Versorgung

Zu alt: Praxen fehlt der Nachwuchs

Das Demographie-Problem hat sich bereits in den Arztpraxen manifestiert. Fast zwei Drittel der dort tätigen Ärzte sind 50 Jahre und älter. In den Praxen arbeiten deutlich mehr Ärzte der Generation 50+ als im gesamten Gesundheitswesen. Setzen sich diese zur Ruhe wird sich auch die ärztliche Versorgung auf dem Land verschärfen.

Nur 37 Prozent der Ärzte in Praxen sind jünger als 40. (Grafik: Destasis)

Nur 37 Prozent der Ärzte in Praxen sind jünger als 40. (Grafik: Destasis)

Die niedergelassenen Ärzte sind in die Jahre gekommen. Trotz dem die mit dem Alter oft einhergehende Expertise erfreulich ist, könnte sich das Alter der niedergelassenen Ärzte zu einem ernsthaften Problem ausweiten. So waren Ende 2013 65 Prozent der in Praxen tätigen Ärzte mindestens 50 Jahre alt, wie die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Und mehr als ein Viertel war bereits 60 Jahre und älter. Vor allem bei den Psychotherapeuten sowie Zahnärzten und Kieferorthopäden war der Anteil der mindestens 50-Jährigen überdurchschnittlich hoch.

Dass es sich hier tatsächlich um ein gerade bei den niedergelassenen Ärzten vorhandenes Problem handelt, zeigt der Alterscheck unter den 5,1 Millionen Beschäftigten im ganzen Gesundheitswesen. Hier waren 2013 nur 36 Prozent der Beschäftigten 50 Jahre und älter.

Das zunehmende Alter der niedergelassenen Ärzte wird in einigen Regionen, wo schon jetzt aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen akuter Ärztemangel herrscht, zu einer dramatischen Zuspitzung führen. Setzen sich diese Ärzte zur Ruhe, was angesichts der beschriebenen Altersstruktur bald beginnen wird, droht den Praxen die Schließung. Schließlich ist der Bedarf an jungen Ärzten in dünn besiedelten Gegenden hoch, doch das Interesse unter jungen Ärzten weniger.

Denn während beispielsweise das Personal in der ambulanten Pflege 2013 um 4,2 Prozent anstieg, zeigte sich bei den Arztpraxen ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum (+1,0 %). Hier hat eine Verschiebung stattgefunden. Je schlechter die medizinische Versorgung auf dem Land ist und je mehr die Zahl der älteren Menschen steigt, umso stärker wird die Bedeutung ambulanter Pflege.

So haben beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern und auch Sachsen Initiativen gestartet, um junge Ärzte anzuwerben. „Die hausärztliche Versorgung ist einer der drängendsten Herausforderungen im Land“; so die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Simone Heinemann-Meerz. „Schon heute fehlen mehr als 160 Hausärzte für die ambulante Versorgung“, sagt auch Burkhard John von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA). In zehn Jahren wachse der Bedarf auf über 800 Hausarztsitze, die nachbesetzt werden müssen.

Im Bereich der Zahnärzte sieht man noch andere Ursachen für den drohenden Notstand neuer junger Ärzte. Demnach liege dies daran, dass es mittlerweile zu wenige Männer unter den Zahnärzten gibt. So forderte kürzlich der Landesverband Niedersachsen im Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) die Einführung einer Männerquote bei der Vergabe von Studienplätzen im Fach Zahnheilkunde. Junge Ärztinnen würden das Risiko einer Praxisgründung scheuen, so Annette Apel vom Verband in Niedersachsen gegenüber der Ärzte Zeitung. So blieben nach der Kinderpause nur 30 bis 35 Prozent der Zahnärztinnen übrig, die den Weg in die Praxis wählten.

Abgesehen vom mangelnden Nachwuchs investieren die Ärzte immer weniger in ihre Praxen. Auch hier spielt das Alter eine Rolle, da ältere dazu tendieren, mit Investitionen gerade so den Status Quo zu halten, statt in etwas zu investieren, das möglicher Weise erst in ein paar Jahren einen finanziellen Nutzen abwirft. Abgesehen davon steigen die Betriebskosten. Demnach lag der durchschnittliche Jahresüberschuss 2011 bei 145.100 Euro je Praxisinhaber. Nach Abzug von Vorsorge- und Versicherungsbeiträgen sowie Einkommenssteuer bleibt davon ein Nettoeinkommen von 71.476 Euro übrig, was einem Stundensatz von 30 Euro entspricht.

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