Verhandlungen

Steigender Behandlungsbedarf: Kassen müssen mit Mehrkosten rechnen

Im kommenden Jahr müssen die Krankenkassen 250 Millionen Euro mehr bereitstellen.

Die ärztlichen Leistungen werden im kommenden Jahr teurer. (Foto: Flickr/401(K) 2012/CC bysa 2.0)

Die ärztlichen Leistungen werden im kommenden Jahr teurer. (Foto: Flickr/401(K) 2012/CC bysa 2.0)

Bei den Honorarverhandlungen für das kommende Jahr haben der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine erste Übereinkunft erzielt. Demnach einigte man sich, dass die Krankenkassen 2016 aufgrund des zunehmenden Behandlungsbedarfs 250 Millionen Euro mehr für die ambulante Versorgung ihrer etwa 70 Millionen Versicherten zur Verfügung stellen müssen. Entsprechend soll in der kommenden Woche über die Anpassung des Orientierungswertes beraten werden. Dieser bestimmt maßgeblich den Preis für Behandlungen bzw. Untersuchungen und liegt derzeit bei zehn Cent.

„Die Honorarsteigerung ergibt sich aus den regionalen diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten“, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung. So müsste die morbiditätsorientierte Leistungsmenge 2016 allein infolge einer wachsenden Krankheitslast im Bundesdurchschnitt um etwa 2,1 Prozent steigen. Die immer älter werdende Bevölkerung wirkt sich mit 0,2 Prozent aus.

Mit der ersten Einigung sind die Honorarverhandlungen für die 165.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten jedoch zunächst nur in die erste Runde gegangen. Denn beispielsweise bei der Anpassung des Orientierungswertes müssen auch die Entwicklung der Investitions- und Betriebskosten, Einsparmöglichkeiten sowie die allgemeine Kostendegression bei steigenden Fallzahlen miteinbezogen werden.

Zusätzlich zu den Preisen und den Mehrausgaben der Kassen drehen sich die Verhandlungen aber auch um eine Anpassung des Behandlungsbedarfs. Je nach Entwicklung der demografischen Struktur und der psychosomatischen Erkrankungen in Deutschland sind mittlerweile möglicherweise andere ärztliche Leistungen erforderlich.

„Wir fordern, dass die gestiegenen Betriebskosten in den Praxen in voller Höhe ausgeglichen werden“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Andreas Gassen, in einem Interview mit dem Web-TV der Kassenärztlichen Vereinigung. Aber die Verhandlungen seien trotz der ersten Einigung nicht einfach, da die Kassen das Verfahren zur Preisbestimmung an bestimmten Stellen infrage gestellt hätten. Regina Feldmann von der KBV zufolge hätten diese sogar ein Gutachten vorgestellt, welches eine „völlige Abkehr von der bisherigen Systematik“ bei der Preisermittlung darstelle.

Im vergangenen Jahr hatten sich der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung bereits auf eine Anhebung der Preise für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen um 1,4 Prozent für 2015 geeinigt. Das bedeutete eine Erhöhung der Ausgaben der Krankenkassen um 264 Millionen Euro.

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