Medizin

Lieferengpässe weiten sich auf Antibiotika aus

Nachdem Bekanntwerden von Lieferengpässen bei dem Krebsmedikament Alkeran haben Ärzte und Apotheker eine garantierte Verfügbarkeit unverzichtbarer Arzneimittel gefordert. Nun zeigt sich, dass es auch bei Antibiotika zu Engpässen kommt.

Bei Lieferengpässen können Ärzte und Apotheker oft nur auf unzureichenden Ersatz zurückgreifen. (Foto: Flickr/ Spot Us /CC by sa 2.0)

Bei Lieferengpässen können Ärzte und Apotheker oft nur auf unzureichenden Ersatz zurückgreifen. (Foto: Flickr/ Spot Us /CC by sa 2.0)

Wenn in Griechenland die Versorgung mit Medikamenten nicht einwandfrei funktioniert, wird oft die Krise als Ursache herangezogen. Doch es braucht keinen Bailout, um den Bezug von wichtigen Medikamenten zu unterbrechen. Auch in Deutschland kann es vermehrt zu Engpässen kommen. Nach dem Lieferabriss des wichtigen Krebsmedikaments Alkeran, gibt es nun auch Schwierigkeiten bei der Lieferung von Antibiotika.

„Das betrifft insbesondere patentfreie Injektions- und Infusionslösungen und vermehrt auch bewährte und hochwirksame Antibiotika“, warnte der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADAK). „Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und ADKA befürchten, dass Ersatzpräparate die Bildung resistenter Bakterien begünstigen und Patienten gefährdet werden können.“

Die Rede ist dabei von dem intravenösen Antibiotikum Ampicillin und dem Kombinationswirkstoff Ampicillin/Sulbactam. Ampicillin wird häufig nur bei ganz spezifischen Krankheiten angewendet. Die Wirkstoffkombination Ampicillin/Sulbactam hingegen hat verschiedenste Anwendungsbereiche wie beispielsweise bei bestimmten Lungenentzündungen, Infektionen im Kopfbereich, Wundinfektionen oder Weichteilinfektionen. „Neben dem günstigen Wirkspektrum ist das Präparat vergleichsweise arm an Nebenwirkungen und gehört deshalb zu den häufig verordneten intravenösen Antibiotika im stationären Bereich“, sagt Gerd Fätkenheuer, Leiter der Klinischen Infektiologie an der Uniklinik Köln.

Auch die WHO hat Aminopenicilline wie Ampicillin als „dringend benötigte Wirkstoffe“ eingestuft. Man kann die Medikamente schwer durch andere ersetzen. Wenn, muss auf breiter wirksame Präparate zurückgegriffen werden. Dies kann aber zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildung der Bakterien gegen Reserveantibiotika führen. Grund für die Lieferengpässe bei den Antibiotika sind dem Apothekerverband zufolge unter anderem Produktionsverlagerungen, Erkrankungsausbrüche, fehlende Importgenehmigungen und auch Produktionsengpässe etc.

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass es bei dem „medizinisch unverzichtbaren“ Krebsmedikament Alkeran zu Lieferengpässen gekommen ist. Dieses Medikament enthält den Wirkstoff Melphalan und wird vor allem zur Behandlung von bösartigen Bluterkrankungen wie Leukämie und Lymphonen eingesetzt. „Es ist in dieser Indikation, insbesondere in seinem Haupteinsatzgebiet, der Hochdosistherapie von Patienten mit Multiplem Myelom aufgrund der medizinischen Datenlage nicht durch andere Substanzen ersetzbar“, so die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie.

Seit mehreren Wochen dauern die Lieferunterbrechungen bereits an. Was dazu führt, dass bei den Patienten die Therapie auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. „Zunehmend verfügen zudem Behörden einzelner Länder, dass die Ware zur Versorgung der eigenen Bevölkerung im Land bleibt, sodass auch über Einzelimport nach § 73.3 Arzneimittelgesetz (AMG) keine Überbrückung stattfinden kann.“ Allein in Deutschland benötigte man 2014 etwa 350.000 Tagesdosen. Erst Mitte Oktober aber soll es möglicher Weise zu einer neuen Lieferung kommen, so die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie. Der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) zufolge ist das Medikament seit dieser Woche wieder lieferbar.

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker fordern deshalb die unverzügliche Information von Ärzten und Apothekern über aktuelle Produktions- und Lieferschwierigkeiten und eine mit Experten abgestimmte Information der Fachkreise zum verhalten bei Lieferengpässen dringend benötigter Antibiotika. Zudem sei es unerlässlich eine umfassende Strategie zu entwickeln, die die Produktions- und Lieferfähigkeit der „pharmazeutischen Industrie in Deutschland bezüglich dringlich benötigter Arzneimittel verbessert, auch wenn deren Patentschutz abgelaufen ist“. Schließlich gefährden derartige Engpässe die Patientensicherheit und verursachen erhebliche Folgekosten für das deutsche Gesundheitssystem.

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