Technologie

App: Handynutzung erkennt Depressionen

Eine neue App kann mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob der Handynutzer sich gerade oder bald in einer depressiven Phase befindet. Dafür nutzt sie die GPS-Daten und die Nutzungszeiten des Handys.

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr fast 5 Millionen Menschen an einer Depression. (Foto: Flickr/David Mican/CC by 2.0)

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr fast 5 Millionen Menschen an einer Depression. (Foto: Flickr/David Mican/CC by 2.0)

Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 4,9 Millionen Menschen an einer „behandlungsbedürftigen, unipolaren Depression“, so die Deutsche Depressionshilfe. Der hohe Leidensdruck und der Rückzug aus dem sozialen Umfeld können nicht selten zu Suizidgedanken und auch Suiziden führen. Nicht selten suchen an Depression Erkrankte gar keinen Arzt auf oder begeben sich jahrelang in Therapie, ohne dass der Arzt ihnen helfen kann.

Umso wichtiger ist die Forschung im Bereich der Therapie und bei der rechtzeitigen Erkennung von depressiven Phasen, um entsprechend Vorsorge treffen zu können. Ein Forscherteam der Northwestern University in Chicago hat nun eine App entwickelt, die genau dabei helfen könnte. Neben Apps zur sportlichen Betätigung oder Anwendungen, die vor zu hoher Strahlung warnen, gibt es auch bereits Apps, die sich mit dem Thema Depression befasst haben. Allerdings wurde in diesem Fall meist auf eine regelmäßige und zeitintensive Befragung gesetzt.

Die App der Chicagoer Wissenschaftler benötigt dafür die GPS-Daten und die Nutzungszeiten des Handybesitzers. Für die Studie wurden 40 Erwachsene damit beauftragt, ein Handy mit der App (Purple Robot) zwei Wochen zu nutzen. Zu Beginn der Studie unterzogen sich die Probanden einem psychologischen Standardtest, in dem ermittelt wurde, ob sie Anzeichen für eine schwere bis mittlere Depression aufweisen – die Hälfte der Teilnehmer hatte tatsächlich eine Depression dieser Art. Unabhängig davon analysierten die Wissenschaftler zwei Wochen lang die entsprechenden Daten von 28 der Probanden. So wurde beispielsweise alle fünf Minuten die Position der Probanden über den GPS-Sensor übermittelt.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler anhand der analysierten Daten mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 87 Prozent die an Depression leidenden Teilnehmer erkennen, da es deutliche Unterschiede in der Handynutzung und bei den GPS-Daten gab. Die gesunden Teilnehmer nutzten ihr Handy durchschnittlich 17 Minuten pro Tag, die depressiven Probanden im Schnitt 68 Minuten und damit deutlich länger.

Die von der App gesammelten und analysierten Daten „zeigten Verhaltensmuster, die stark mit der Schwere der depressiven Symptome zusammenhängen“, so die Wissenschaftler. Die Forscher gehen demnach auch davon aus, dass Depressive mehr Zeit mit Spielen und Surfen verbringen als mit Telefonieren. Sie lenken sich damit von unangenehmen Gedanken ab, ein Vermeidungsverhalten. Zudem wurde deutlich, dass die depressiven Teilnehmer mehr Zeit an ein und demselben Ort verbrachten – überwiegend zuhause. Die Wissenschaftler wollen die entwickelte App, wenn sie ausgereift ist, entsprechend nutzen, um Menschen wie ein Frühwarnsystem vor einem neuen depressiven Schub zu warnen.

Wie wichtig solche Entwicklungen sind, wird auch noch einmal vor dem Hintergrund des DAK-Gesundheitsreports 2015 deutlich. 2014 ist die Zahl der Fehltage in Deutschland aufgrund psychischer Erkrankungen weiter angestiegen: auf 11,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Die häufigste Einzeldiagnose bei den Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen war dabei „depressive Episode/Rezidivierende depressive Störung“. Bei Frauen wurden mehr Fehltage festgestellt als bei Männern.

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