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Studie: EU-Bürger lassen sich ungern im Ausland behandeln

Medizin-Tourismus ist für die meisten EU-Bürger kein Thema: Eine aktuelle Studie der EU-Kommission zeigt, dass nur zwei Prozent der EU-Bürger schonmal bewusst zur Behandlung ins Ausland gereist sind. Die Bereitschaft dazu ist bei jedem zweiten vorhanden, hängt jedoch weniger vom Preis, sondern von der Aussicht auf eine qualitativ bessere medizinischen Versorgung ab.

Urlaub ist das eine, aber wenn es um die medizinische Behandlung geht, bleiben die EU-Bürger lieber im Heimatland. (Foto: flickr/Antonio Castagna/cc by 2.0)

Urlaub ist das eine, aber wenn es um die medizinische Behandlung geht, bleiben die EU-Bürger lieber im Heimatland. (Foto: flickr/Antonio Castagna/cc by 2.0)

Zum Augenlasern nach Griechenland, neue Zähne aus Ungarn oder zur künstlichen Befruchtung nach Holland: Medizin-Touristen sind in der EU immernoch eine kleine Minderheit. Nur fünf Prozent der EU-Bürger haben sich 2014 in einem anderen EU-Land medizinisch behandeln lassen. In der Mehrzahl der Fälle war die Behandlung nicht geplant: Gerade einmal zwei Prozent der Patienten hatten sich bewusst für eine Auslandsbehandlung entschieden. Dies geht aus einer Befragung von rund 28 000 EU-Bürgern im Auftrag der Europäischen Kommission hervor, dem Eurobarometer. Sie wurde im Oktober 2014 durchgeführt, die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht.

Auch wenn es nur wenige in die Tat umsetzen: Eine generelle Bereitschaft, sich im Ausland behandeln zu lassen, ist laut Studie bei jedem zweiten vorhanden. Allerdings nur, wenn es unbedingt sein muss: Eine Mehrheit von 71 Prozent der Befragten würde sich nur dann im Ausland behandeln lassen, wenn die Behandlung im Heimatland nicht verfügbar wäre.

Für eine qualitativ bessere Behandlung würde noch eine knappe Mehrheit von 53 Prozent ins Ausland reisen, für eine schnellere Behandlung lediglich jeder Dritte (34 Prozent). Weniger als ein Viertel (23 Prozent) der Befragten wäre hingegen bereit, den Weg auf sich zu nehmen, nur um Kosten zu sparen. Die Gründe für die Entscheidung waren dabei in den meisten Fällen nicht ökonomischer Natur – statt eines günstigeren Preises erhofften sich die Patienten von der Reise vielmehr eine bessere Qualität der Behandlung. Medizin-Tourismus ist also derzeit keine Frage des Preises, sondern der Qualität der Behandlung.

Für eine Krebsbehandlung könnten sich die meisten vorstellen, sich ins Ausland zu begeben (53 Prozent), danach kommen Herzoperationen (38 Prozent) und Zahnbehandlungen (28 Prozent). Die Mehrheit der Befragten ist mit 55 Prozent jedoch mit der medizinischen Versorgung im eigenen Land so zufrieden, dass sie nicht ins Ausland will. Lediglich 27 Prozent gaben an, es aufgrund sprach­licher Hürden nicht zu versuchen.

Mit der Befragung wollte die EU-Kommission herausfinden, wie viele EU-Bürger die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Behandlung wahrnehmen, wie viele generell dazu bereit wären und inwiefern sie über ihre finanziellen und versicherungstechnischen Rechte diesbezüglich informiert sind. Auch die Auswirkungen der neuen Patientenrichtlinie vom Oktober 2013 mit klaren Regeln für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung sollten untersucht werden.

Das Ergebnis: Die EU-Bürger wissen teils zu wenig über ihre Rechte mit Blick auf die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung. Zwar wussten die meisten, dass sie das Recht haben, sich im EU-Ausland behandeln zu lassen und die Kosten dafür erstattet zu bekommen. Dass jedoch beispielsweise auch ein Rezept, das im eigenen Land ausgestellt wurde, im europäischen Ausland eingelöst werden kann, war nur 29 Prozent der Befragten bewusst.

Hingegen hielten 63 Prozent der Befragten eine Genehmigung ihrer heimischen Krankenversicherung für nötig. Allgemein seien die Regeln hierzu noch immer nicht einheitlich und zu kompliziert, um von den EU-Bürgern verstanden und ausgeschöpft zu werden, so die Autoren des Eurobarometers.

Gegenüber einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2007 gab es kaum Veränderungen. Damals hatten sich vier Prozent der Europäer im EU-Ausland medizinisch behandeln lassen, also ein Prozent weniger als 2014. Die Mehrheit der Patienten hatte dabei keine Schwierig­keiten, die Kosten von der eigenen Krankenversicherung erstattet zu bekommen.

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