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Pharmabranche will Zahlungen an Ärzte veröffentlichen

Im Zuge der Antikorruptions-Regelungen gehen die Pharmafirmen nun in die Offensive. Sie wollen im kommenden Jahr die Zahlungen ihrerseits an Ärzte offenlegen. Je nachdem, um welche Art der Zahlung es sich handelt müssen die Ärzte vor Veröffentlichung nicht vorher zustimmen.

Gerade bei Studien arbeiten Ärzte zusammen mit Pharmaunternehmen. Dem Verband forschender Arzneimittelhersteller zufolge sei das unerlässlich und eine Entschädigung für Kosten sei nur gerecht. (Foto: vfa)

Gerade bei Studien arbeiten Ärzte zusammen mit Pharmaunternehmen. Dem Verband forschender Arzneimittelhersteller zufolge sei das unerlässlich und eine Entschädigung für Kosten sei nur gerecht. (Foto: vfa)

Für die Ärzte in Europa kann es im kommenden Jahr unangenehm werden. Die Verflechtungen zwischen der Pharmabranche und den Ärzten sind groß: Ganz gleich, ob es um kostenlose Medikament für Arztpraxen, Einladungen zu Konferenzen und Fortbildungen oder Zuschüsse für Forschungsprojekte geht. Im Zuge der Antikorruptions-Regelungen sollen diese Verbindungen nun verringert und zumindest auch transparenter werden. Auf beiden Seiten der Gesundheitsbranche war diese Entwicklung nicht gänzlich positiv aufgenommen worden.

Doch nun macht immerhin der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) einen ersten Schritt. „Bis zum 30. Juni 2016 werden alle unsere Mitgliedsunternehmen die Zahlungen auf ihrer Internetseite offenlegen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des vfa, Birgit Fischer, zu Beginn der Woche in Berlin. Davon werden sowohl Ärzte als auch Apotheker, medizinische und wissenschaftliche Institutionen und andere Gesundheitsberufe betroffen sein. Der vfa repräsentiert nach eigenen Angaben 75 Prozent des deutschen Pharmamarktes.

Holger Diener von der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) machte deutlich, dass direkte und indirekte geldwerte Zuwendungen offengelegt würden. Gemeint sind damit alle Zuwendungen von der Fortbildung bis hin zum Kugelschreiber. Dies dürfte de, vfa zufolge keine Schwierigkeiten bedeuten.“ Geschenke haben sich für unsere Firma erledigt“, sagt Fischer. „Seit Jahren schon schenken sie Ärzten höchstens noch einen Block oder Kugelschreiber; teurere Dinge sind untersagt.“ Aber jetzt seien jegliche Geschenke abgeschafft. „Honorare werden nur gezahlt, wenn einem Arzt in der Zusammenarbeit Aufwand und Kosten entstanden sind“, so Fischer. Diese entsprechen dem, was der Arzt auch von Krankenkassen fürs Behandeln bekommt. „Und Pharma-Unternehmen veranstalten Fortbildungen für Ärzte, um diese umfassend über die Produkte zu informieren.“ Dadurch solle sichergestellt werden, dass die Medikamente bei den Patienten eingesetzt werden, für die sie sich eignen, und in einer geeigneten Weise.

Nichtsdestotrotz müssen die betroffenen Ärzte vorher zustimmen, wenn Pharmafirmen diese namentlich bei Zuwendungen und Spenden nennen wollen. Gibt der Arzt keine Zustimmung sollen die Beträge summiert und nur die Summe veröffentlicht werden, ohne konkrete, detaillierte Auflistung. Zahlungen aus dem Bereich der Entwicklung und Forschung dürfen generell nur als Summe veröffentlicht werden. Letzteres sei wichtig, um bei neuen Entwicklungen nicht das Interesse der Konkurrenz zu wecken.

Bei den Ärzten dürfte die Initiative des Verbandes nicht so gut aufgenommen werden. Bereits im Sommer waren 42 Prozent der Ärzte der Meinung, dass das Verbieten von kleinsten Gegenständen der falsche Ansatz seihttp://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2015/06/18/aerzte-wollen-namen-fuer-antikorruptionsgesetz-nicht-preisgeben/. Ärzte seien mit Kugelschreibern und Notizblöcken nicht zu bestechen. Bestechlichkeit kann für niedergelassene Ärzte in Zukunft mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Bislang ist das nicht möglich. Das Gesetz betrifft jedoch nicht nur Ärzte. Auch gegen korrupte Apotheker, Krankenkassen und andere Leistungserbringer können künftig Haftstrafen verhängt werden. Hintergrund sind die umstrittenen Geschäftspraktiken, mit denen Pharmafirmen versuchen, ihre Produkte an die Ärzte und Apotheker zu bringen. Sie bezahlen Mediziner für die Verschreibung eines bestimmten Medikaments oder bieten ihnen wertvolle Sachleistungen an, auch als Kick-Back-Geschäft bekannt. Die pharmazeutische Industrie will sich gegen das allgegenwärtige Misstrauen und den Verdacht der Korruption wehren und stimmt der Initiative zu.

„Heute will die Öffentlichkeit nachvollziehen können, wie Ärzte und Unternehmen zusammenarbeiten“, so Fischer. „Versteht sie es nicht, wird sie misstrauisch, spekuliert, und zwar manchmal auch über Korruption, wo gar keine ist.“ Daraus hätten forschende Pharma-Unternehmen ihre Konsequenzen gezogen.

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