Gesundheitspolitik

Industrieländer wollen Gesundheitsfonds für Fabrikarbeiter aufbauen

Jedes Jahr sterben zahlreiche Menschen an den Folgen eines Arbeitsunfalls oder einer Krankheit, die auf ihre Arbeit zurückzuführen ist. Die Industrieländer wollen deshalb einen Fonds ins Leben rufen, der die Arbeitsbedingungen erheblich verbessern soll. Drei Millionen will Deutschland gleich zu Beginn zur Verfügung stellen.

Faire Preise sind die Grundlage für gute Arbeitsbedingungen, betont Gerd Müller vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. (Foto: Flickr/Kenneth Wong/CC by nd 2.0)

Faire Preise sind die Grundlage für gute Arbeitsbedingungen, betont Gerd Müller vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. (Foto: Flickr/Kenneth Wong/CC by nd 2.0)

In vielen armen Ländern sind die Arbeitsbedingungen von Fabrikarbeitern verheerend. Im Rahmen eines G7-Treffens haben die Industriestaaten sich nun entschlossen, dies zu ändern. Ein entsprechender Gesundheitsfonds soll helfen, die Gefahren zu minimieren. Immerhin sterben jährlich 2,3 Millionen Menschen in der Folge arbeitsbedingter Unfälle und Krankheiten. Der neue ‚Vision Zero Fund‘ soll als eine Art Präventionsfonds funktionieren.

„Dabei geht es unter anderem um bessere Arbeitsinspektionen, betriebliche Sicherheitstrainings, besseren Brandschutz und Unterstützung bei der Einführung von Unfallversicherungen“, sagte Arbeitsministerin Nahles nach dem Treffen. „Wir werden die Herstellerländer dabei unterstützen, menschenwürdige Arbeit durchzusetzen“, betonte auch Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das gelte für die Näherin in Bangladesch genauso wie für den Minenarbeiter im Kongo. „Wir werden dafür sorgen, dass die Verbraucher bei uns wissen, ob ihre Kleidung oder ihr Handy nachhaltig hergestellt sind.“ Die Lieferketten spielen in diesem Bereich auch eine erhebliche Rolle

Die Unterstützung aus dem Fonds soll sich auf die Förderung von koordinierten Aktivitäten und von den Akteuren selbst getragenen Verpflichtungen konzentrieren. Verpflichtungen, die Grundsätze der einschlägigen ILO-Arbeitsschutznormen anwenden, einschließlich der Präventionsmaßnahmen sowie die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit der ILO.

Ziel sei es aber nicht, durch die Arbeit mit dem Fonds ein Zwei-Schichten-System in den einzelnen Ländern entstehen zu lassen. Es solle verhindert werden, dass dann Unternehmen, die „in globale Lieferketten integriert sind, bessere Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards haben als diejenigen, die für den heimischen Markt produzieren.“

Außerdem soll die Eigenverantwortung der Akteure dadurch sichergestellt werden, dass diese selbst in den in den Entscheidungsstrukturen und -verfahren des Fonds vertreten sind, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der G7. Die Leitung des Fonds soll jedoch bei der Internationalen Arbeitsorganisation ILO obliegen.

Im kommenden Jahr soll der Fonds mit der Arbeit beginnen. Pilotprojekte in der Textilindustrie sollen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Regierungen, Unternehmen und Sozialpartner gestartet werden. Deutschland will möglichst schnell etwa drei Milliarden Euro in den Fonds stecken. Wieviel insgesamt in den Fonds fließen soll, ist noch nicht bekannt.

Neben der Gründung des Fonds haben die Minister zudem eine Erklärung zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen verabschiedet. „Wir müssen Gesundheit mehr denn je global denken – denn Krankheiten machen nicht an Staatsgrenzen halt“, sagte Gesundheitsminister Gröhe. Nur mit gemeinsamen internationalen Anstrengungen werde man die Menschen auch in Deutschland wirksam vor multiresistenten Keimen und grenzüberschreitenden Epidemien schützen können. Mit der Verpflichtung wollen die Minister die Verabreichung von Antibiotika nur zu therapeutischen Zwecken und nach individueller Diagnostik möglich machen.

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