Wirtschaft

Krankenhäuser leiden unter Investitionsnotstand

Während die Ausgaben der Krankenhäuser jedes Jahr steigen, nehmen die Investitionen ab. Mittlerweile ist in vielen Krankenhäusern Investitionsstau entstanden. Eine neue Studie spricht sogar von einem regelrechten Investitionsnotstand.

Entwicklung der KHG-Fördermittel 2000-2014 (in Mrd. Euro) (Grafik: BDO)

Entwicklung der KHG-Fördermittel 2000-2014 (in Mrd. Euro) (Grafik: BDO)

Die finanzielle Situation in deutschen Krankenhäusern verschlechtert sich stetig. Lediglich ein Viertel der Kliniken ist derzeit noch in der Lage, Investitionen für Heilung, Fürsorge und Vorsorge der Patienten zu tätigen. Während sich die Kosten der Kliniken erhöhen, sinken die staatlichen Gelder. Die Personalkosten sind im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent gestiegen und machen damit mehr als die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 93,7 Milliarden Euro aus. Neben den Sachkosten kamen zudem Aufwendungen für den Ausbildungsfonds und die Ausbildungsstätten sowie Steuern hinzu. Die Zahl der Patienten steigt und auch der einzelne Krankenhausaufenthalt wird immer teurer.

Die wesentliche Ursache für die Investitionsnot ist, „dass die Bundesländer aus den unterschiedlichsten Gründen ihrer Verpflichtung immer weniger nachkommen, eine ausreichende Finanzierung der Krankenhäuser sicherzustellen“, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Aus diesem Grund würden zwischen 30 und 40 Prozent der deutschen Kliniken seit mehr als zehn Jahren in den roten Zahlen stehen.

Demnach sind die staatlichen Förderungen in den vergangenen 15 Jahren um real 25 Prozent gesunken. Zwar versucht beispielsweise Berlin nun, mit so genannten Investitionspauschalen und einem Sonderzuschuss die städtischen Krankenhäuser besser aufzustellen, aber der Effekt droht zu verpuffen. Denn eine Analyse der Senatsgesundheitsverwaltung und der BKG aus dem Jahr 2011 hatte gezeigt, dass deutlich über 200 Millionen Euro pro Jahr benötigt würden.

Deutschlandweit werde der Investitionsbedarf der Krankenhäuser in den nächsten fünf Jahren sogar auf sieben Milliarden Euro jährlich steigen, so die Studie. Damit liegt die aktuelle Studie sogar noch über den Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Diese hatte im Juni darauf verwiesen, dass den Krankenhäusern jährlich 5,3 Milliarden Euro an Investitionen fehlen würden. Der DKG zufolge liegt der Investitionsstau in deutschen Kliniken bei 12 Milliarden Euro. 36 Prozent aller Krankenhäuser seien nicht investitionsfähig. Bei den kommunalen Krankenhäusern liegt die Quote sogar bei 62 Prozent.

„In der Konsequenz führt das zu Überalterung und Substanzverlusten bei der baulich-technischen Infrastruktur und damit zu einer möglichen Verschlechterung der Patientenversorgung“, sagt Andreas Weigand, Vorstand des DKI. „Ohne innovative und unkonventionelle Lösungen unter Mitwirkung aller Beteiligten wird sich die Lage zulasten der Bevölkerung weiter verschärfen.“

Die Verluste und Investitionsrückstände haben bereits zu einer Veränderung der Krankenhauswelt in Deutschland geführt. Trotz der steigenden Patientenzahl ist die Zahl der Krankenhäuser weiter rückläufig. Waren es 2013 noch 1.996 Krankenhäuser, lag die Zahl 2014 nur noch bei 1.980. 14 Prozent aller öffentlichen Kliniken sind insolvenzgefährdet. Bei den privaten Häusern sind es nur fünf Prozent. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert.

Umso interessanter, dass das in der vergangenen Woche im Bundestag verabschiedete Krankenhaus-Strukturgesetz (KHSG) auf den bedrohlichen Investitionsnotstand nicht eingeht. „Damit wird, wie schon bei vielen Krankenhausreformen zuvor, ein für die Zukunft deutscher Krankenhäuser essentielles Thema ausgeblendet“, so das Deutsche Krankenhausinstitut. „Herunter gebrochen auf das einzelne Krankenhaus liegt der durchschnittliche Investitionsbedarf je Krankenhaus bei 4,4 Mio. € pro Jahr des Prognosezeitraums (2016-2020)“, so die Studie.

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