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Studie: Legionellen lieben Wärme

Die Theorie, dass Hitze bakterielle Krankheitserreger wie Legionellen durch Temperaturen in Höhe von 50 Grad kaputt gehen, ist falsch. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung haben nachgewiesen, dass sich die Bakterien bei diesen Temperaturen sogar noch schneller vermehren.

Epifluoreszenzmikroskopische Aufnahme von einem Biofilm von Legionella pneumophila (grün, Immunfluoreszenzfärbung) mit anderen Wasserbakterien (blau). (Foto: HZI/AG Höfle/Elisa Andreozzi)

Epifluoreszenzmikroskopische Aufnahme von einem Biofilm von Legionella pneumophila (grün, Immunfluoreszenzfärbung) mit anderen Wasserbakterien (blau). (Foto: HZI/AG Höfle/Elisa Andreozzi)

Die Legionärskrankheit ist keine Krankheit vergangener Zeiten oder osteuropäischer Länder. Auch in Deutschland kann sie auftreten. Legionellen sind gefährlich – werden sie nicht rechtzeitig erkannt, kann eine Infektion tödlich enden. In Europa verursachen Legionellen Schätzungen zufolge 100.000 Fälle von schweren Lungenentzündungen. Gerade warmes Wasser muss deshalb regelmäßig auf Legionellen untersucht werden.

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung haben nun herausgefunden, dass sich der bakterielle Krankheitserreger Legionella pneumophila bei Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad besonders gut vermehrt. Zwar lasse sich dadurch eine „zusätzliche Gefährdung“ für den Menschen zum gegenwärtigen Erkenntnisstand nicht ableiten. Aber weiterführende Studien sollten Konsequenzen für das Management der Warmwassersysteme untersuchen, so die Wissenschaftler.

„Die sogenannte Legionellose, deren schwerste Form man auch als „Legionärskrankheit“ bezeichnet, tritt oft gehäuft in Form von Ausbrüchen auf, die viele Menschen erfassen“, so die Wissenschaftler. Obwohl Legionella pneumophila, der wichtigste Krankheitserreger unter den Legionellen, seit 1976 bekannt sei und intensiv studiert werde, würden sich bis heute Ausbrüche von Legionellosen nicht effizient verhindern lassen.

„Die Keime vermehren sich in erster Linie in Warm- und Heißwassersystemen und gelangen über Wassertröpfchen in die Lunge der Menschen.“ Vor allem Kühltürme, Klimaanlagen, aber auch Duschen seien Infektionsquellen. Aus diesem Grund werden beispielsweise ein Deutschland alle relevanten Heißwassersysteme regelmäßig auf Legionellen hin untersucht.

„Um der Gefährdung durch Legionellen langfristig wirksam zu begegnen, ist ein fundiertes und detailliertes Verständnis der Ökologie dieser Bakterien in unseren Warmwassersystemen erforderlich“, sagt Manfred Höfle, Leiter der Arbeitsgruppe „Mikrobielle Diagnostik“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Für die Untersuchung hatten die Wissenschaftler um Höfle Legionellen-Populationen im Trinkwasser von Stauseen über Wasserspeicher und Leitungen bis hin zum Wasserhahn untersucht.

„Es zeigte sich, dass die Legionellenzahlen bei 50 bis 60 °C zunehmen und dass insbesondere von einem Wachstum von Legionella pneumophila in diesem Temperaturbereich auszugehen ist“, sagt Ingrid Brettar. Das sei ein überraschendes Ergebnis. Schließlich war in allen bislang vorliegenden Untersuchungen von einem Legionellen-Wachstum bis zu 42 °C, maximal bis 45 °C die Rede.

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