Forschung

Krebs-Impfung: Virus soll Tumore zerstören

Innsbrucker Forscher arbeiten an einem speziellen Virus, der Krebszellen und Tumore zerstören soll. Verabreicht werden soll der Virus zukünftig als Impfung. Millionen Investitionen von Bund und Investoren soll der Biotech-Firma dafür die nötigen Mittel zur Verfügung stellen.

Das Forschungsteam von ViraTherapeutics (Foto: Copyright: ViraTherapeutics)

Das Forschungsteam von ViraTherapeutics (Foto: Copyright: ViraTherapeutics)

Das Biotechnologie-Unternehmen ViaTherapeutics hat sich dem Kampf gegen Krebs mit Viren verschrieben. 2013 als Spin-off der Medizinischen Universität Innsbruck von Dorothee Holm-von Laer und Ludwig Weiss vom Tiroler Gründungszentrum CAST gegründet, eröffnete das Unternehmen nun sein Labor in der Innsbrucker Exlgasse. Ziel ist es, eine „weltweit neue Behandlung von Tumoren auf Basis krebstötender (onkolytischer) Viren“ zu entwickeln.

Das Virus VSV-GP ist eine Kombination zweier für den Menschen als harmlos geltender Viren. Dabei wurde das Hülleiweiß des Vesikulären Stomatitisvirus (VSV) dazugegeben, das Glykoprotein (GP) des Lymphozytären Choriomeningitisvirus (LCMV) ausgetauscht. „Diese Hülle fungiert wie eine Tarnkappe. Sie schützt VSV-GP teilweise vor der Erkennung durch das Immunsystem. Auch bei wiederholter Gabe kann dieses onkolytische Virus daher Krebszellen zerstören“, erklärt Lisa Egerer, die Leiterin des neuen Labors. Verabreicht werden soll das Virus dann als Impfung:

„Am molekularbiologischen Reißbrett dazu entworfene onkolytische Viren – wie das Innsbrucker VSV-GP – können Tumore auf dreifache Art und Weise angreifen. Sie vermehren sich ausschließlich in Krebszellen und lösen diese dadurch auf (Lyse). Tumorantigene werden dabei freigesetzt. Diese Bausteine zerstörter Krebszellen regen das Immunsystem dazu an, Tumore im gesamten Körper gezielt zu attackieren. Lokale Entzündungen treten dabei auf. Diese Reaktionen zerstören weiters die Mikroumgebung von Tumoren. Das ist jenes Milieu, das sich Krebszellen für ihr ungebremstes Wachsen und Voranschreiten schaffen. Durch alle diese Wirkungen kann die Virotherapie zu einem Umbruch in der Onkologie beitragen. Der Grund: Bisher eingesetzte Standardtherapien gegen fortgeschrittenen Krebs sind in ihrem Erfolg häufig begrenzt.“

Momentan führt das Biotech-Unternehmen die für eine Zulassung notwendigen Untersuchungen und Studien durch. Erst dann könne eine kleine ausgewählte Gruppe von Krebspatienten das Virus verabreicht bekommen. Im Mausmodell wirke das Virus gegen sämtliche bisher getesteten bösartigen Geschwülste: von Hirntumoren über Haut-, Lungen-, Eierstock- sowie Prostatakrebs.

„Unser Therapieansatz gilt deshalb als hochinnovativ und weltweit als Novum, da die tumorzerstörende Immunimpfung laut den bisherigen Ergebnissen im Zellkultur- sowie Mausmodell sehr spezifisch und auch bei wiederholter Gabe wirkt“, sagte Dorothee Holm-von Laer.

Notwendige Investoren und Unterstützer hat das Unternehmen bereits gefunden. Mitte des Jahres gelang es, ein Venture-Capital in Höhe von 3,6 Millionen Euro an Land zu ziehen. Dazu gehören die Boehringer Ingelheim Venture Fund GmbH, der EMBL Ventures GmbH sowie der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws). Die Heidelberger EMBL Ventures GmbH ist ebenfalls Investor. „ViraTherapeutics demonstriert die hohe Qualität und das große Potential der heimischen Forschungseinrichtungen im Biotech-Bereich“, so Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws).

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  1. Und wieder müssen Jahre vergehen bis Patienten in den Genuss dieser innovativen Heilmethoden kommen.

    Mann darf mit Sicherheit sterben als durch Zufall bei einem individuellen Heilversuch geheilt zu werden!!!!!!