Wissenschaft

Erstes künstliches Gehirn entwickelt

Zehn Jahre lang bauten 81 Wissenschaftler an 30.000 Neuronen. Damit ist es nun ngelungen, erstmals einen Teil eines Rattenhirns künstlich nachzubauen. Zwischen Forschern und privaten Investoren ist schon seit längerem ein Wettlauf um die Entwicklung des ersten vollständigen Hirns entbrannt.

Der digitale Nachbau bildet bisher nur einen kleinen Teil eines Rattenhirns nach, funktioniert jedoch bereits exakt wie ein natürliches Gehirn. (Foto: Flickr/Allan Ajifo/CC by 2.0)

Der digitale Nachbau bildet bisher nur einen kleinen Teil eines Rattenhirns nach, funktioniert jedoch bereits exakt wie ein natürliches Gehirn. (Foto: Flickr/Allan Ajifo/CC by 2.0)

Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, einen Teil eines Rattenhirns künstlich nachzubauen. Das so genannte Blue Brain Project bildet die Hirne verschiedener Säugetiere mittels Software auf einem Supercomputer nach. Der Projektleiter Henry Markram von der polytechnischen Hochschule in Lausanne gab in der Fachzeitschrift Nature bekannt, dass er und seine 81 Kollegen nach einem Jahrzehnt Forschungsarbeit endlich das Abbild eines voll funktionsfähigen Hirnteils mit rund 30.000 Neuronen und etwa 37 Synapsen rekonstruiert hätten.

Im Vergleich zu den 85 Milliarden Neuronen, die ein menschliches Hirn enthält, ist das zwar etwa so viel wie ein Sandkorn. Dennoch ist die Entwicklung ein großer Schritt, da es um das Muster geht: Ist erst einmal ein kleiner Teil nachgebaut und funktioniert, so kann das Bauprinzip für den Nachbau der übrigen Teile angewendet werden.

Die Forscher haben dazu die Daten aus bestimmten Hirnzellen der Ratten genutzt, um zu berechnen, wie mehrere Hirnzellen in einem Hirnteil zusammen funktionieren. Danach haben sie die Hirnaktivität simuliert, indem sie die Bewegung eines Schnurrhaars als eine Art Testprogramm auf der Hardware laufen ließen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass ihre Hirnkopie sich exakt so verhält wie ein richtiges Gehirn und dieselben Muster an elektronischen Signalen entstehen – das digitale Hirn also funktioniert.

Hinter der Entwicklung steht das Human Brain Project, das zehn Jahre Forschungsarbeit und rund eine Milliarde Dollar an Forschungsgeldern investiert hat. Das Projekt ist eines der größten und längsten wissenschaftlichen Projekte in dem Bereich. Die schiere Länge des nun veröffentlichten Berichts hielt bisher auch viele Forscher davon ab, eine Einschätzung dazu abzugeben, da es einige Zeit braucht, um sich ein qualifiziertes Urteil über die Ergebnisse bilden zu können.

Trotz oder gerade wegen der schieren Unmöglichkeit, alle Synapsen eines Gehirns künstlich nachzubauen, gilt die Erschaffung eines künstlichen Hirns oder einer menschenähnlichen künstlichen Intelligenz derzeit als eines der meistverfolgten Ziele in der Wissenschaft. Dabei verfolgen nicht mehr nur Universitäten, sondern zunehmend auch private Institute und Unternehmen dieses Ziel.

Microsoft-Mitgründer Paul Allen hat jüngst für 500 Millionen Dollar zwei Teams von Hirnforschern angeheuert, um das menschliche Hirn zu dekonstruieren und mittels Reverse Engineering von Grund auf nachzubilden. Ziel des Allen Institute for Artificial Intelligence in Seattle sei es, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen und diese zu befähigen, dass sie eine High-School-Prüfung bestehen könne, so ein Bericht der Washington Post. Auch Tesla-Gründer Elon Musk hat zusammen mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher ein ähnliches Projekt namens Vicarious finanziert, um die weltweit erste menschenähnliche künstliche Intelligenz (engl. artificial intelligence, AI) zu erschaffen, so ein Bericht vom Techinsider. Neben den Tech-Riesen gibt es auch Projekte wie Nara.me, die AI vermarkten wollen, berichtet das Magazin Wired.

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