Gesundheitsmanagement

Studie: Schlechter Ruf der Bahn schadet Gesundheit der Mitarbeiter

Das Image eines Unternehmens hat direkten Einfluss auf die Gesundheit der Angestellten, belegt eine Studie über die Deutsche Bahn. Dabei ist es nachrangig, ob die Tätigkeit körperlich anstrengend ist oder das Gehalt zu gering. Wichtig sind soziale Kontextfaktoren, wie Arbeitsumfeld, Zusammenhalt und Wertschätzung.

Die Arbeit auf dem Güterbahnhof ist anstrengend – auch aufgrund der Reputation des Unternehmens. (Foto: Flickr/Bankenverband/CC BY-ND 2.0)

Die Arbeit auf dem Güterbahnhof ist anstrengend – auch aufgrund der Reputation des Unternehmens. (Foto: Flickr/Bankenverband/CC BY-ND 2.0)

Das schlechte Image der deutschen Bahn wirkt sich direkt auf die Gesundheit ihrer Angestellten aus. Interessanterweise hat eine negative Presse gegenüber Personenverkehrssparten der Deutschen Bahn einen deutlichen Einfluss nicht nur auf die Reputation, sondern auch auf die Arbeitszufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter. Die fehlende Wertschätzung drückt die Stimmung und kann sogar krank machen.

Eine Analyse der Hochschule Fresenius untersuchte die Kontextfaktoren für Gesundheit im Betrieb der DB Schenker Rail AG. Im Fokus standen biomechanische und physiologische Belastungsfaktoren sowie psychologische und soziale Merkmale der Berufsausübung.

Dabei spielt es keine Rolle, dass die Güterwageninstandhaltung keine Berührungspunkte zu Fahrplänen, Ticketpreisen oder Zugausfällen im Personenverkehr hat. Das Gehalt, welches üblicherweise ebenfalls als Einflussgröße auf die Zufriedenheit gewertet wird, ist im Vergleich mit den psychosozialen Aspekten von geringerer Bedeutung.

Die Deutsche Bahn kämpft seit langem mit großen Werbekampagnen gegen ihr schlechtes Image. Die Ticketpreise werden stets teurer. Das Angebot verbessert sich kaum. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn nach dem Boom bei den Fernbussen starke Konkurrenz im Personenverkehr bekommen hat. Der Streik mit den Lokführern kostete das Unternehmen zusätzlich Kraft, Zeit und Geld. All diese Faktoren das Unternehmen weiter unter Druck. Dieser Druck kommt zuletzt auch bei den Angestellten aller Bahn-Sparten an.

Jeder Euro, der für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ausgegeben wird, spart 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten, belegt auch der aktuelle iga-Report. Aber es sind nicht nur die monetären Gründe, warum sich Unternehmen immer stärker um ein gezieltes BGM bemühen. Fachkräftemangel, steigende Krankheitsausfälle bei psychischen und chronischen Erkrankungen und eine immer ältere werdende Belegschaft zwingen zum Handeln. Es gibt auch Unternehmen, die das begriffen haben. Dazu zählen Industrieunternehmen wie Siemens, der Softwaregigant SAP, der Logistikkonzern Deutsche Post DHL und die mittelständische ambulante Krankenpflege Bettina Harms GmbH. Diese Unternehmen wurden mit dem Deutschen Unternehmenspreis Gesundheit 2015 ausgezeichnet.

Das zeigt, dass man nicht erst aufwendig forschen muss, um erfolgreich Gesundheitsmanagement zu betreiben. Die Gesundheit von Angestellten hängt nicht nur von der Arbeit selbst und der Arbeitsstätte ab. Gefährliche und körperlich anstrengende Jobs können die Gesundheit zwar beeinträchtigen, müssen dies aber nicht, solange das soziale Umfeld stimmt.

Die Analysen zeigen, dass die Kontextfaktoren für Gesundheit weit komplexer und individueller sind, als viele klassische Konzepte für betriebliches Gesundheitsmanagement bislang berücksichtigen. So spielt die persönliche Anerkennung in einer Branche, die durch starke körperliche Belastungen gekennzeichnet ist, eine besondere Rolle für die Zufriedenheit und damit auch für die Gesundheit von Mitarbeitern. Wertschätzung von außen – durch Familienmitglieder, Freunde oder die Öffentlichkeit – trägt in hohem Maße zum Wohlbefinden von Mitarbeitern bei. Die Wertschätzung bezieht sich im Wesentlichen auf den besonderen technischen Sachverstand, der für die Arbeit vonnöten ist, bezieht.

„Trotz voranschreitender Technisierung und Digitalisierung bleibt auch in der Logistikbranche der Mitarbeiter die entscheidende Größe“, sagt Christian Haas, Direktor des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius und Leiter des Projekts. Die Bahn ist auf gesunde Mitarbeiter angewiesen. Auf einer wissenschaftlich fundierten Basis sollen solide und bedarfsgerechte Maßnahmen des Gesundheitsmanagements entwickelt werden.

„Unser Ziel ist es, einer der zehn attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu sein“, sagt Alexander Ketterl, verantwortlich für die Instandhaltung von Fahrzeugen bei DB Schenker. Die Bahn will weiter auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen.

Wenn sich die Verantwortlichen die Ergebnisse der Studie als Maßstab nehmen, müssen sie das Image des Unternehmens umkrempeln, um die Mitarbeiter gesund zu halten. Die nächste Marketing-Kampagne ist bereits in den Startlöchern. Zu Beginn dieser Woche stellt das Schienenunternehmen ICE-Tickets ab 19 Euro zur Verfügung.

 

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