Gesundheitswirtschaft

Experten: Zahlreiche öffentliche Krankenhäuser werden schließen

Die geplante Krankenhausreform soll die Schließung wirtschaftlich unrentabler Kliniken auf den Weg bringen. In erster Linie werden kommunale, öffentliche Häuser betroffen sein. Experten kritisieren, dass die Kommunen diese unwirtschaftlichen Kliniken über Jahre mit Steuergeldern finanziert haben.

Die hohen Personalkosten in Krankenhäusern sind nur ein Grund für ihre schlechte finanzielle Lage. Viele öffentliche Häuser sind einfach nicht wirtschaftlich genug und müssen von ihren Kommunen unterstützt werden. (Foto: Flickr/ Wir. Dienen. Deutschland/ CC BY-ND 2.0)

Die hohen Personalkosten in Krankenhäusern sind nur ein Grund für ihre schlechte finanzielle Lage. Viele öffentliche Häuser sind einfach nicht wirtschaftlich genug und müssen von ihren Kommunen unterstützt werden. (Foto: Flickr/ Wir. Dienen. Deutschland/ CC BY-ND 2.0)

Die Kliniklandschaft in Deutschland wird sich in den kommenden zehn Jahren deutlich verändern. Die Zahl der öffentlichen Krankhäuser, insbesondere in den Kommunen, wird abnehmen. Krankenhäuser in privatwirtschaftlicher Führung hingegen werde es öfter geben. Das sagen zahlreiche Experten auf Hauptstadtkongress am vergangenen Mittwoch in Berlin.

Öffentliche Krankenhäuser müssten sich stärker in Verbünden organisieren, fordert Joachim Bovelet von der Regiomed-Kliniken GmbH. „Ein Markt alleine in privater Hand funktioniert nicht“, sagte Bovelet einem Bericht des Ärzteblattes zufolge. „Wenn alles in privater Hand wäre, hätte ich die Angst, dass nur noch gemacht werden würde, was wirtschaftlich ist.“

Die öffentlichen Krankenhäuser stehen in der Kritik, weil etliche von ihnen seit Jahren rote Zahlen schreiben. Die Schulden bezahlen die Kommunen. Doch das sei gar nicht seine Aufgabe, kritisiert Michael Philippi von der privaten Sana Kliniken AG. „Der Staat hat zwar die Daseinsvorsorge. Aber es gibt keine Begründung dafür, dass er alles selbst machen muss.“ Philippi verweist auf Apotheker, Ärzte und Industrieunternehmen, die allesamt nicht staatlich organisiert sind und dennoch vielfach die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen aufrechterhalten.

Das Insolvenzrisiko für Krankenhäuser ist 2013 erneut gestiegen, geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2015 hervor. In ostdeutschen Ländern ist die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krankenhäusern fünf Mal geringer als in westdeutschen Bundesländern. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert.

Am größten sind die Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Krankenhausträgern. 14 Prozent aller öffentlichen Kliniken sind insolvenzgefährdet. Bei den privaten Häusern sind es nur fünf Prozent. Auch hier gibt es eine klare Differenzierung zwischen Ost- und Westdeutschland“, sagte Sebastian Krolop von Philips Healthcare, einer der Autoren des Reports. So seien in Ostdeutschland nur 1,7 Prozent der kommu­nalen Krankenhäuser von einer Insolvenz bedroht, in Westdeutschland hingegen 36 Prozent.

Das Problem liegt paradoxerweise bei den finanziell gut aufgestellten Kommunen. Diese seien Krolop nämlich in der Lage, ein wirtschaftlich schlecht aufgestelltes Krankenhaus zu unterstützen, um es nicht schließen oder umstrukturieren zu müssen.

„Wenn kommunale Krankenhäuser den Umbruch nicht bewältigen können, gibt es auch keine Begründung, dieses Defizit aus Steuermitteln abzumildern“, sagte der Bremer Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse. Die staatlichen Kliniken müssten die Leitung entweder an private Investoren abtreten oder „gucken, was sie falsch machen“. Schulte-Sasse sieht die Gefahr, dass sich Politiker im Aufsichtsrat zu kleinteilig und kiezbezogen in das operative Geschäft einmischten.

Eine zwingend notwendige Existenz von öffentlichen Krankenhäusern gebe es nur dann, wenn die Versorgung in ländlichen Gebieten gefährdet sei. Das könne passieren, wenn sich private Träger plötzlich aus einer Region zurückziehen würden, so Schulte-Sasse. Doch bei der Qualität der Krankenhausversorgung gebe es keine nennenswerten Unterschiede.

Trotzdem „haben es die privaten Krankenhausträger nicht geschafft, eine wirklich gute Marke aufzubauen“, sagt der frühere Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen. Viele Patienten glauben, sie würden nicht gut behandelt, da private Einrichtungen Gewinne erwirtschaften müssten.

Auch Ärzte fühlten sich bei öffentlichen Trägern wohler, ergänzt Wolfgang Pföhler vom Deutschen Krankenhausinstitut. „Wichtig für alle Krankenhäuser ist die Akzeptanz des ökonomischen Denkens. Dabei geht es um das medizinische Ergebnis, die Patientenorientierung  und die Effizienz. Private Träger haben hier eine stärkere Tendenz, diesen ökonomischen Gedanken zu akzeptieren.“ Bei öffentlichen Krankenhäusern gebe es hingegen noch Nachholbedarf. So lange es die Rendite erlaube, würde private Träger weiterhin Krankenhäuser verwalten. Angesichts des demografischen Wandels sei aber ungewiss, wie lange das noch der Fall sein wird.

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