Gesundheit

Ständige Erreichbarkeit in der Freizeit macht krank

Wenn Führungskräfte nicht abschalten können, wirkt sich das auch auf die Gesundheit ihrer Angestellten aus. Laptop und Smartphone machen ständige Erreichbarkeit möglich. Im Arbeitszeitgesetz ist jedoch genau geregelt, wer wie lange erreichbar sein muss.

Abschalten, Feierabend, Sendepause. Für viele Führungskräfte im mittleren Management ist das kaum möglich. Sie fühlen sich verpflichtet, für Chef und Kollegen auch in der Freizeit erreichbar zu sein. Dank Laptop und Smartphone können heute auch am Strand und in den Bergen E-Mails gelesen und berufliche Telefonate geführt werden. Das ist nicht immer unproblematisch. Denn unter ständiger Erreichbarkeit kann die Gesundheit leiden.

Wer rund um die Uhr für den Job erreichbar ist, kämpft mit Frust und schadet seiner Gesundheit. (Foto: Flickr/Bas Bakker/CC BY 2.0)

Wer rund um die Uhr für den Job erreichbar ist, kämpft mit Frust und schadet seiner Gesundheit. (Foto: Flickr/Bas Bakker/CC BY 2.0)

Vorgesetzte sind signifikant häufiger in ihrer Freizeit beruflich erreichbar als Beschäftigte ohne Führungsaufgaben, zeigt eine Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG). Diese Erreichbarkeit bietet Flexibilität, kann aber auch Nachteile haben.

Die stärkste Belastung erlebt die mittlere Führungsebene, die in ihrer „Sandwichposition“ oft für höhere Vorgesetzte und Beschäftige gleichermaßen erreichbar sein muss und die Verantwortung für das Team und dessen Arbeit trägt. Sich dabei selbst nicht zu überlasten fällt oft schwer, ist aber enorm wichtig: Studien deuten darauf hin, dass die ständige berufliche Erreichbarkeit eine psychische Fehlbelastung darstellen und zusammen mit anderen Fehlbelastungen die Gesundheit negativ beeinflussen kann. „Sind Beschäftigte nach Feierabend häufig erreichbar, denken sie vermehrt an die Arbeit und können nur schwer abschalten. Auf Dauer kann das die Erholungsfähigkeit einschränken”, erklärt Hiltraut Paridon, Arbeitspsychologin am IAG.

Auch die Vorbildfunktion der Vorgesetzen beim Thema Erreichbarkeit ist nicht zu unterschätzen: Sind Vorgesetzte ständig erreichbar, gehen viele Beschäftigte davon aus, dass von ihnen dasselbe erwartet wird. Eine offene Kommunikation im Unternehmen gerade zur Urlaubszeit kann helfen, Führungskräfte und Beschäftigte gleichermaßen zu entlasten.

Es gibt einige gesetzliche Regelungen zur Erreichbarkeit, die jeder Angestellte und Vorgesetzte wissen sollte. Das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Beschäftigte an allen Tagen außer sonntags acht Stunden arbeiten können. Die tägliche Arbeitszeit darf bis zu zehn Stunden betragen, wenn im Durchschnitt innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen werktäglich höchstens acht Stunden gearbeitet wird.

Beschäftigte haben Anspruch auf elf Stunden Ruhezeit zwischen zwei Arbeitseinsätzen. Diese Ruhezeit darf in Ausnahmefällen durch den Tarifvertrag um zwei Stunden gekürzt werden, muss dann aber innerhalb eines festgelegten Zeitraums ausgeglichen werden.

Enthalten der individuelle Arbeitsvertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung keine Vereinbarungen zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit, müssen Beschäftigte in ihrer Freizeit weder telefonisch erreichbar sein noch E-Mails abrufen.

Vorgesetzte dürfen in Ausnahmefällen Beschäftigte in der Freizeit stören, wenn Kollegen wegen fehlender Informationen nicht weiterarbeiten können. Während einer Rufbereitschaft müssen Beschäftigte telefonisch erreichbar sein. Unterstützung beim Thema psychische Gesundheit bietet die Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *