Patienten

Senioren erhalten oft falsche Medikamente

Fast jeder fünfte Rentner wird heute oft falsch therapiert. Oft sind die verschriebenen Arzneimittel nur für jüngere Patienten geeignet oder rufen gefährliche Nebenwirkungen hervor. Ungenügendes Wissen und Zeitmangel der Ärzte kann so schnell lebensgefährlich werden.

Eine falsche Medikation kann im höheren Alter schnell zu einem Besuch im Krankenhaus führen. (Foto: Flickr/Roger W/CC by sa 2.0)

Eine falsche Medikation kann im höheren Alter schnell zu einem Besuch im Krankenhaus führen. (Foto: Flickr/Roger W/CC by sa 2.0)

Stoffwechsel und Kreislauf ändern sich im Laufe des Lebens. Vor allem im Alter nimmt der Stoffwechsel ab und der Kreislauf wird anfälliger für Stresssituationen. Umso wichtiger ist die richtige Einstellung älterer Menschen auf ihre Medikamente und auch die genaue Recherche bei der Vergabe von Arzneimitteln bei akuten Krankheiten. Hier gibt es jedoch einen erheblichen Nachholbedarf, wie eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse WINEG zeigt.

Demnach erhielten in Deutschland 1,8 Millionen Bürger im Alter von über 65 Jahren Medikamente, die nicht für sie geeignet und auch teilweise gefährlich waren (Stand 2012). Das ist fast jeder fünfte Senior (18,9 %). Gegenüber dem Jahr 2008 ist das bereits eine leichte Verbesserung (21,7 %), aber schlussendlich noch ein viel zu schlechtes Ergebnis. In Dänemark sind es lediglich sechs Prozent.

„Trotz des leichten Abwärtstrends werden nach wie vor viel zu viele kritische Medikamente verordnet“, sagt auch Frank Verheyen, Leiter des WINEG. Zumal 2010 die Priscus-Liste veröffentlicht wurde. Letztere ist eine Auflistung von 83 Wirkstoffen, die für Menschen ab 65 nur eingeschränkt empfohlen werden, wie etwa Medikamente gegen Depressionen oder Bluthochdruck sowie Schmerzmittel. Zusätzlich enthält die Liste auch eine Erklärung zu den Gefahren und zu alternativen Therapiemöglichkeiten. „Das Verordnungsverhalten der Ärzte hat sich aufgrund der Priscus-Liste offenbar nicht grundlegend verändert“, so Verheyen.

So steht beispielsweise Nitrofurantoin auf der Priscus Liste. Hierzu wird angegeben, dass das Medikament bei älteren Patienten nicht angewendet werden soll, „da stets eingeschränkter Nierenfunktion gerechnet werden muss“. Zu Imipramin kann unter anderem Benommenheit, innere Unruhe und Verwirrtheitszustände auslösen.

Vor allem bei Durchblutungsstörungen und Depressionen kommt es häufiger vor, dass Patienten über 65 Jahren eben Arzneimittel der Priscus-Liste erhalten. Gerade hier, kann es aber zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen. Der verlangsamte Stoffwechsel ist nicht mehr so gut in der Lage, die Wirkstoffe aufzunehmen oder eben abzubauen. Nierenschäden, Sturzgefahr und Magenblutungen können dann mögliche Folgen sein. Das Durchschnittsalter von Patienten, die wegen Arzneimittel­nebenwirkungen im Krankenhaus aufgenommen werden müssen, liegt bei 70 Jahren.

Hier ist auch die Multimedikation ein Problem, denn nicht selten treten im Alter mehrere chronische Krankheiten auf. Allein in Deutschland sind etwa 60 Prozent der über 55-jährigen und 80 Prozent der über 80-jährigen von Multimorbidität betroffen, Tendenz steigend.

Wichtig ist aber auch, dass Patienten, wenn sie durch einen Blick auf die Priscus-Liste ein entsprechendes Medikament finden, das ihr Arzt verordnet hat, dass sie dieses Medikament nicht einfach abrupt selbst absetzen. Vielmehr sollte dann der Arzt erneut konsultiert werden.

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