten Krankenkasse Schwachstellen im System des Kassenwettbewerbs und zeigt Reformoptionen auf. Demnach waren in den vergangenen 25 Jahren die „Reformschritte im Gesundheitswesen meist auf kurzfristige Lösungen ausgerichtet, zusammenhanglos und teils in sich widersprüchlich“, heißt es in einer Mitteilung der Krankenkasse. Als Gründe nennt die DAK-Gesundheit, dass die Erwartungen der Patienten nicht erfüllt und falsche Anreizsysteme existieren würden.

Der Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung sei kein Selbstzweck, sondern müsse die Suche nach besseren Versorgungsverträgen zum Ziel haben. Stattdessen finde derzeit aber ein reiner Preiswettbewerb statt, der vor allem den 80 Prozent der meist gesunden, jungen Versicherten Anreize biete, Geld zu sparen, und damit das Solidarsystem finanziell schwäche.

Die Krankenkassen versuchen dadurch, junge und gesunde Versicherte an sich zu binden. Diese kosten sie am wenigsten. Versorgungsmodelle für Alte oder chronisch Kranke hingegen sind kostspielig. Dafür fehlen aus der Perspektive der Krankenkassen die finanziellen Anreize.

„Eine solidarische Krankenversicherung kann nicht im Angebot von Individualtarifen und medizinisch teils fragwürdigen Satzungsleistungen bestehen“, sagt der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher. „Das entzieht dem System Mittel, die für die Versorgung chronisch Kranker dringend benötigt werden.“

Innovative Versorgungsformen setzen bislang bei überwiegend gesunden Versicherten an. Chronisch Kranken nützt das wenig. In Selektivverträgen vereinbaren Krankenkassen bestimmte Leistungen mit den Leistungserbringern wie Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Das geschieht über die gesetzlich vorgeschriebene Leistungsverpflichtung der Krankenkassen hinaus, die in Kollektivverträgen geregelt ist. Selektivverträge oder Einzelverträge müssten die Regelversorgung dem Gutachten zufolge künftig sinnvoll ergänzen, so dass letztlich alle Patienten davon profitieren.

Das von der DAK-Gesundheit in Auftrag gegebene IGES-Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Krankenkassen spürbare Anreize brauchen, um die Qualität und Effizienz der Versorgung zu erhöhen. Sämtliche Innovationen sollten immer einen Nutzen für Patienten haben, der nachgewiesen werden müsse.

Um die sinnvolle Verwendung der Gelder zu kontrollieren, ist neben einer Evaluations- auch eine Publikationspflicht geplant, sodass erfolgreiche Angebote in die Regelversorgung übergehen können. Krankenkassen, die sich selektivvertraglich engagieren und damit Innovationen in das System tragen, müssen mit diesem Sonderbudget keine Wettbewerbsnachteile befürchten.

Die DAK-Gesundheit möchte mit den Reformvorschlägen die Diskussion um das Konzept der solidarischen Wettbewerbsordnung neu beleben. „Im Gutachten von IGES wird gezeigt, wie selektivvertraglicher Wettbewerb im Gesundheitswesen der Suche und Entdeckung innovativer Lösungen dienen kann anstatt dem primären Streben nach Preisrabatten und Ausgabensenkungen“, betont Vorstandschef Herbert Rebscher.

Sollte der Vorschlag der DAK in der Politik Anklang finden, wäre das ein Vorteil für die Krankenkassen. Sie erhielten dann mehr Geld. Seit Beginn des Jahres dürfen Krankenkassen zudem wieder Zusatzbeiträge erheben, wenn sie dies für nötig befinden.

 

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