Wissenschaft

Urintest beschleunigt Hepatitis C-Diagnose

Weltweit sind die Infektionen mit Hepatitis C auf dem Vormarsch. Meist wird die Erkrankung nicht erkannt. Doch hunderttausende Menschen sterben jährlich an den Folgen einer durch Hepatitis C ausgelösten Lebererkrankung. Ein neues Testverfahren soll die Diagnose nun beschleunigen.

Übermittelte Hepatitis-C-Erstdiagnosen, Deutschland, 2001 bis 2014 (Grafik: rki)

Übermittelte Hepatitis-C-Erstdiagnosen, Deutschland, 2001 bis 2014 (Grafik: rki)

Eine Infektion mit Hepatitis C ist keine Kleinigkeit. Vielmehr sind oft Leberzirrhose und Leberkarzinom eine Folge der Ansteckung. Und trotz guter Therapien sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr zwischen 350.000 und 500.000 Menschen an den Folgen einer Infektion. 1988 erstmals identifiziert, ist Hepatitis C auch heute noch nicht schnell und einfach festzustellen. „In etwa 75 % verläuft eine Infektion mit HCV unbemerkt oder mit unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen“, so das Robert Koch Institut:

„Etwa 25 % der Infizierten entwickeln eine akute (häufig milde) Hepatitis mit meist nur mäßig erhöhten Transaminasenwerten. Fulminante Verläufe sind sehr selten. Bis zu 85 % der Infektionen gehen in chronische Formen über, die klinisch häufig uncharakteristisch und mild verlaufen.“

Die bisherigen Testverfahren sind sehr aufwendig: Eine Blutprobe muss in einem zweistelligen Labor analysiert werden. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und kostet einiges. In den USA etwa kostet die zweite Stufe des Analyseverfahrens über 200 Dollar. Ein Forscherteam der University of California will das nun ändern. Dafür hat es einen Urintest entwickelt, der schneller und kostengünstiger sein soll.

Der Urintest mache es möglich, dass bei der Diagnose nur noch eine einstufige Analyse notwendig sei. Bisher wurde in einem ersten Verfahren zunächst nach Hepatitis-C-Antikörpern gesucht und in einem zweiten Verfahren geschaut, ob diese überhaupt noch aktiv sind. „Die Suche nach einer bequemen, einfach zu bedienenden und kostengünstigen Diagnoseform ist zwingend notwendig, weil Hepatitis C deutlich unterdiagnostiziert ist“, sagte Ke-Qin Hu, der Leiter des Forschungsteams.

Zumal viele Entwicklungsländer gar nicht dafür ausgerüstet sind, den zweiten Teil des Analyseverfahrens beim Bluttest durchzuführen. Der Urintest solle die Kosten, das Personal und die Zeit verringern, so Ke-Qin HU. Das könnte dem Test weltweit zum Durchbruch verhelfen. Auch sind Lagerung und Transport der Urinproben deutlich einfacher.

Nach Angaben des US- Centers for Disease Control and Prevention sind derzeit fast 150 Millionen Menschen weltweit mit Hepatitis C infiziert. 3,2 Millionen sind es in den USA, 15 Millionen in Europa. Die chronische Hepatitis C sei heutzutage der häufigste Grund für eine Lebertransplantation, so das Robert Koch Institut. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 5.817 Fälle von erstdiagnostizierter Hepatitis C übermittelt. Das entspricht einer bundesweiten Inzidenz von 7,2 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner.

Zwischen 2004 und 2012 war die Zahl der neu diagnostizierten Hepatitis-C-Fälle gesunken, seit 2013 steigt sie wieder. Intravenöser Drogenmissbrauch, der Erhalt von infizierten Blutproben, Geschlechtsverkehr und Dialyse zählen zu den häufigsten Übertragungswegen in Deutschland. Zwar empfiehlt die WHO regelmäßige Screenings für Gruppen mit erhöhtem Risiko einer Hepatitis-Infektion, diese sind aber dem Robert Koch Institut zufolge nicht verpflichtend und werden weder allgemein von den Krankenkassen erstattet noch umfassend umgesetzt.
„Diejenigen, die sich mit Hepatitis C infiziert haben, können geheilt werden, bevor Leberschäden oder andere Komplikationen auftreten, aber nur, wenn die Infektion diagnostiziert wird“, so Hu.

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