Internetmedizin

Patienten nutzen Apps für medizinische Therapie

In Deutschland entsteht eine neue Startup-Szene, die die Internetmedizin in Form von Apps für Patienten attraktiv macht. Einer Studie zufolge können Apps die Therapietreue, das Patientenverhalten und die medizinische Versorgung verbessern.

In Deutschland entsteht eine neue Branche zum Thema Internet-Medizin. (Foto: Beate Achilles, achilles-pr.de)

In Deutschland entsteht eine neue Branche zum Thema Internet-Medizin. (Foto: Beate Achilles, achilles-pr.de)

Patienten verwenden das Internet zunehmend im Kontext ihrer individuellen Bedürfnisse und ihrer ärztlichen Therapie. Vor allem für Inhalte relevant für ihre Behandlung, Behandlungsalternativen und ärztliche Zweitmeinungen interessieren sich die Menschen. Webdienste und Apps, die auf bestimmte Therapien zugeschnitten sind können die Therapietreue, das Patientenverhalten und somit die Versorgung verbessern, zeigt eine Online-Befragung des Marktforschungsunternehmens EPatient.

Leicht verspätet entsteht auch in Deutschland eine ganze Startup-Branche zum Thema Internetmedizin. „Uns interessierte bei der Umfrage deshalb besonders, welche Diagnose- und Medikamenten-Apps die Menschen verwenden, wie ihre Zahlungsbereitschaft für solche Angebote ist und wie aktuelle Innovationen auf dem digitalen Gesundheitsmarkt angenommen werden“, sagt Alexander Schachinger, Geschäftsführer der EPatient RSD GmbH, anlässlich der Vorstellung der Studie im Base Camp in Berlin-Mitte. Mit 10.700 Teilnehmern ist sie die bislang größte Umfrage zur Internetnutzung bei Gesundheitsfragen im deutschsprachigen Raum.

Die Studie betätigt, dass internetbasierte Informationsangebote und therapiebegleitende Dienste die medizinische und medikamentöse Therapie nachweislich optimieren können. Fast die Hälfte der Befragten gab an, die Anweisungen ihres Arztes zu ihren Medikamenten aufgrund von Informationen aus dem Netz besser zu verstehen und zu befolgen. Insgesamt sagen 38 Prozent, das Internet habe ihnen im Alltag und im Umgang mit ihrer Erkrankung seelisch, beruflich und praktisch geholfen. Jeder dritte gab an, durch eine App für seine Medikamente mit der regelmäßigen Einnahme besser umgehen zu können.

Dem Interesse der Menschen an Gesundheitsinformationen entspricht auch das große Interesse an Apps, die in Kombination mit einem Messgerät für Körperdaten, Bewegung und Sport angewendet werden. Bereits 20 Prozent der Befragten nutzen solche Angebote.

Circa 50 Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz können aktuell über mehr als 8.000 Webdienste und Apps zu Gesundheitsthemen verfügen. Die Umfrage zeigt, dass sich Nutzer in diesem wachsenden digitalen Gesundheitsmarkt Orientierung durch Ärzte und Krankenkassen wünschen.

So möchten Patienten Medikamenten-Apps lieber von ihrem Arzt (57%) oder ihrer Krankenversicherung (38%) erhalten als von Google oder App-Stores. Von den Krankenversicherungen wünschen sie sich außerdem geprüfte Übersichten zu empfehlenswerten Webseiten und Apps.

Potential zeigt die Studie auch für Online-Dienste zur Vereinbarung von Arztterminen sowie für digitale Gesundheitsakten, in denen die eigenen Behandlungsdaten zusammen mit Röntgenbildern, Arztbriefen, etc. gesammelt werden. Rund ein Drittel der Befragten wünscht sich solche Angebote. Und immerhin 16 Prozent würden nach Klinik- und Reha-Aufenthalten gern eine digitale Nachsorge in Anspruch nehmen, etwa in Form von App-gestützten Lernprogrammen zu ihrer Krankheit, um die weitere Behandlung nach der Entlassung zu optimieren.

Der wachsende digitale Gesundheitsmarkt ist mit den Strukturen des traditionellen Gesundheitssystems bislang kaum verknüpft. Versuche, die elektronische Gesundheitskarte mit einem funktionellen Telemetriesystem zu verbinden und die Digitalisierung de Gesundheitssystems in Deutschland voranzutreiben, scheitern an datenschutzrechtlichen Fragen und Mängeln in der IT.

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