Internet

Diagnostikportale können Arztbesuch nicht ersetzen

Das Internet spielt bei den Patienten eine immer wichtigere Rolle. Mittlerweile gibt es immer mehr Seiten, die angeben, mittels eingegebener Beschwerden, die Krankheit des Users herausfinden zu können. Eine Studie hat nun jedoch gezeigt, dass diese meistens falsche Analysen geben.

Diagnoseseiten im Netz sind nicht zuverlässig. Sie können Ärzte nicht ersetzen. Oft ist es nur ein Diagnosesystem das dahinter steckt, nicht etwa ein richtiger Arzt. (Foto: Flickr/CNBP/CC by 2.0)

Diagnoseseiten im Netz sind nicht zuverlässig. Sie können Ärzte nicht ersetzen. Oft ist es nur ein Diagnosesystem das dahinter steckt, nicht etwa ein richtiger Arzt. (Foto: Flickr/CNBP/CC by 2.0)

Schnupfen, Fieber, rote Flecke am Oberarm – Der Weg zum Arzt ist mit langen Wartezeiten verbunden, also schnell mal gegoogelt, was es sein könnte. Dieses Szenario spielt sich auch immer häufiger in deutschen Wohnzimmern ab. Selbstdiagnose durch Suchportale – allerdings nicht selten auch mit unbegründeten Ergebnissen, die Panik auslösen können. Auf diesen Trend sind nun auch Unternehmen aufgesprungen, die Diagnostikseiten im Internet aufgezogen haben. In Deutschland gibt es da beispielsweise NetDoktor oder Onmeda. Im englischsprachigen Raum sind es unter anderem DocResponse, Healthwise oder auch iTriage.

Um zu schauen, inwiefern diese Seiten tatsächlich einen Mehrwert leisten und richtige Prognosen bieten, haben Wissenschaftler der Harvard Medical School eine Studie durchgeführt. Dafür haben sie 23 kostenlosen, unterschiedlichen Anbietern von Diagnostikseiten aus Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden, Polen und den USA Scheinanfragen geschickt.

Dabei wurden die Anbieter mit 45 Krankheitsfällen konfrontiert. Bei 19 dieser Fälle handelte es sich um seltene Krankheitsbilder, 26 der Fälle waren häufige Krankheiten. Das Ergebnis: 770  gestellte Online-Diagnosen und 532 Handlungsempfehlungen. Tatsächlich lagen die Internet-Diagnostiker in zwei Drittel aller Fälle daneben. Nur in durchschnittlich 34 Prozent der angefragten Fälle wurde die richtige Diagnose an erster Stelle der möglichen Krankheiten genannt.

So stellten die Wissenschaftler fest, dass die Erfolgsquote bei den häufigen Krankheiten bei 38 Prozent lag, bei den seltenen nur noch bei 28 Prozent,. Und je nach Diagnoseseite unterschied sich auch die Richtigkeit der erkannten Fälle. Demnach lag etwa bei DocResponse die Trefferquote bei immerhin 50 Prozent wohingegen sie bei MeDoctor nur bei fünf Prozent lag.

Es zeigt sich, dass Seiten, die mit Schmitt oder Thompsons Triage-Protokollen arbeiteten, deutlich häufiger die richtige Diagnose stellten als die Seiten mit anderen Systemen oder gar keinem. Triage-protokolle werden auch von telefonischen Hotlines verwendet. Immerhin zehn der Diagnoseseiten wollten noch nicht einmal das Alter oder Geschlecht der anfragenden Person erfahren.

Angesichts dieser Auswertung ist von Diagnoseseiten als einziger Anlaufpunkt definitiv abzuraten. Es kann zu schwerwiegenden Missverständnissen führen. Und angesichts der wachsenden Zahl von Internetnutzern wächst auch die Zahl der Nutzer dieser Diagnoseseiten, was wiederum die Wichtigkeit der durchgeführten Untersuchung veranschaulicht. iTriage beispielsweise gibt an, 50 Millionen Mal im Jahr benutzt zu werden, NHS Choices spricht von 15 Millionen Besucher monatlich. Mehr als ein Drittel der amerikanischen Bürger nutzt das Internet zur Selbstdiagnose.

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