Online-Markt

Geschäft Internet: Deutsche suchen millionenfach nach Krankheiten und Tipps

Der Ratgeber Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung. Allein in Deutschland suchten die Bürger mehr als 40 Millionen Mal innerhalb eines Jahres nach diversen Krankheiten. Neben Krankheiten im Zusammenhang mit der Schilddrüse steht auch Diabetes hoch im Kurs. Die Suche nach Krankheiten ist für Pharmaunternehmen und Heilpraktiker ein gefundenes Fressen. Lässt sich doch anhand von Google-Suchanfragen eine gewisse „Präferenz“ ablesen, die für Werbezwecke genutzt werden kann.

Die Schilddrüsenvergrößerung ist mit durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat die von den Deutschen am häufigsten gesuchte Krankheit im Internet. (Grafik: Central)

Die Schilddrüsenvergrößerung ist mit durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat die von den Deutschen am häufigsten gesuchte Krankheit im Internet. (Grafik: Central)

Online-Sprechstunden, Diagnostikportale, Online-Apotheken – die Welt des Internets bietet mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten, Krankheiten ohne einen wirklichen Arzt zu erkennen und zu behandeln. So ist zumindest der Glaube unter vielen Internetnutzern. Für Unternehmen aus der Gesundheitsbranche ist das ein lukrativer Markt. Pharmaunternehmen beispielsweise sind so nicht mehr auf die Empfehlung durch einen Arzt angewiesen, sondern können dank Google ganz personalisierte Werbung platzieren.

Welche gezielten Informationen von Google gesammelte Suchanfragen liefern, zeigt eine Analyse der Krankenversicherung Central. So zeigte sich, dass die Deutschen über 41,2 Millionen in nur einem Jahr im Internet nach Krankheiten gesucht haben. Die meisten Suchanfragen kamen dabei aus Hamburg, Bremen, Berlin und NRW. Schlusslicht waren Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Insgesamt suchen etwa 80 Prozent der deutschen Internetnutzer nach Gesundheitsinformationen im Internet.

Tatsächlich ergab sich bei der Untersuchung der gesuchten Krankheiten auch eine klare Rangliste. Am häufigsten wurde nach der Krankheit Schilddrüsenvergrößerung gesucht. Hiernach wurde 294.000 Mal im Monat gesucht. Diabetes (140.220) und Hämorrhoiden (118.749) landeten auf Platz zwei und drei. „Die Ursachen der Schilddrüsenerkrankung sind ebenso vielfältig wie die Therapieansätze“, erklärt Markus Hoffmann von Central das Ergebnis. „Damit sind hier auch die Verunsicherung und das Informationsbedürfnis bei den Patienten sehr hoch.“

Ein weiteres interessantes Ergebnis ist jedoch auch, dass es immerhin zwei gesellschaftliche Tabukrankheiten in die Top-10 der gesuchten Krankheiten geschafft haben: Hämorrhoiden und Magersucht. Das zeige, dass diese „offensichtlich eine deutlich höhere gesellschaftliche Relevanz haben, als es die Zahl an tatsächlichen Diagnosen durch Ärzte vermuten lässt“.

Zusätzlich zu dem gesamtdeutschen Ranking konnte die Analyse sogar zeigen, welche bestimmten Krankheiten in welcher Region häufig gesucht wurden. Während es beispielsweise für Berlin ein überdurchschnittliches Krankheitssuchvolumen für Brustkrebs gibt, wurde in Bremen und Hamburg überdurchschnittlich nach psychosomatischen Erkrankungen gesucht. „Hamburg und Berlin verzeichnen außerdem, verglichen mit dem Bundesdurchschnitt, die meisten Google-Suchen für Akne“, so die Analyse. Auch über HIV informieren sich Berliner überdurchschnittlich oft im Internet.

Im Zuge der Analyse der gesuchten Krankheiten bewertete Central auch Webseiten. Das Ergebnis: Bei den Informationsangeboten zu den zehn untersuchten Krankheiten schnitten die Webseiten zu den Themen Magersucht mit der Durchschnittsnote ‚befriedigend‘ noch am besten ab. Die Informationen über die übrigen acht untersuchten Krankheiten wurden jeweils nur mit ‚ausreichend‘ bewertet. „Dieses Ergebnis ist besorgniserregend und es wird höchste Zeit, dass sich die großen Informationsanbieter, aber auch die gesamte Gesundheitsbranche mit der Qualität der Gesundheitsinformationen im Internet auseinandersetzen“, so Markus Homann.

Ein ähnlich schlechtes Ergebnis zeigte sich auch bei einer internationalen Untersuchung von Diagnostikportalen. Hier wurden 23 kostenlose Diagnostikseiten mit 45 Krankheitsfällen konfrontiert. Nur in durchschnittlich 34 Prozent der angefragten Fälle wurde die richtige Diagnose an erster Stelle der möglichen Krankheiten genannt.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *