Politik

Hebammenverband: Neue Entscheidung entmündigt Mütter

Im Streit um die Haftpflicht-Prämie für Hebammen und die Hausgeburten hatte eine Schiedsstelle eine Entscheidung getroffen. Der Deutsche Hebammenverband aber sieht die Entscheidung skeptisch, sie sei nicht hinnehmbar. Es gehe dabei nicht nur um die Hebammen, auch Rechte von Frauen würden mit dem Schiedsspruch unterlaufen.

                                                                                                                  Hebammen sind in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt einer der wichtigsten Ansprechpartner für Mütter und Väter. Doch die Arbeit der freiberuflichen Hebammen wird immer schwieriger. Foto: Flickr/eyeliam/CC by 2.0

Hebammen sind in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt einer der wichtigsten Ansprechpartner für Mütter und Väter. Doch die Arbeit der freiberuflichen Hebammen wird immer schwieriger. Foto: Flickr/eyeliam/CC by 2.0

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen spricht in der Entscheidung beim Hebammenstreit von verbindlichen Qualitätskriterien für Hausgeburten, einer Lösung für die Haftpflichtkriterien und einer Honorarsteigerung von fünf Prozent. Der Deutsche Hebammenverband jedoch ist alles andere als zufrieden mit der Entscheidung der Schiedsstelle.

Die Situation hinsichtlich der Haftpflicht habe sich dadurch verschlechtert und die scheinbaren Qualitätskriterien würden Hausgeburten nicht verbessern, sondern eher unmöglich machen, so der Verband. Zumal die Schiedsstelle zufolge verbindliche aber nicht wissenschaftlich belegte Ausschlusskritieren für letztere eingeführt habe.

Außerdem kritisiert der Verband, dass freiberufliche Hebammen künftig nur mehr den Sicherstellungszuschlag erhalten werden. „Dieser gleicht jedoch nicht die vollständige Prämie von derzeit 6.274,32 Euro aus, sondern erstattet maximal 4.390,03 Euro.“  Zuvor erfolgte der Ausgleich der Haftpflichtprämien über die einzelnen Vergütungspositionen. Mit dem zusätzlichen Wegfall der bisherigen Vergütungen für Haftpflichtkosten habe die Schiedsstelle eine Verschlechterung für die Hebammen herbeigeführt und keine Verbesserung, so der Hebammenverband.

„Die Entscheidungen der Schiedsstelle sind für uns so nicht hinnehmbar“, sagt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V. (DHV). „Rechte von Frauen wie die freie Wahl des Geburtsortes sowie das Berufsrecht der Hebammen werden damit unterlaufen. Wir prüfen alle Mittel, um dagegen vorzugehen“, so Martina Klenk weiter.

Auch „die Einführung von Ausschlusskriterien hat nichts mit einer Verbesserung der Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe zu tun, sondern bewirkt ihre Abschaffung“, sagt Katharina Jeschke, Verhandlungsführerin des DHV und Präsidiumsmitglied. Der GKV-Spitzenverband hingegen weist darauf hin: „Für werdende Mütter, die sich für eine Hausgeburt entschieden haben, bedeuten die Entscheidungen ein Mehr an Sicherheit, denn erstmals gelten auch für Hausgeburten verbindliche Qualitätskriterien, wie es für Geburtshausgeburten bereits seit 2008 der Fall ist.“ Mütter würden entmündigt und die Geburt werde nicht mehr als natürlicher Vorgang angesehen.

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