Medizin-Forschung

Neue Technik: Künstlich beatmete Lungen erhöhen Transplantations-Erfolg

Eine neue Operationsmethode erhöht die Erfolgsquote bei Lungen-Transplantationen deutlich: Hierfür wird die Lunge bis zu vier Stunden außerhalb des Körpers beatmet. Das Organ kann sich so vollständig regenerieren. So können mehr Spender-Lungen verwendet werden als bisher.

Neue Technik zur Lungen-Transplantation erhöht Erfolgrate (Foto: Flickr/Hey Paul Studios/ cc by 2.0)

Neue Technik zur Lungen-Transplantation erhöht Erfolgsrate (Foto: Flickr/Hey Paul Studios/ cc by 2.0)

Bei der jüngst entwickelten neuen Technik zur Lungen-Transplantation wird die Spender-Lunge nach der Entnahme bis zu vier Stunden in künstlicher Umgebung am Leben gehalten. Sie atmet außerhalb eines Körpers weiter und wird mit Blut und Nährstoffen versorgt. Die Technik wird deswegen als ex-vivo lung perfusion (EVLP) bezeichnet. Durch diesen Schritt können Lungen regenerieren, die aufgrund ihrer mangelnden Funktion nicht als Spender-Lunge implantiert werden können. Die Forscher hoffen, dass dadurch in Zukunft deutlich mehr Spender-Lungen zum Einsatz kommen. Derzeit können 80 Prozent der Spender-Lungen nicht benutzt werden, weil sie nicht ausreichend gut funktionieren. Außerdem entfernten die Forscher in einem Tierversuch mit Schweinen in diesem Schritt in einem Teil der Lunge die Weißen Blutkörperchen. Die Folge war, dass die Lungen nach der Implantation nicht abgestoßen wurden.

Die Abstoßung durch das eigenen Immunsystem ist bisher das größte Risiko bei Lungen-Transplantationen. Das liegt daran, dass das Immunsystem auf Fremdkörper in der Lunge besonders empfindlich reagiert. Das ist zwar zur Bekämpfung von Infektionen nützlich, aber für Lungen-Transplantationen äußerst ungünstig. Die körpereigene Abwehr reagiert auf die Weißen Blutkörperchen in der neuen Lunge und versucht das Organ zu zerstören. Das kann im schlimmsten Fall zum Scheitern der Transplantation führen. Die Empfänger einer Spender-Lunge müssen lebenslang immununterdrückende Medikamente nehmen, die erhebliche Nebenwirkungen haben und auch das Risiko für Krebs erhöhen.

Die Forscher der Universitäten von Manchester und Lund hoffen, dass sie in dem Schritt, in dem die Lunge außerhalb eines Körpers am Leben gehalten wird, die Lunge mit einem immununterdrückendem Medikament versehen können, das die Abstoßung der implantierten Lunge verhindert. Das Medikament befindet sich gerade in der Entwicklung.

Da die Schweine in dem Tierversuch nur für 24 Stunden nach der Implantation beobachtet wurden, weiß man noch nicht, ob und welche Langzeitfolgen das neue Verfahren hat. Doch selbst wenn es sich erst einmal nur um einen Aufschub handelt, bis das Immunsystem reagiert, hat die Spender-Lunge dadurch mehr Chance vom Empfänger angenommen zu werden.

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