Pflege

Bundesverband warnt vor Pflegenotstand

Im Zuge der Demographie-Entwicklung in Deutschland wird die Bedeutung der Pflege immer wichtiger. Doch noch nicht in allen Bundesländern wird dies wahrgenommen. So pendeln tausende Pflegekräfte aus Brandenburg täglich, statt in ihrem Bundesland zu arbeiten. Und in Baden-Württemberg droht ein Abbau der Pflegeplätze.

Bis 2060 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,7 Millionen steigen. (Foto: Flickr/Myfuture.com/CC by nd 2.0)

Bis 2060 soll die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,7 Millionen steigen. (Foto: Flickr/Myfuture.com/CC by nd 2.0)

Angesichts der alternden Gesellschaft wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland weiter zunehmen. Stieg sie zwischen 1999 und 2013 von 2 auf 2,6 Millionen, wird für 2060 mit 4,7 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen sein, wie die aktuellen Daten des Demografie-Portals des Bundes und der Länder zeigen:

„Zur Mitte des 21. Jahrhunderts könnten drei von vier Pflegebedürftigen das 80. Lebensjahr überschritten haben. Da in dieser Altersgruppe der Anteil intensiv Pflegebedürftiger nach den Pflegestufen II und III sowie der Anteil der ambulant bzw. stationär versorgten Menschen im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen besonders hoch ist, stellt diese Entwicklung große Herausforderungen an die Pflegeversicherung und -versorgung.“

Diese Entwicklung zeigt das Potential, dass die Pflegebranche mit sich bringt, aber macht auch deutlich, dass noch viel mehr in diesem Bereich getan werden müsste. Genau hier setzt der Bundesverbandprivater Anbieter sozialer Dienste (bpa) mit seiner Kritik an. Sowohl mit Blick auf Brandenburg als auch auf Baden-Württemberg sieht der Verband erhebliche Schwierigkeiten im Bereich der Pflege. „Wenn mehrere tausend Pflegefachkräfte aus Brandenburg jeden Tag in benachbarte Bundesländer pendeln, dann müssten bei der Politik eigentlich alle Alarmglocken schrillen“, warnt die brandenburgische Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste Ellen Fährmann. Stattdessen erkläre aber das zuständige Ministerium, man hätte in Brandenburg tolle Beschäftigungschancen.

Erst kürzlich hatten eine von den Wirtschaftsförderungen der Länder Berlin und Brandenburg in Auftrag gegebene Studie hatte gezeigt, dass allein mehr als 2.700 Pflegefachkräfte täglich nach Berlin pendeln. Im Juli hatte die brandenburgische Gesundheitsministern Diana Golze eine Pflegeoffensive als Beitrag zur Sicherung der Pflegeversorgung ins Gespräch gebracht. Dabei soll die ambulante Pflege weiterhin Vorrang haben. In Brandenburg werden rund 77 Prozent aller Pflegebedürftigen ambulant zu Hause von Angehörigen oder Pflegediensten betreut. Das ist ein Spitzenwert in Deutschland.

Aber  „In kaum einem Bundesland werden die Leistungen gerade in der ambulanten Pflege so schlecht vergütet wie bei uns in Brandenburg“, so Fährmann vom bpa. „Würden die Kranken- und Pflegekassen konkrete pflegerische Tätigkeiten wie die Blutzuckermessung oder einen Verbandswechsel so bezahlen wie in anderen Bundesländern um uns herum, dann könnten die Pflegedienste und Einrichtungen hier auch deutlich höhere Gehälter zahlen.“ Das würde Brandenburg als Arbeitsort für Pflegefachkräfte attraktiver machen. Bisher würden solche Forderungen aber von den Kostenträgern vehement zurückgewiesen.

„Einen Katheter zu versorgen, erfordert in Brandenburg genau so viel Zeit und Fachwissen wie in anderen Bundesländern.“ Aus diesem Grund sei es unverständlich, dass diese Leistung den Krankenkassen in Brandenburg weniger Wert ist als in anderen Bundesländern. Deshalb sei eine Anpassung der brandenburgischen Vergütungen an jene Berlins „der entscheidende Weg, die alltägliche Abwanderung der dringend benötigten Fachkräfte zu stoppen“, sagt Fährmann.

Während es in Brandenburg an Pflegepersonal mangelt, fehlen in Baden-Württemberg bald Pflegeplätze. Es rollt eine Lawine auf das ganze Land zu: Bereits in vier Jahren werden Heimplätze in bislang ungeahntem Ausmaß fehlen“, sagte Stefan Kraft, der Landesbeauftragte der bpa-Landesgruppe Baden-Württemberg, bei der öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission Pflege vergangenen Freitag im Landtag. Neben einem überproportional wachsenden Bedarf an Heimplätzen aufgrund der demografischen Entwicklung, drohe paradoxerweise der größte Platzabbau in der Geschichte des Landes.

Grund für diesen drohenden Notstand ist die Landesheimbauverordnung, die ab 2019 umgesetzt werden soll. Schon allein aufgrund des darin vorgesehenen Doppelzimmerverbots könnten etwa 17.000 Plätze wegfallen. Forderungen mit Blick auf Größe und Breite der Zimmer und der Wohngruppen könnten ebenfalls zu einem Schwund führen. „Wenn jetzt der Ernst der Lage nicht erkannt wird, werden bereits in vier Jahren zig-tausende Heimplätze in Baden-Württemberg fehlen“, so Kraft.

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