Forschung

Durchtrennte Nervenfasern könnten in Zukunft wieder zusammenwachsen

Schienen, die über das Ende eines abgetrennten Nervs gestülpt werden, weisen den Nervenfasern den Weg zum nächsten Nerv und beschleunigen sein Wachstum. Neue Herstellungs-Verfahren machen die Schienen so weich wie einen echten Nerv, werden nicht abgestoßen und sind resorbierbar.

Durchtrennte Nervenfasern könnten in Zukunft wieder zusammenwachsen (Foto: Flickr/ www.ruffrootcreative.com/cc by 2.0)

Durchtrennte Nervenfasern könnten in Zukunft wieder zusammenwachsen (Foto: Flickr/ www.ruffrootcreative.com/cc by 2.0)

Nervenleitschienen werden über die Enden von durchtrennten Nerven geschoben und bestimmen so die Richtung des Nervenwachstums. Nerven können zwar nachwachsen, tun das aber nur sehr langsam und in verschiedene Richtungen. Die neuen Schienen sorgen dafür, dass sie mit dem gewünschten Nerv oder der gewünschten Muskelfaser zusammenwachsen. Außerdem regen biochemische Stoffe in der Schiene das Nervenwachstum an.

Neue Herstellungs-Verfahren machen es möglich, die Schienen so weich wie einen natürlichen Nerv zu machen. Trotzdem sind sie fest genug, um sie mit den Nervenenden zu vernähen. Das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf hat jüngst eine Schiene aus einer mikroporösen Kapillarmembran entwickelt, die Nährstoffe durchlässt, aber Narbengewebe abhält. Die Schiene, die eher einem Schlauch ähnelt, besteht aus Polymeren aus Trimethylencarbonat und Caprolacton. Diese Stoffe bauen sich nach einer gewissen Zeit im Körper ab, ohne dass es wie bei den herkömmlichen Schienen zu Entzündungen kommt. Die bereits bekannten Schienen sind außerdem nicht so flexibel wie die neuen, was ihre Verwendbarkeit einschränkt.

Nervenleitschiene (Foto: University of Minnesota College of Science and Engineering)

Nervenleitschiene (Foto: University of Minnesota College of Science and Engineering)

Die University of Minneapolis hat jüngst ähnliche Schienen mittels des 3D-Druckverfahrens aus Silikon hergestellt. In der Schiene befinden sich biochemische Einsätze, die das Nervenwachstum unterstützen. In einem Versuch mit Ratten, deren Hüftnerv durchtrennt war, testeten sie die neuen Nervenleitschienen. Nach zwölf Wochen hat sich die Fähigkeit der Ratten, wieder zu laufen, verbessert. Das sei das erste Mal, dass ein komplexer Nerv wie der Y-förmige Hüftnerv, der sensorische und motorische Funktionen hat, durch eine entsprechend geformte Schiene nachgewachsen sei.

Das Scannen eines kaputten Nervs und das Drucken einer passenden Schiene dauert nur eine Stunde. Die Forscher hoffen, dass es in Zukunft 3D-Drucker in Krankenhäusern gibt, um vor Ort eine passende Schiene herstellen zu können. Außerdem soll es ein Archiv von gescannten Nerven anderer Menschen geben, damit auch dann möglichst passgenaue Schienen angefertigt werden können, wenn ein Scannen des Nervs nicht möglich ist.

Der nächste Schritt wird es sein, die neue Technologie an Menschen zu testen. Forscher sehen in den Schienen das Potenzial, jährlich mehr als 200.000 Menschen helfen zu können, die Nervenverletzungen- oder Krankheiten erleiden.

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