Wirtschaft

Google steigt in Herz-Forschung ein

Alphabet alias Google kann es nicht lassen, wieder einmal investiert das riesige US-Unternehmen Millionen Dollar in vermeintlich nicht zum Kerngeschäft gehörende Projekt. Diesmal geht es ums Herz, genauer um den Plaque, der die Arterien verstopft.

Jedes Jahr sterben allein in den USA hunderttausende Menschen an Herzerkrankungen. (Foto: Flickr/speedoglyn1/CC publicdomain/mark/1.0)

Jedes Jahr sterben allein in den USA hunderttausende Menschen an Herzerkrankungen. (Foto: Flickr/speedoglyn1/CC publicdomain/mark/1.0)

„Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen“ – so sieht es Google. Die Investitionen in Medizin und Automobil scheinen für den US-amerikanischen Großkonzern selbstverständlich dazuzugehören. Zumindest investiert das Unternehmen seit ein paar Jahren vermehrt in diese Branchen. Nun widmet sich Google einem lebenswichtigen Organ: dem Herzen.

Unter dem Motto „1 Team, 1 Vision, $ 50,000,000“ hat Google zusammen mit der American Heart Association (AHA) ein neues Projekt gegründet. Jeweils 25 Millionen wollen beide Partner für die Forschung rund um koronale Herzerkrankungen investieren. „Wir wollen die Herzforschung wirklich verändern“, sagte Nancy Brown von der AHA. Jeder dritte Todesfall in den USA geht auf Plaque zurück, die Ablagerung fettiger, wachsartiger Substanzen an den Innenwänden der Arterien, die die Blutgefäße verstopfen. Eine blockierte Koronararterie kann zu einem Herzinfarkt führen. Auch in Europa ist die koronare Herzkrankheit eine der häufigsten Todesursachen bei Männern und Frauen.

Google betritt mit dem Herz-Projekt kein komplettes Neuland. Das Unternehmen hat bereits in Forschungen zu Diabetes, Krebs und zum Alterungsprozess investiert. Allerdings ist die Investitionssumme sehr hoch. „Es gibt keinen Präzedenzfall dafür“, sagte Joseph Loscalzo, Kardiologe in Boston.

Zuletzt kam aus Googles buntem Kleiderschrank Otis, eine Kontaktlinse für Diabetiker. Diese soll den Blutzuckergehalt über die Tränenflüssigkeit messen. In diesem Sommer stieg sogar der Pharmakonzern Novartis in das Projekt mit ein. Und mit GoogleFit hat Google gemeinsam mit der DNA-Test-Firma 23andMe bereits eine Datenbank von 850.000 DNA-Proben gesammelt. Diese haben Nutzer freiwillig abgegeben und dazu noch je 99 Dollar für die Auswertung gezahlt. Zwei der größten Pharmafirmen, Roche und Pfizer, haben bereits Deals mit 23anME abgeschlossen, um diese DNA-Daten für ihre Forschung nutzen zu können. Doch Google will langfristig nicht nur zuliefern, sondern eigene Medizin entwickeln.

Im September holte sich Google den früheren Direktor des US National Institute of Mental Health, Thomas Insel, um ein anderes Projekt zu leiten. Zurzeit wird hier an neuen Wegen zur Diagnose von Krebs gearbeitet. Google ist aber nicht das einzige Technologieunternehmen, das den medizinischen Markt erobert. Apple versucht, ähnliche Wege zu gehen. Das ResearchKit, zunächst eine App-Entwickler-Plattform, gibt Apple-Nutzern neuerdings die Möglichkeit, ihre Daten aus Gesundheits-Apps direkt für medizinische Forschungen zur Verfügung zu stellen – und lockt damit die großen Forschungsinstitute als Entwickler solcher Studien-Apps an. Noch ist die Plattform kostenlos.

„ResearchKit gibt der Gemeinschaft der Wissenschaftler Zugang zu einer vielschichtigen Bevölkerung auf der ganzen Welt und bietet mehr Möglichkeiten, Daten zu erheben, als jemals zuvor“, so Apple. Dies mache das iPhone zu einem mächtigen Werkzeug für die medizinische Forschung.

Weltweit führende Forschungsinstitute haben dieses Instrument dankend angenommen und zur Markteinführung bereits Apps mit dem Forschungs-Kit entwickelt, um Studien über Asthma, Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Parkinson durchzuführen. Doch Apples Ziel sei es letztlich, durch die Hilfe bei der Erforschung von neuen Medikamenten später auch an den Einnahmen beteiligt zu werden, so ein Bericht der Financial Times.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *