Altersvorsorge

Teure Pflege: Mehr als jeder Dritte Deutsche muss zahlen

Die hohe finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen im familiären Umfeld ist immer noch tabu. Vor allem junge Leute wissen kaum, was auf sie zukommen kann. Da die gesetzliche Pflegeversicherung nicht alle Kosten deckt, können je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit schnell Zusatzbelastungen von über 2.000 Euro im Monat anfallen.

Die Pflege innerhalb der Familie ist eine große finanzielle Herausforderung. (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Die Pflege innerhalb der Familie ist eine große finanzielle Herausforderung. (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Mehr als jeder Dritte Bundesbürger (40%) hat oder hatte laut einer forsa-Umfrage einen Pflegefall in der Familie. Bei 9 Prozent waren es sogar mehrere. Meist kommen hohe finanzielle Belastungen hinzu, denn Pflege ist teuer. Trotzdem ist das Bewusstsein für das Thema in der Gesellschaft noch nicht angekommen.

Bei rund 31 Prozent der Pflegefälle erfolgt die Pflege privat und durch Familienangehörige. Jeder zweite Befragte erhält zusätzlich Unterstützung von einem Pflegedienst, während 19 Prozent ausschließlich auf professionelle Kräfte bei der Betreuung setzen. Unter den Befragten, die keinen Pflegefall in der Familie haben oder hatten, wären laut der Umfrage grundsätzlich 56 Prozent dazu bereit, die Pflege innerhalb der Familie zu übernehmen. Ganze 42 Prozent sehen sich jedoch nicht in der Lage dazu.

„Pflegebedürftigkeit und die Frage nach der Versorgung im Alter sind keine Themen, über die sich die Familie gerne in gemütlicher Runde unterhält“, sagt Amar Banerjee, Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Life Deutschland.

Wer im Alter auf die Pflege durch andere angewiesen ist und an ein Leben im Heim denkt, empfindet oft schon den Gedanken daran als belastend. Denn der Abschied aus den eigenen vier Wänden bedeutet für viele, auf ein unabhängiges Leben verzichten zu müssen. Das zeigt auch die forsa-Umfrage von Swiss Life Deutschland: Nur 8 Prozent möchten in ein Alters- oder Pflegeheim. Die meisten (46%) würden am liebsten zu Hause betreut werden, 20 Prozent können sich eine andere Pflegeform wie Alters-WGs oder Generationenhäuser vorstellen und 16 Prozent betreutes Wohnen.

In jedem Fall wird es teuer: Professionelle Kräfte müssen bezahlt und die Miete von Alters-WGs und Generationenhäusern beglichen werden. „Auch wer das Glück hat, von Familienmitgliedern zu Hause gepflegt zu werden, muss einiges dafür ausgeben, um die Wohnräume barrierefrei zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise Haltegriffe im Badezimmer, eine ebenerdige und rutschfeste Dusche mit Sitzmöglichkeit oder ein Badewannenlift, schwellenlose Zugänge und ein installierter Hausnotruf“, so Banerjee.

Da die gesetzliche Pflegeversicherung nicht alle Kosten deckt, können je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit schnell Zusatzbelastungen für die Pflege von über 2.000 Euro im Monat anfallen. Wer diesen Mehraufwand nicht aus anderen laufenden Einkünften bestreiten kann, muss dann erst mal das eigene Vermögen – bis auf ein geringes Schonvermögen – zur Finanzierung der Pflegebedürftigkeit verbrauchen.

Erst danach springt das Sozialamt ein, das unterhaltspflichtige Angehörige aber in die Pflicht nimmt, sofern sie über ein ausreichend hohes Einkommen verfügen. Das Sozialamt kann unter bestimmten Voraussetzungen sogar verlangen, dass Schenkungen zurückgefordert werden, wenn der Pflegebedürftige seine Pflegebedürftigkeit nicht mehr selber finanzieren kann.

Für den Betroffenen und die Angehörigen führt das meist zu schwerwiegenden finanziellen und emotionalen Belastungen. Das ohnehin schwere Los der Pflegebedürftigkeit wird zusätzlich durch die bittere Erfahrung überschattet, dass man einer Behörde die eigene Bedürftigkeit nachweisen muss und möglicherweise noch den Angehörigen finanziell zur Last fällt.

Trotzdem beabsichtigen laut der forsa-Umfrage lediglich 35 Prozent der Bevölkerung, eine private Pflegeversicherung abzuschließen bzw. haben dies bereits getan. 63 Prozent planen dies derzeit nicht.

Überraschend ist auch, dass nur 39 Prozent der Befragten genau wissen, was eine Pflegeversicherung ist und was sie leistet. 51 Prozent haben nur eine vage Vorstellung davon und 11 Prozent wissen gar nicht darüber Bescheid. Bei den unter 45-Jährigen ist diese Personenzahl besonders hoch. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es ganze 86 Prozent, bei den 30- bis 44-Jährigen noch 67 Prozent. „Dabei sollten gerade junge Leute unter 40 besonders dringend vorsorgen“, findet Banerjee. „Denn die Gesellschaft wird immer älter, die Zahl der Pflegefälle steigt und damit das Risiko, selbst betroffen zu sein.“

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