Finanzen

Versicherten drohen höhere Krankenkassen-Beiträge

Die gesetzlichen Krankenkassen sind im ersten Halbjahr noch stärker ins Minus gerutscht. Das könnte zu einem Anstieg der Beiträge führen. Die SPD hat deshalb vorgeschlagen, die Arbeitgeber wieder mehr bei den Beiträgen in die Pflicht zu nehmen.

Geht es nach der SPD und dem Sozialverband VdK Deutschland sollen zukünftig die Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag nicht mehr allein stemmen müssen. (Foto: Flickr/Tax Credits/CC by 2.0)

Geht es nach der SPD und dem Sozialverband VdK Deutschland sollen zukünftig die Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag nicht mehr allein stemmen müssen. (Foto: Flickr/Tax Credits/CC by 2.0)

Nachdem die Krankenkassen zuletzt ihre Finanzreserven auffüllen konnten und nach sinkenden Beiträgen gerufen wurde, drohen nun mehr Kosten auf die Versicherten zuzukommen. Die Kassen sind unter Druck geraten. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Defizit von fast einer halben Milliarde Euro eingefahren haben, so das Handelsblatt mit Verweis auf eine noch nicht veröffentlichte Umfrage unter den gesetzlichen Krankenkassen.

Demzufolge haben die Betriebskassen ein Minus von etwa 100 Millionen Euro binnen Jahresfrist eingefahren. Das Defizit der Innungskassen hat sich auf 118 Millionen erhöht und das Defizit der Ersatzkassen liegt bei etwa 191 Millionen Euro. Diese Entwicklung könnte zu Zusatzbeiträgen in Höhe von 1, 4 bis 2 Prozent führen.

Schlecht gewirtschaftet habe man aber nicht, sagte Doris Pfeiffer, die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Ein Großteil der Ausgabensteigerungen ist die Folge gesetzlicher Veränderungen.“ Statt großzügig mit dem Geld der Beitragszahler umzugehen, „sollte bei der Politik Sparsamkeit das Gebot der Stunde sein, um die Beitragssteigerungen so gering wie möglich zu halten.“

Aber auch die Honorarverhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) werden zu einer möglichen Erhöhung beitragen. Beide einigten sich vergangene Woche darauf, dass die Krankenkassen 2016 aufgrund des zunehmenden Behandlungsbedarfs 250 Millionen Euro mehr für die ambulante Versorgung ihrer etwa 70 Millionen Versicherten zur Verfügung stellen müssen.

Die schlechten finanziellen Aussichten für Versicherte haben nun die Diskussion um eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber wieder angeheizt. Seit Jahresbeginn liegt der feste, allgemeine Beitragssatz zur Krankenversicherung bei 14,6 Prozent, Dieser wird von Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte bezahlt. Den Zusatzbeitrag, der regelmäßig von den Kassen selbst geändert wird, ist von Arbeitnehmer allein zu zahlen.

Für das laufende Jahr wird ein Zusatzbeitrag von im Schnitt 0,9 Prozentpunkten erwartet. Würde dieser dann zum Jahreswechsel noch einmal um 0,3 Prozentpunkte steigen, hieße das beispielsweise bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.000 Euro eine Mehrbelastung von neun Euro. Diese zahlt dann der Arbeitnehmer allein. Bereits im Juni beklagte der Sozialverband VdK Deutschland: „Eine weitere Belastung der Bürgerinnen und Bürger darf es nicht geben. Es darf nicht sein, dass die steigenden Ausgaben allein und zu Lasten der Versicherten gehen.“ Die Arbeitgeber müssten sich wieder paritätisch an der Finanzierung beteiligen. Denn schon heute müssten die Versicherten „erhebliche Kosten bei Krankheit aus eigener Tasche zahlen, beispielsweise durch Zuzahlungen, Aufzahlungen und Aufwendungen für Leistungen, die aus dem Leistungskatalog der Kassen gefallen sind.“

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