Studie

Kinder an Autobahnen haben ein erhöhtes Krebsrisiko

Bei Kindern bis zu einem Alter von vier Jahren kann die Luftverschmutzung durch Autos erhebliche Auswirkungen haben. Kinder, die weniger als 100 Meter von einer Autobahn entfernt wohnen, unterliegen einem mehr als 50 Prozent höherem Risiko, an Krebs zu erkranken.

Kinder sollten auf keinen Fall in einem Abstand von weniger als 100 Metern zur Autobahn wohnen. (Foto: Flickr/ jo.sau/CC by 2.0)

Kinder sollten auf keinen Fall in einem Abstand von weniger als 100 Metern zur Autobahn wohnen. (Foto: Flickr/ jo.sau/CC by 2.0)

Nicht selten stehen Häuser sehr nah an Autobahnen. Meist trennt nur ein Zaun die Straßen von einem Wohngebiet. Der Zaun mag zwar den Lärm verringern, vor gesundheitlichen Risiken aber schützt er nicht. Schweizer Wissenschaftler vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern haben nun einen Zusammenhang zwischen dem Wohnort und einem erhöhten Krebsrisiko bei Kindern festgestellt.

Kinder, die verhältnismäßig nah an Autobahnen wohnen, haben ein deutlich höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Die aktuelle Studie erhärtet die Vermutung, dass Abgase für Kinder das Leukämierisiko erhöhen. „Zwar ist die mittlere Schadstoffbelastung durch den Verkehr in der Schweiz seit den 90er Jahren dank strengeren Vorschriften zurückgegangen – es gibt aber große räumliche Unterschiede“, betont der Präventivmediziner Ben Spycher. In unmittelbarer Nähe von viel befahrenen Straßen wie Autobahnen seien die Schadstoffkonzentrationen in der Luft immer noch stark erhöht. „Mehrere Studien aus anderen Ländern fanden ebenfalls Hinweise für ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern, die nahe an stark befahrenen Straßen aufwuchsen“, so Claudia Kuehni, Kinderärztin und Leiterin des Schweizer Kinderkrebsregisters.

Für die Studie schauten sich die Wissenschaftler an, in welchem Abstand die Kinder von den Autobahnen wohnten. Sie unterteilten die Wohnorte der Kinder während der Volkszählung in 100 bis 250 Meter, 250 bis 500 Meter und alles über 500 Meter zur nächsten Autobahn bzw. -straße. Gleichzeitig untersuchten sie die bis 2008 gemeldeten Krebserkrankungen aus dem Kinderkrebsregister. Hier wurde nun die Leukämiehäufigkeit in den verschiedenen Distanzgruppen verglichen. In einer zweiten Herangehensweise „wurde aufgrund der Volkzählungsdaten abgeschätzt, wie viele Personenjahre insgesamt von allen in der Schweiz wohnhaften Kindern in den verschiedenen Distanzgruppen zwischen 1985 und 2008 durchlebt wurden – für jedes gelebte Kalenderjahr trägt ein Kind ein Personenjahr bei“. Und auch hier wurde die Inzidenzrate (Leukämiefälle pro Personenjahre) zwischen den Distanzgruppen verglichen.

Die Untersuchungen ergaben, dass bei Kindern, die weniger als 100 Meter von einer Autobahn entfernt wohnten, ein um 47 Prozent (1. Methode) erhöhtes Leukämierisiko auftrat als im Vergleich zu Kindern, die mehr als 500 Meter von einer Autobahn entfernt aufgewachsen waren. Bei der zweiten Berechnungsmethode lag das Risiko sogar um 57 Prozent höher.

„Zwar erkrankten in dieser Distanzkategorie im Beobachtungszeitraum ,nur’ 30 Kinder an Leukämien“, sagt Claudia Kuehni. „Bezogen auf die Personenjahre entspricht dies jedoch einer Leukämierate von 7,2 Fällen pro 100.000 Personenjahre im Vergleich zu 4,5 Fällen pro 100.000 Personenjahren bei Kindern, die weiter als 500 Meter von einer Autobahn oder Autostraße entfernt lebten.“ Dieser Unterschied sei trotz der tiefen Fallzahlen statistisch signifikant.

Allerdings beschränke sich die Risikoerhöhung auf Kinder im Alter zwischen 0 und 4 Jahren. Auch auf andere Krebsarten wie Lymphone und Hirntumore ließen sich die Ergebnisse nicht übertragen. Dass nur bei Leukämien ein erhöhtes Risiko gefunden wurde, könnte den Autoren zufolge auf Benzol als mögliche Ursache hinweisen. So sei bekannt, dass eine hohe Benzolbelastung am Arbeitsplatz bei Erwachsenen Leukämien auslösen kann. Andere Ursachen wie Hochspannungsleitungen, sozio-ökonomische Faktoren oder ionisierende Hintergrundstrahlung aus dem Weltall bzw. dem Erdgestein waren nicht nachweisbar.

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