Lebensmittel

Keime und Bakterien bei Käse aus dem Internet

Der Lebensmittelhandel im Internet nimmt langsam Fahrt auf. Vor allem, wenn es um bestimmte regionale Produkte geht, wird gern auf das Internet zurückgegriffen. Ein Test von Rohmilchkäse aus dem Internet zeigt jedoch, das höchste Vorsicht geboten ist. Viele kamen nicht ausreichend gekühlt an. Einige wiesen sogar Keime auf.

Mikrobiologische Untersuchungen gaben Aufschluss über Keimarten und deren Zahl auf den online gekauften Käseprodukten. (Foto: Frauke Lejeune/Vetmeduni Vienna)

Mikrobiologische Untersuchungen gaben Aufschluss über Keimarten und deren Zahl auf den online gekauften Käseprodukten. (Foto: Frauke Lejeune/Vetmeduni Vienna)

Münsterkäse, Gruyère und Brie de Meaux – Namen, die die Herzen von Käseliebhabern höher schlagen lassen. Immer öfter werden diese auch im Internet bestellt. Doch hier ist höchste Vorsicht angebracht. Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmundi) hat 108 verschiedene Rohmilchkäse aus dem Internet untersucht. Lediglich 19 der Käse erfüllten alle Kriterien hinsichtlich Keimbelastung, Versandbedingungen und Lebensmittelkennzeichnung.

Die Untersuchung zeigte, dass beispielsweise mehr als die Hälfte der Käse nicht ausreichend gekühlt war. Da der Rohmilchkäse aber eben nicht aus pasteurisierter Milch hergestellt wird, birgt er ein deutlich höheres Risiko einer möglichen Kontamination mit Bakterien. „Wir haben den Rohmilchkäse gewählt, weil es sich dabei um ein Hochrisikoprodukt handelt“, sagt Dagmar Schoder vom Institut für Milchhygiene an der Vetmeduni. Käse von 21 Internetläden aus sieben europäischen Ländern haben die Wissenschaftler untersuch: Frankreich, Italien, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Spanien und Belgien.

„Schon wenige Bakterien, die dann auf dem Käse ideale Wachstumsbedingungen vorfinden, können nach längerer Reifung, Lagerung und Transport auf eine kritische Menge anwachsen“, so Schoder weiter. Das Produkt sei dann nicht mehr genießbar und potenziell krankmachend. Deshalb müsse bei der Herstellung, der Lagerung und beim Versand mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden.

Doch nur bei der ungenügenden Kühlung ist es bei den getesteten Käsen nicht geblieben. In zwei Käseprodukten, aus Frankreich und den Niederlanden, fand sich der Keim „Listeria monocytogenes“. „Eine Infektion mit dem Keim kann vor allem für immunschwache und Schwangere gefährlich werden.“ Sie kann im Extremfall sogar tödlich verlaufen. Doch dem nicht genug fanden die Wissenschaftler außerdem in 32 Käseprodukten den Fäkalkeim Escherichia coli. Dies sei auf mangelnde Hygiene zurückzuführen.

Wenn auch nicht so rasant wie im Elektronikbereich, so legt doch der Onlinehandel mittlerweile auch im Lebensmittelbereich zu, wie eine Studie der GfK deutlich macht. „Obwohl der Online-Anteil mit 1,2 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau liegt, ist die Bedeutung des Online-Handels mit 2,6 Milliarden Euro Umsatz in 2014 nicht zu vernachlässigen.“ Die GfK geht davon aus, dass der Bereich Lebensmittel & Drogerie den größten Anteilszuwachs bis zum Jahr 2025 haben wird. Das Sortiment dürfte demnach seinen Anteil am Online-Handelsvolumen von derzeit 8 auf 16 Prozent verdoppeln.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *