Pharmaindustrie

Erstmals erhält Medikament aus 3D-Drucker eine Zulassung

Der Medikamenten-Markt wird sich in den kommenden Jahren neu ordnen müssen. Die 3D-Technologie hat nun erfolgreich den Einstieg in die Produktion von Medikamenten erreicht. Damit besitzt das Verfahren das Potential, die Produktionskosten zu senken und gleichzeitig dem Trend der personalisierten Medizin zu entsprechen.

Das spezielle 3D-Druckverfahren ermöglicht auch eine schneller Auflösung des Medikaments im Körper: Links das neue Medikament, rechts das herkömmliche. (Foto: Screenshot: Aprecia)

Das spezielle 3D-Druckverfahren ermöglicht auch eine schneller Auflösung des Medikaments im Körper: Links das neue Medikament, rechts das herkömmliche. (Foto: Screenshot: Aprecia)

Mit Spritam ist es dem Konzern Aprecia gelungen, das erste Mal für ein Medikament aus dem 3D-Durcker eine Zulassung zu erhalten. Die amerikanische Food and Drug Administration gab Ende Juli ihr OK. Bei Spritam handelt es sich um ein Medikament gegen Epilepsie für Erwachsene und Kinder. Das 3D-Verfahren ermöglicht es dem Konzern, Mittel herzustellen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung oft porös sind.

Spritam verfügt nun über eine höhere Konzentration des Wirkstoffs und kann deshalb in einer kleineren, leichter einzunehmenden Pille zur Verfügung gestellt werden. Die Zusammensetzung des Medikaments ermöglicht auch eine schnellere Auflösung nach der EinnahmeDas Medikament soll es dann in verschiedenen Konzentrationen zu kaufen geben, so dass eine weitere Dosierung durch den Patienten wegfällt. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll es auf den Markt kommen, so das Unternehmen.

Die Zulassung von Spritam ist ein weiterer Schritt hin zu einem veränderten Herstellungsverfahren von Medikamenten. Pharmaunternehmen weltweit könnten in den nächsten zehn Jahren ihre Prozesse auf den 3D-Druck umstellen. Der Vorteil: Einerseits können neue Wirkstoffkombinationen und schwierige Zusammensetzungen besser vereint werden, andererseits könnte dies ein weiterer Schritt in Richtung personalisierter Medizin sein. Gleichzeitig wird die Ausweitung des 3D-Druckverfahrens im Pharma- und Medizinbereich zu mehr Konkurrenz in den jeweiligen Branchen und zu einer Verschmelzung der Pharma/Medizin- und Technologiebranche führen.

In eine ähnliche Richtung will auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gehen. Zusammen mit dem Unternehmen Biozoon arbeitet das Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität an personalisierten Lebensmitteln aus dem 3D-Drucker. Ziel ist es, Patienten mit Kau- und Schluckstörungen zu helfen. 2014 präsentierten sie in diesem Zusammenhang das weltweit erste 3D- Food Printing Verfahren für die Lebensmittelindustrie.

So leiden allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen an Schluck- oder Kaueinschränkungen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen, wie z. B. als Folge eines Schlaganfalls oder einer überstandenen Tumorbehandlung im Mund- oder Rachenraum. Oft haben diese Schwierigkeiten bei der Aufnahme fester, dünnflüssiger oder stückiger Lebensmittel, sie verschlucken sich. „Dabei können Nahrungsbestandteile in die Lunge gelangen und dort sogar Lungenentzündungen hervorrufen“, so die Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdrof. Schätzungen zufolge sterben deutschlandweit jährlich ca. 50.000 Patienten an einer so entstandenen Lungenentzündung. Das aus diesem Bedarf heraus entwickelte Smoothfood-Konzept nutzt die 3D-Druck-Technologie.

„Der 3D-Druck revolutioniert jeden Asprekt der medizinischen Industrie“, zitiert die IB Times Muhanad Hatamleh vom King’s College Hospital. „Er spart Zeit, rettet Leben und verbessert die Effizienz der Operationen ebenfalls.“ Pete Basiliere von Gartner rechnet damit, dass vor allem im medizinischen Bereich die Anwendungen der 3D-Technologie zunehmen werden. „Bis 2018 werden 2,3 Millionen 3D-Druck verkauft worden sein.

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