Medizin-Forschung

Blutvergiftungen können jetzt schneller behandelt werden

Ein neues Verfahren macht eine schnellere und gezielte Behandlung von Blutvergiftungen möglich. Mit der neu entwickelten Technologie können Resistenzen schnell erkannt und die Erreger mit einem spezifisch wirkenden Antibiotikum behandelt werden. Eine schnelle Behandlung ist bei einer Blutvergiftung lebensrettend.

Miniaturisierter Wachstumschip zur Erkennung  bakterieller Resistenzen (Foto: Frauenhofer FIT)

Miniaturisierter Wachstumschip zur Erkennung
bakterieller Resistenzen (Foto: Frauenhofer FIT)

Ein neues Verfahren ermöglicht eine schnelle Behandlung bei einer Blutvergiftung. Forscher der Fraunhofer-Institute für Angewandte Informationstechnik und Lasertechnik haben in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Aachen eine Technologie entwickelt, mit der innerhalb von neun Stunden das richtige Antibiotikum für den Patienten gefunden wird. Dazu werden die Erreger der Blutvergiftung zunächst markiert. Werden sie dann mit einem Laserlicht angestrahlt, leuchten sie auf. Dadurch können die Forscher die Anzahl der Bakterien im Blut einschätzen. Als nächstes werden die Erreger vom Blut getrennt und kommen in verschiedene Töpfe, in denen jeweils unterschiedliche Antibiotika sind. Eine Analysesoftware beobachtet und dokumentiert die Entwicklung der Erreger in den verschiedenen Töpfen und Algorithmen erstellen eine Hochrechnung der Wachstumskurve der Erreger. Dadurch können die Forscher sehen, welches Antibiotikum am besten wirkt und den Patienten damit behandeln.

Da es bei einer Blutvergiftung auf eine schnelle Behandlung ankommt, hat man Blutvergiftungen bisher mit einem Breitbandantibiotikum behandelt. Das Problem dabei ist, dass die Erreger gegen das eingesetzte Antibiotikum resistent sein können, was das Antibiotikum wirkungslos macht. Eine Untersuchung auf die Resistenzen der Erreger dauerte bisher allerdings zwischen 60 bis 100 Stunden. Die Ergebnisse kamen dann für viele Patienten zu spät. Die meisten Betroffenen sterben ohne das richtige Antibiotikum nach 48 Stunden. In Deutschland sind das jährlich etwa 60.000 Menschen.

Blutvergiftungen entstehen durch eine Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion. Bei einer Infektion, etwa durch eine Wunde oder eine Lungenentzündung, dringen Krankheitserreger- meist Bakterien- in den Körper ein. Diese werden vom Immunsystem bekämpft und in der Regel ist die Krankheit dann geheilt. Bei einer Blutvergiftung gerät die Lage allerdings außer Kontrolle und die Erreger breiten sich über die Blutgefäße im Körper aus. Die körpereigene Abwehr reagiert dann besonders heftig und es beginnt eine Kettenreaktion, die den Körper massiv schädigt.

Blutvergiftungen werden häufig unterschätzt. Sie sind nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs auf Platz drei der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Das liegt daran, dass eine Blutvergiftung sehr schnell behandelt werden muss, die Symptome allerdings am Anfang der Vergiftung vieldeutig sind und eher auf eine Grippe hindeuten: Erhöhte Temperatur, aber auch erniedrigte Temperatur unter 36 Grad Celsius, Unwohlsein, schnelle und flache Atmung, Bewusstseinseintrübungen und niedriger Blutdruck sind Anzeichen für eine mögliche Blutvergiftung.

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