Gesellschaft

Haushalte verschmutzen Abwasser mit Medikamenten

Medikamenten-Rückstände im Abwasser sind gesundheitsschädlich und können zur steigenden Antibiotikaresistenz beitragen. Doch wie eine aktuelle Studie zeigt, sind es nicht Krankenhäuser und Pflegeheime, die dafür zur Verantwortung gezogen werden sollten. Vielmehr sind Privathaushalte größtenteils selbst dafür verantwortlich.

Die meisten Arzneimittelrückstände im Abwasser lassen sich letztlich auf Privathaushalte zurückführen und eben nicht auf Krankenhäuser oder Psychatrien. (Foto: Flickr/Matthew Ragan /CC by sa 2.0)

Die meisten Arzneimittelrückstände im Abwasser lassen sich letztlich auf Privathaushalte zurückführen und eben nicht auf Krankenhäuser oder Psychatrien. (Foto: Flickr/Matthew Ragan /CC by sa 2.0)

In Deutschland werden allein in der Humanmedizin jedes Jahr etwa 8.100 Tonnen potenziell umweltrelevante Medikamente verabreicht bzw. Eingenommen. Dabei sind vor allem Entzündungshemmer, Asthmamittel sowie Psychotherapeutika die am häufigsten verschriebenen Arzneimittel, so das Umweltbundesamt.  „In die Umwelt kommen sie durch einen unerwünschten Nebeneffekt: viele Stoffe werden vom menschlichen Körper unverändert wieder ausgeschieden“. Sie gelangen mit dem Abwasser über die Kläranlagen in die Umwelt. Und viele Wirkstoffe werden auch in Kläranlagen nur wenig zurückgehalten.

Tätsächlich sind aber meist nicht Krankenhäuser, Psychatrien und Pflegeheime die Verursacher der vielen Medikamentenrückstände. Das zeigt eine Untersuchung der Leuphana Universität Lüneburg. Vielmehr sind die meisten Rückstände auf Privathaushalte zurückzuführen. Hierfür werteten die Wissenschaftler Medikamentenverbrauchsdaten eines Krankenhauses, einer psychiatrischen Klinik und eines Pflegeheimes in Südwestdeutschland aus und ermittelten die 50 am häufigsten verabreichten Wirkstoffe, die auch für die Qualität des Abwassers und der Gewässer eine Relevanz haben.

Der über drei Jahre gemittelte gesamte Verbrauch dieser Medikamente durch die Gesundheitseinrichtungen verglichen sie mit dem jährlichen Gesamtverbrauch der ausgewählten Substanzen durch deutsche Privathaushalte, heißt es in einer Mitteilung der Wissenschaftler. Grundlage hierfür ist der jährlich erscheinende Arzneiverordnungs-Report. Dieser führt alle Medikamente auf, die deutsche Arztpraxen gesetzlich Versicherten verschrieben haben.

Das Ergebnis: Die überwiegende Zahl der untersuchten Wirkstoffe zeigt im nationalen Vergleich einen deutlich höheren durchschnittlichen Verbrauch und daraus abgeleitet auch einen höheren Ausstoß durch Privathaushalte als durch Einrichtungen des Gesundheitswesens. „So ist der Verbrauch von Medikamenten, die den Verdauungstrakt oder das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, in Krankenhäusern 15 bis 500 Mal niedriger als in Privathaushalten.“ In psychiatrischen Kliniken belaufe sich der Unterschied sogar bis auf den Faktor 2.500.

„Selbst der Verbrauch von Schmerzmitteln durch Krankenhäuser macht nur einen relativ kleinen Anteil am Gesamtverbrauch aus – bei Metamizol, dem Schmerzmittel mit dem größten Verbrauch, sind es lediglich 22 Prozent.“ Nur für das Sedativum Clomethiazol in Krankenhäusern sowie für das Neuroleptikum Quetiapin und das Antidepressivum Moclobemid in Pflegeheimen konnten nennenswerte Verbrauchsmengen wahrgenommen werden.

Kommentare

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  1. Verursacher sind, wie erstaunlich, Pillen-schluckende Patienten. Und die kann und braucht man nun wirklich nicht durchweg in Kliniken oder Einrichtungen zu stecken. Also würden alternativ zur Studie fast „Strichlisten“ reichen! Und wie viele solche Einrichtungs-Betten (besser: deren Auslastung) gibt es pro Kopf? Sehr, sehr wenige!
    Aber eine Schlussfolgerung scheint ziemlich unausweichlich: In diesen Einrichtungen sind Pillenschlucker garantiert häufiger, als z.B. im Privathaushalten – da bin ich mir auch ganze ohne eigene Studie sicher ;-).
    Der Beitrag der Studie zur Minderung oder erfolgreichen Beseitigung von Medikamenten aus Abwässern geht folglich nahezu gegen Null. Sie verklärt mehr, als das sie klärt ;-).

    Wie der Vergleich dieser beiden Kategorien genau erfolgte, bleibt übrigens auch ungenannt.

    Mir fallen dann auch noch Statistiken ein, welcher Anteil von verordneten Medikamenten wirklich geschluckt werden, vermisse auch andere entscheidende Sektoren bei entsprechender Wasserbelastung, wie die Tiermast, die wahrscheinlich vorrangig über den Umweg der Düngung mit Gülle …

    Was ich ansonsten noch an wesentlich Faktoren vergessen habe, das überlasse ich dann den dafür bezahlten Doktoren und Professoren.