Fitness-Apps

Wegen Gesundheits-Daten: AOK bezuschusst Kauf von Apple-Watch

Die AOK Nordost will Kunden mit Zuschüssen zum Kauf einer Apple Watch oder eines ähnlichen Geräts als Fitness-Tracker animieren. Die digitalen Armbänder zeichnen die Fitness-Daten der Träger auf, an die die Versicherer über entsprechende Fitness-Apps gelangen. Datenschützer warnen vor dem Missbrauch dieser Daten durch die Versicherer.

Die Daten aus Gesundheits-Apps sind für Krankenkassen von großem Wert. (Foto: Flickr/ Jason Howie)

Die Daten aus Gesundheits-Apps sind für Krankenkassen von großem Wert. (Foto: Flickr/ Jason Howie)

Krankenkassen treiben das Geschäft mit den Gesundheitsdaten ihrer Kunden über Fitness-Apps voran. Die  AOK Nordost geht nun soweit, den Kauf eines Geräts als Fitness-Trackers wie etwa die Apple Watch zu bezuschussen. Die Versicherer wollen so an die Gesundheitsdaten der Kunden gelangen. Datenschützer warnen vor Missbrauch dieser Daten durch die Versicherer.

„Als Kunde der AOK Nordost profitieren Sie seit dem 1. Januar 2015 von Ihrem persönlichen AOK-Gesundheitskonto. In diesem Rahmen bezuschussen wir unter anderem die von Ihnen gezahlten Gebühren für eHealth-Angebote mit einmalig bis zu 20 EUR pro Kalenderjahr. Darüber hinaus beteiligen wir uns jedes 2. Kalenderjahr an den Kosten für z.B. Pulsmesser oder Self-Tracker bis zu 50 Prozent der Kosten, max. 50 Euro“, erklärt die AOK auf ihrer Internet-Seite.

Auf Nachfrage des Magazins Chip bestätigte die AOK Nordost explizit, dass dieser Zuschuss auch für die Apple Watch gilt: „Dieser Zuschuss wird für sämtliche Geräte gewährt, die Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch usw. dokumentieren, also für Fitnessarmbänder und Smartwatches – auch die AppleWatch.“

Für Smartphones hingegen werde der Zuschuss nicht bezahlt, da diese zwar auch zum Fitness-Tracking verwendet werden können, allerdings hauptsächlich einem anderen Zweck dienen. Entsprechende Fitness Apps jedoch werden demnach ebenso bezuschusst wie die Mitgliedschaft bei Online-Fitnessportalen oder andere E-Health-Angebote.

Die AOK  bietet dazu eine eigene App in Kooperation mit dacadoo an bei der die Aktivitäten aufgezeichnet und automatisch auf die Gesundheitsplattform übertragen werden. Daraus errechnet die AOK den „Gesundheitsindex – ein Indikator, der den aktuellen Gesundheitszustand und das Fitnessniveau zusammenfasst und in einer Zahl zwischen 1 (niedrig) und 1.000 (hoch) ausdrückt. Je höher der Wert, desto gesundheitsbewusster der Lebensstil.“

Die Berechnung erfolgt anhand verschiedener Daten. So fließen nicht nur der aktuelle Trainingsstand über praktisch jede Sportart und den Erfolg und das momentane Wohlbefinden ein, „sondern ebenfalls die Lebensführung wie Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, Stresssituationen oder Schlafphasen“, so die AOK auf ihrer Homepage.

Eben diese Übertragung und Berechnung des Lebensstils birgt jedoch auch Gefahren, so Datenschützer. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz Andrea Voßhoff warnte jüngst vor einem Missbrauch der Daten, da die Versicherungen bei ungesunder Lebensweise finanzielle Nachteile für die Kunden vorsehen könnten. Voßhoff: „Immer mehr Krankenkassen zeigen Interesse am Einsatz derartiger Anwendungen. Allen Anwendern, die Fitness-Apps freiwillig herunterladen, rate ich, nicht unbedacht mit ihren sensiblen Gesundheitsdaten umzugehen und die kurzfristigen finanziellen Vorteile, welche die Datenoffenbarung vielleicht mit sich bringt, gegen die langfristigen Gefahren abzuwägen.

Die mit Versicherungstarifen dieser Art angebotenen Vorteile klingen besonders für junge und gesunde Menschen verlockend. Prognosen über die zukünftige gesundheitliche Entwicklung der Versicherten können aber – unabhängig davon, ob sie zutreffen oder nicht – dazu genutzt werden, profilgenaue Angebote zu unterbreiten, das Leistungsspektrum entsprechend anzupassen oder künftige Risikozuschläge zu berechnen. Neben den privaten Krankenversicherungen ist auch bei den gesetzlichen Krankenkassen ein wachsendes Interesse an Gesundheits- und Fitnessdaten ihrer Versicherten zu beobachten. Aber während gesetzliche Versicherungen nur in den im Gesetz normierten Fällen personenbezogene Daten ihrer Versicherten erheben dürfen, können die Versicherten privater Unternehmen der Erhebung vertraglich zustimmen.“

Zudem haben die Fitness-Tracker die Messsensoren so verbaut, dass sie sich etwa in der Apple Watch nicht abschalten lassen– der Verbraucher kann sich der Überwachung seiner Gesundheit also nicht per Knopfdruck entziehen.

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