Wissenschaft

Die ältesten Zahnärzte der Welt

In Norditalien wurde in einem 14.000 Jahre alten Skelett ein Zahn vorgefunden, der eindeutig mit einer Steinklinge bearbeitet wurde. Wissenschaftler vermuten einen Eingriff aufgrund von Karies. Bei dem zahn handelt es sich um den ältesten Nachweis einer Zahnbehandlung.

Heute wie vor 14.000 Jahren wusste man, dass Karies nicht gut für die Zähne ist. (Foto: Flickr/Conor Lawless/CC by 2.0)

Heute wie vor 14.000 Jahren wusste man, dass Karies nicht gut für die Zähne ist. (Foto: Flickr/Conor Lawless/CC by 2.0)

Karies ist eines der größten Zahnprobleme der modernen Menschheitsgeschichte – eine der häufigsten Zahnerkrankungen auf der Welt. Doch auch schon vor tausenden Jahren wurden von Karies betroffene Zähne behandelt, wie zahlreiche Funde belegen. Die ältesten Beweise für Zahnmedizin stammten bisher aus der Jungsteinzeit, was der Wissenschaft zufolge wahrscheinlich auf die Zunahme an kohlenhydratreicherer Nahrungszufuhr zurückzuführen ist. Entsprechend sollen schon vor etwa 9.000 Jahren derartige Zähne aufgebohrt und der Hohlraum im Anschluss daran gefüllt worden sein, heißt es in einem Beitrag des Wissensmagazins Nature.

Ein Fund in Rom zeigt nun jedoch, dass Zahnbehandlungen schon viel früher stattgefunden haben. In Norditalien fand man das Skelett eines 25-Jährigen, das ein Loch in einem Zahn aufwies. Der Zahn wurde den Wissenschaftlern zufolge eindeutig mit einer kleinen spitzen Steinklinge bearbeitet. Bei der Probe aus dem Jungpaläolithikum handele es sich „augenscheinlich um eine Karies-Manipulation“, so die Forscher.

Loch im rechten unteren dritten Backenzahn (Weißheitszahn) des Spätpaläolithischen Individuums aus Villabruna. Foto: S. Benazzi

Loch im rechten unteren dritten Backenzahn
(Weißheitszahn) des Spätpaläolithischen
Individuums aus Villabruna. Foto: S. Benazzi

Die nun genauer untersuchten Überreste des Skeletts sind 14.000 Jahre alt und wurden 1988 in der Felshöhle Riparo Villabruna gefunden. Untersucht wird das Skelett von Wissenschaftlern der Universität Senckenberg und der Universitäten Bologna und Ferrara. Das internationale Forscherteam untersuchte den Zahn mit verschiedenen Methoden.

„Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM), Profilanalysen der Spuren und der Vergleich mit den rekonstruierten Kaubewegungen zeigen uns, dass im Zahnloch mit Gegenständen manipuliert wurde“, sagt Ottmar Kullmer und führt aus: „Die experimentellen Tests legen es nahe, dass die Rillen von sogenannten Mikrolithen, sehr kleinen steinzeitlichen Klingen oder Spitzen von bis zu 3 cm Länge, verursacht wurden.“

Der Fund lasse darauf schließen, dass Menschen schon in der Altsteinzeit wussten, dass von Karies befallene Zähne behandelt werden müssen, indem infiziertes Gewebe entfernt und Löcher im Zahn gereinigt werden, so Stefano Benazzi, Hauptautor der Studie von der Universität Bologna. „Das Entfernen von Essensresten mit Hilfe von zahnstocher-ähnlichen Werkzeugen z. B. aus Holz ist schon von Beginn der Gattung Homo an dokumentiert. Anscheinend wurde diese Gewohnheit weiterentwickelt zu einer schabenden oder hebelnden Behandlung von schadhaften Zähnen, bevor die Methode des Bohrens entwickelt wurde, die wir heute in der modernen Zahnmedizin kennen“, fügt Marco Peresani von der Universität Ferrara hinzu.

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