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Prämien-Angebote: Apotheke soll erste Anlaufstelle werden

Eine Schweizer Krankenversicherung will den Gang zur Apotheken forcieren. Wenn die Versicherten bei einer Erkrankung zunächst zu einer Mitgliedsapotheke gehen und erst später noch zum Arzt, erhalten sie Rabatte.

Die Apotheke soll bei Erkrankungen die erste Anlaufstelle sein, das will die Krankenkasse SWICA forcieren. Dafür steht dann auch ein extra Beratungszimmer zur Verfügung. (Foto: Flickr/ Ninian Reid /CC by 2.0)

Die Apotheke soll bei Erkrankungen die erste Anlaufstelle sein, das will die Krankenkasse SWICA forcieren. Dafür steht dann auch ein extra Beratungszimmer zur Verfügung. (Foto: Flickr/ Ninian Reid /CC by 2.0)

Auf dem eng umkämpften Gesundheitsmarkt kommt es immer häufiger zu speziellen Angeboten, um Kunden zu werben bzw. sie zu halten. Zuletzt war in Deutschland eine Diskussion darüber entbrannt, als die Barmer GEK ihren Kunden auf dem Musikfestival in Wacken Nackenmassagen gratis anbot. Die Schweizer Krankenversicherung SWICA setzt auf ein anderes Modell.

Zusammen mit TopPharm-Apotheken hat SWICA ein neues Grundversicherungsmodell entwickelt, dass ab dem 1.1. 2016 beginnen soll. Die Idee ist, dass die Versicherten zuerst  eine der 118 beteiligten Apotheken aufsuchen oder bei der telefonischen Gesundheitsberatung santé24 anrufen. Erst im zweiten Schritt sollen sie einen Arzt konsultieren. Das neue Modell soll die Hausärzte entlasten, die Versicherten in ihrer Eigenverantwortung stärken und die Apotheker in die Erstversorgung mit einbeziehen.

Die Apotheken verfügen über ein separates Besprechungszimmer für vertrauliche Gespräche. Mindestens ein vom Apothekerverband Pharmasuisse für diese Beratung zertifizierter Apotheker ist bei den Filialen der TopPharm-Apotheken angestellt.

Sollte dennoch ein Arztbesuch notwendig sein, kann dieser aus der MEDPHARM-Liste ausgesucht werden. Der Schweizer Ärzteverband FMH hingegen glaubt nicht, dass durch das neue System Kosten gesenkt werden können. So könne der Apotheker mangels fehlender Fachkenntnisse nur wenige Fälle abschließend behandeln. Sollte er dann Zusatzuntersuchungen empfehlen, könnte es teuer werden. Rund 19 Prozent Rabatt auf die normale Grundversicherungsprämie verspricht die Krankenkasse.

„Viele unserer Kunden suchen bei gesundheitlichen Problemen aus Zeit und/oder Kostengründen bereits heute die Apotheke auf. Mit MEDPHARM erhalten die Versicherten vom Apotheker in zahlreichen Fällen eine sofortige Hilfe“, sagt Stefan Wild von TopPharm. Sowohl die Beratung über die Apotheken als auch über santé24 ist kostenlos. Zunächst soll das Modell in der deutschsprachigen Schweiz anlaufen. Die Zulassung durch das Bundesamt für Gesundheit steht aber noch aus.

Gleichzeitig werden die Krankenkassenprämien im kommenden Jahr in der Schweiz generell um vier bis sechs Prozent steigen, berichtet das Newsportal watson.ch. Vor allem in der Deutschschweiz muss tiefer in die Tasche gegriffen werden. Da passt ein neues Prämienmodell ganz gut. Die Prämien hingegen reichen von Verringerungen um bis zu zehn Prozent bis hin zu Anhebungen von 25 Prozent.

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  1. Ich finde es toll, wenn man nicht bei jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen muss. Hab nur ein großes Problem damit. Wir wohnen auf dem Lande und die nächste Apotheke ist ca. 8 km entfernt. Busverbindung fast nicht vorhanden, zu Fuß nicht mögl., Auto soll ich nicht mehr fahren.
    Mir käme also eine Apotheke im Ort sehr entgegen. Wir werden z. Z. von der Nachbargemeinde mit Medikamente versorgt, aber zum Gespräch kommt da auch niemand.