Medizintechnik

Kleinster Schrittmacher der Welt wird direkt ins Herz verpflanzt

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt kommt ohne Kabel aus und wird direkt an die Herzwand gesetzt. In Düsseldorf wurde dem ersten deutschen Patienten solch ein Schrittmacher eingesetzt. Die Micra-Kapsel hält zehn Jahre und gilt als sicherer, als herkömmliche Geräte.

Kleine Medizintechnik verstärkt schwache Herzen. (Foto: Flickr/ Bastian Greshake/ CC BY-SA 2.0)

Kleine Medizintechnik verstärkt schwache Herzen. (Foto: Flickr/ Bastian Greshake/ CC BY-SA 2.0)

Erstmals in Deutschland wurde der kleinste Herzschrittmacher der Welt erfolgreich verpflanzt. Die Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf setzte einem Patienten eine Kardiokapsel ein – einen Herzschrittmacher, der im Herzen selbst verbleibt und somit völlig ohne Kabel auskommt. Deutschlandweit tragen über 500.000 Menschen einen Herzschrittmacher. Dem ersten Patienten mit der Kardiokapsel, einem 82-jährigen Mann, geht es gut.

„Dies ist ein großer Fortschritt in der medizinischen Versorgung von Schrittmacherpatienten“, sagt Klinikdirektor Malte Kelm. Die Kardiokapsel namens Micra wird durch die Leistenvene in die rechte Herzkammer vorgeschoben. Ist die richtige Stelle nahe der Herzspitze erreicht, wird die Micra-Kardiokapsel im Herzmuskelgewebe verankert.

Für den Patienten sinkt das Infektionsrisiko. Zudem gibt es durch das minimal invasive Verfahren keine Narbe mehr unter dem Schlüsselbein. „Insbesondere Patienten, bei denen sich der Zugang über die Vene unter dem Schlüsselbein schwierig gestaltet, können von dieser Therapie profitieren“, sagt Privatdozent Dong-In Shin, Leiter der Abteilung für Rhythmologie.

Für einen koordinierten und kräftigen Herzschlag, bei dem das Blut durch den Körper gepumpt wird, sind elektrische Impulse notwendig. Im Herzen gibt es dazu natürliche Taktgeber. Wenn diese nicht mehr zuverlässig arbeiten, werden die inneren Organe nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt, was den Körper schwächt. Abhilfe bietet ein Herzschrittmacher, der den natürlichen Takt des Herzens wiederherstellt.

Die Micra-Kardiokapsel ist nur noch ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Schrittmacher und wiegt gerade mal 1,75 Gramm. Mit nur 26 Millimetern Länge und einem Durchmesser von 6,7 Millimetern kann sie ihrem Träger bei zu langsamem Herzschlag helfen. Es gibt Patienten, bei denen auf Grund von Vorerkrankungen eine Herzschrittmacherimplantation über die Vena Subclavia, die unterhalb des Schlüsselbeins entlangführt, nicht oder nur schwer möglich ist.

Mit ihrer Kardiokapsel bietet die Firma Medtronic nun auch diesen Patienten eine therapeutische Option. Deutschlandweit werden jährlich über 100.000 Herzschrittmachereingriffe durchgeführt. Herkömmliche Herzschrittmacher werden mit einem Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Von hier führen die Elektroden durch die Blutgefäße ins Herz, wo sie sich in der Herzwand verankern.

„Die Elektroden herkömmlicher Herzschrittmacher sind dauerhaft der Herzbewegung ausgesetzt. Dieses schwächste Glied des Systems ist bei der neuen Herzkapsel gar nicht mehr vorhanden“, betont Shin. Die Kapsel wird mittels Katheter durch die Blutgefäße in das Herz eingeführt.

Der Schnitt unter dem Schlüsselbein entfällt und nur eine kleine Narbe in Höhe der Hüfte vom Katheterzugang wird später noch sichtbar sein. Mit dem Mikro-Schrittmacher ist es jetzt gelungen, Batterie, Herzmessung und Taktgeber in einer einzigen winzigen Kapsel unterzubringen. Die Spitze der Micra berührt dabei die Herzwand, wo der nötige elektrische Impuls abgegeben wird.

Die Lebensdauer der Batterie beträgt ungefähr zehn Jahre. Die Zulassung der Kapsel basiert auf Studienergebnissen der ersten 60 Patienten und einer Nachbeobachtungszeit von bisher drei Monaten. An der Studie nehmen 720 Patienten aus 56 Zentren in 19 Ländern teil.

 

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