Krebs

Bundesamt warnt vor Radon als Krebsursache

Die Radon-Belastung in deutschen Wohnungen ist dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Das geruchslose, geschmackslose Gas wird zu Unrecht kaum beachtet.

Ein Teil des beim Zerfall des Radiums in Mineralien und Bodenteilchen entstehenden Radons wird in den Porenraum der Böden und Gesteine freigesetzt. Von dort wandert es zur Erdoberflä- che. Dieser Transport wird durch Spalten und Risse im Untergrund begünstigt. (Grafik: BfS)

Ein Teil des beim
Zerfall des Radiums in Mineralien und Bodenteilchen entstehenden
Radons wird in den Porenraum der Böden und
Gesteine freigesetzt. Von dort wandert es zur Erdoberflä-
che. Dieser Transport wird durch Spalten und Risse im Untergrund
begünstigt. (Grafik: BfS)

In Deutschland gehen etwa fünf Prozent der Lungenkrebstodesfälle auf das Edelgas Radon zurück, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) anlässlich der Vorstellung der Sonderausgabe des Jahresberichts zu 25 Jahre BfS. Nur Rauchen sorgt noch häufiger für Tod aufgrund von Lungenkrebs. „Wenn die Wahrnehmung eines Problems in den Hintergrund tritt, ist es umso wichtiger, als Fachbehörde mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verlässlich dazu beizutragen, dass der Schutz der Bürgerinnen und Bürger verbessert wird“, sagt Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Radon liefert weltweit den größten Beitrag zur Strahlenbelastung der Bevölkerung. In den USA sterben jährlich 20.000 Menschen an den Folgen von Radonbelastung, so die zuständige Umweltbehörde. Allein in Deutschland macht es im Mittel dem Bundesministerium für Umwelt 30 Prozent der Strahlenexposition aus. Eine unsichtbare Gefahr, die sehr mobil ist, weil sie unter normalen Umständen keine chemische Verbindung mit anderen Elementen eingeht.

Die Erdkruste enthält unter anderem natürliche, so genannte Radionuklide wie Uran-238, Uran-235, Thorium-232 und Kalium-40. Beim Zerfall von Uran-238 entsteht über das Radium-226 als Zwischenprodukt das radioaktive Edelgas Radon-222 mit einer Halbwertszeit von 3,8 Tagen. Das Radon gelangt aus dem Baugrund  ins Freie und auch in Gebäude. In Gebäuden ist die Radonkonzentration höher als im Freien. Über Kabel- und Rohrdurchführungen, undichte Fundamente oder Risse im Mauerwerk gelangt das Radon aus dem Erdboden ins Gebäude. Vor allem in Kellern ist die Konzentration dann am größten. Von dort kann sich das Radon aber auch überundichte Geschossdecken, Kabelkanäle und Treppen in die oberen Räume des Hauses ausbreiten.

Dem Umweltministerium zufolge sind die Regionen in Deutschland mit der höchsten Belastung des Bodens der Schwarzwald, Teile der Eifel, der Bayerische Wald, das Fichtelgebirge, der Harz, der Thüringer Wald und das Erzgebirge. Bei einem Haus- oder Wohnungskauf etc. sollte dies stets präsent sein. Wie wahrscheinlich das Auftreten erhöhter Radonkonzentrationen ist, hängt unter anderem vom Baualter und –zustand des Gebäudes ab. Aber auch Baustoffe können Radon-belastet sein.

Die Radonkonzentration wird in Becquerel pro Kubikmeter angegeben. Bei Messwerten von unter 100 Bq/m³ empfiehlt die Strahlenschutzkommission keine baulichen Maßnahmen am Gebäude. Bei höheren Werten werden jedoch Maßnahmen empfohlen. Der Strahlenschutzkommission  spricht von einer statistischen Signifikanz des zusätzlichen Lungenrisikos bei einer Konzentration von 150 Bq/m³. Aber es gibt „keinen Hinweis für einen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon nicht mehr gesundheitsschädlich wirkt“, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz. Zudem verstärke Rauchen die Wirkung des Radons – Raucher haben ein besonders hohes Lungenkrebsrisiko durch Radon. „Beim Thema Radon zeigt sich, wie Wahrnehmung und wissenschaftliche Erkenntnis eines Problems auseinanderfallen können.“

Radon wird über die Atemluft aufgenommen. Größtenteils geht die gesundheitliche Gefährdung dann von den Zerfallsprodukten des Radons aus: Radioaktive Schwermetalle wie Wismut und Polonium binden sich an Aerosole (Schwebeteilchen in der Luft) und werden beim Einatmen in den Atemwegen abgelagert, wo sie zerfallen. Dabei entsteht Alphastrahlung, die die Zellen der Lunge schädigen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass auch nach 2022, wenn das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet ist, die Sicherheitskultur insgesamt nicht vernachlässigt wird.“ Mit dem Ausstieg allein sind die Sicherheitsfragen der Atomenergie nicht gelöst, so König.

Abgesehen von baulichen Maßnahmen kann schon durch wenige Schritte die Radonkonzentration verringert werden. Häufiges, intensives Lüften und die Abdichtung von Kellertüren und anderen möglichen Eintrittsstellen können eine erste Besserung schaffen. Unterdruck im Haus sollte hingegen vermieden werden.

Dass die Radonbelastung noch keinesfalls ein Thema ist, das in den hinteren Schubladen verstaut werden kann, zeigt auch die EU. Anfang Dezember 2013 hat der EU-Rat eine neue Richtlinie zur Erneuerung des europäischen Strahlenschutzrechts gebilligt. Diese soll innerhalb der nächsten vier Jahre in nationales Recht umgesetzt werden. Demnach zählen zu den wesentlichen Neuerungen der Richtlinie: „Maßnahmen zum Schutz vor dem natürlich vorkommenden radioaktiven Edelgas Radon, das an Arbeitsplätzen und in Wohngebäuden auftreten und Lungenkrebs verursachen kann.“

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