Pharmamarkt

Nano-Gravur auf Pillen verhindert Medikamenten-Fälschung

Ein eingravierter Code auf jeder Pille soll die Milliardenschäden durch Medikamenten-Fälschung eindämmen. Britische Ingenieure haben einen 3D Barcode entwickelt, der während der Herstellung direkt auf die Pillen gestanzt wird. Das komplexe Nano-Verfahren macht ein Kopieren nahezu unmöglich.

Auch ohne Verpackung können Patienten künftig per App überprüfen, ob ein Medikament gefälscht ist (Foto: flickr/ epSos.de / cc by 2.0)

Auch ohne Verpackung können Patienten künftig per App überprüfen, ob ein Medikament gefälscht ist (Foto: flickr/ epSos.de / cc by 2.0)

Ingenieure in Großbritannien haben einen 3D Barcode für Medikamente entwickelt. Dieser wird in die Oberfläche der Medikamente eingraviert, während diese hergestellt werden. Der Barcode besteht aus winzigen Vertiefungen in der Oberfläche des Produkts, die hundert mal dünner sind als ein menschliches Haar. Sie werden mit Nano Nadeln erzeugt. Die Nadeln werden so positioniert, dass die Einstiche verschieden tief sind. Jede Stufe korrespondiert mit einem Buchstaben oder einer Ziffer. Der Prototyp des Barcodes besteht aus einem vierstelligen Pin. Dieser ermöglicht über 1,7 Millionen verschiedene Konstellationen.

 

Den 3D Barcode zu kopieren, dürfte nahezu unmöglich sein, weil er ein integraler Bestandteil des Medikaments ist. Außerdem ist er äußerst komplex. Neben der Tiefe der Markierungen variiert auch der Abstand dazwischen. Darüber hinaus haben die Nadelköpfe verschiedene Muster, so dass die Form der Vertiefungen unterschiedlich ist. Man kann sich die Funktionsweise des Codes ähnlich der eines Schlüssels vorstellen. Ein Schlüssel weist ebenfalls eine Reihe verschieden tiefer und verschieden  geformter Vertiefungen in unterschiedlichem Abstand auf.

 

Der weltweite Umsatz, der jedes Jahr mit Medikamentenfälschungen erzielt wird, wird bis auf 1,8 Billionen Dollar geschätzt. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände schätzt die Weltgesundheitsorganisation, dass jedes zweite im Internet gekaufte Medikament eine Fälschung ist. Im Juni 2013 seien weltweit 9,8 Millionen gefälschte Medikamente beschlagnahmt worden. Medikamente seien mit knapp 24 Prozent die am meisten gefälschten Produkte, die an den EU-Außengrenzen entdeckt wurden. Gefälscht werden demnach unter anderem, potenzsteigernde Mittel, Arzneimittel gegen Krebserkrankungen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Hormone, Antibiotika oder starke Schmerzmittel. Insbesondere bei Potenzmitteln sind Fälschungen lukrativ, da die Gewinnspanne teilweise bis zu 20.000 Prozent beträgt.

 

Im März 2013 hat daher INTERPOL zusammen mit der Pharmaindustrie eine globale Initiative gestartet, um Patienten vor gefälschten Arzneimitteln zu schützen. Die Investitionen belaufen sich dabei auf 4,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren und sollen dem Ausbau und der Stärkung der Aktivitäten gegen Medikamentenfälscher dienen. Die pharmazeutische Industrie beteiligt sich zudem an der Entwicklung eines EU-weiten Kodierungs- und Serialisierungs-Systems.

 

Bisher konzentrierten sich die Ansätze zur Medikamentenkennzeichnnung jedoch hauptsächlich auf die Verpackung. Die Idee, Medikamentenfälschungen durch einen 3D Barcode in den Tabletten selbst zu erschweren und möglicherweise zu verhindern, hatte das britische Unternehmen Sofmat Ltd, das auch andere Produkte vor Fälschungen schützt. Der Barcode wurde dann in Zusammenarbeit mit Ingenieuren der University of Bradford entwickelt. Derzeit ist ein Laserscanner in der Entwicklung, der den Code entschlüsselt und das Ergebnis über eine App auf Smartphones oder Tablets überträgt. So können Apotheker und Verbraucher bequem per App jederzeit überprüfen, ob die Tabletten, die sie einnehmen auch sicher Originale sind.

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