Medizintechnik

Bei Schnitt- und Schusswunden: Sprüh-Schaum stoppt Blutung

Ein medizinischer Schaum aus der Sprühdose kann Schuss- oder Stichwunden verschließen. Der Schaum wird in oder über der Verletzung fest und bringt zudem die Blutzellen zum verklumpen: Die so gebildete Barriere stillt selbst lebensgefährliche Blutungen.

Der Schaum dehnt sich in der Wunde aus und bringt zudem das Blut zum Verklumpen. (Foto: flickr/ valentin.d /cc by 2.0)

Der Schaum dehnt sich in der Wunde aus und bringt zudem das Blut zum Verklumpen. (Foto: flickr/ valentin.d /cc by 2.0)

Ein neuer sprühbarer Schaum könnte erheblichen Blutverlust bei Patienten mit Schuss- oder Stichwunden verhindern. Ein Forscherteam von der Universität Maryland veröffentlichte eine entsprechende Studie im Fachmagazin ACS Biomaterials Science & Engineering.  Der Schaum wird wie Schlagsahne über eine Wunde gesprüht, wo er dann zunächst sein Volumen verdoppelt und sich dann verfestigt. So bildet das Material eine Art Damm, die verhindert, das Blut aus der Wunde austritt. Dann erst tritt der eigentlich bahnbrechende Aspekte der Technologie auf: Der Schaum tritt in Wechselwirkung mit den Blutzellen, so dass sie sich zusammenballen und verfestigen und eine eigene Barriere bilden.

„In dieser ersten Studie zeigen wir, dass ein sprühbarer Schaum auf Polymerbasis bei der Behandlung von Blutungen in Weichgewebe wirksam sein kann und so auch einen Druckverband überflüssig macht, so die Autoren in der Studienbeschreibung. „Wenn der Schaum in einen durch eine Verletzung entstandenen offenen Hohlraum gesprüht wird, dehnt er sich aus und bildet eine selbsttragende Barriere, die dem Austreten von Blut aus dem Hohlraum entgegenwirkt.“

Die Forscher verwenden wasser- und fettlösliche Biokunsstoffe und wasserabweisendes modifiziertes Chitosan (HMC) als Materialien für den Schaum.  Chitosan wird aus Chitin gewonnen,  einem Stoff der auch in der Hülle von Krebsen und Garnelen vorkommt und blutstillend wirkt. Die Material-Mischung der Forscher lässt die Blutkörperchen durch eine hydrophobe Wechselwirkung zusammenklumpen – eine natürliche Krustenbildung wird dadurch ausgelöst, die die Blutung letztlich stillt.

Die Forscher prüften ihr Verfahren an Schweinen. Als sie aufgrund ihrer Lage eigentlich „unbehandelbare“ Wunden der Tiere mit dem Produkt behandelten,  verloren diese 90 Prozent weniger Blut als diejenigen, die nicht behandelt wurden.

Dieser Erfolg ist besonders in den USA wertvoll, da der Blutverlust durch Verletzungen hier eine der häufigsten Todesursachen ist – in erster Linie für Menschen unter 44 Jahren. Aufgrund der spannenden Ergebnisse hoffen die Forscher, die Technologie bald auch in klinischen Tests an Menschen zu prüfen.

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