Wissenschaft

Tauben diagnostizieren Brustkrebs

Mit einer Genauigkeit von 99 Prozent sind Tauben in der Lage, gesunde und kranke Krebszellen im Brustgewebe zu erkennen. Damit reihen sich die Tauben in die Reihe der Hunde und Fruchtfliegen als Krebsdetektor ein.

MIt etwas Training sind die Tauben im Erkennen von Brustkrebs besser als Menschen. (Foto: Flickr/(ノ◕ヮ◕)ノ*:・゚✧/CC by sa 2.0)

MIt etwas Training sind die Tauben im Erkennen von Brustkrebs besser als Menschen. (Foto: Flickr/(ノ◕ヮ◕)ノ*:・゚✧/CC by sa 2.0)

Tauben erfreuen sich in der Gesellschaft eigentlich nicht allzu großer Beliebtheit. Eine nun entdeckte Fähigkeit der Tauben könnte die als „Ratten der Luft“ verachteten Vögel nun aber rehabilitieren. Wie eine neue Studie zeigt, sind Tauben in der Lage, von Brustkrebs befallenes Gewebe zu erkennen. Und das mit einer Trefferquote von immerhin 99 Prozent.

In drei verschiedenen Tests wurden Tauben insgesamt 144 Bilder von Brustgeweben gezeigt. Oft unterschieden sie sich in farbig oder Schwarz-Weiß und auch in den Vergrößerungsstufen. Je nachdem, ob das Brustgewebe gesund oder vom Krebs befallen war, sollten die Tauben auf einen gelben oder einen blauen Knopf drücken. Tippten sie richtig, wurden sie mit Nahrung belohnt. Lagen sie bei einem Bild falsch, wurde ihnen das Bild so oft gezeigt, bis sie es richtig beurteilten.

„Mit etwas Training und mehr Nahrung sind Tauben genauso gut wie Menschen in der Kategorisierung von digitalen Dias und Mammographie-Aufnahmen gutartiger oder bösartiger Brustgewebe“, sagte Richard Levenson, der Leiter der Studie im Auftrag des Davis Medical Center der University of California, der britischen Tageszeitung The Guardian.

Bereits nach 15 Tagen Übung war die Trefferquote der Tauben zwischen 50 und 85 Prozent gestiegen. Kombinierten die Forscher die Reaktionen mehrerer Vögel miteinander, also setzten sie auf die Schwarmintelligenz, lag die Genauigkeit in der Diagnose bei 99 Prozent. „Die Tauben waren in der Lage, das, was sie gelernt hatten, zu verallgemeinern“, so Levenson.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Tauben tatsächlich bei der Krebsdiagnose zum Einsatz kommen. Aber bei der Entwicklung von computergestützten Diagnoseprogrammen könnten die Ergebnisse der Tauben-Tests durchaus nützlich sein.

Dass Tiere in der Diagnose immer wieder für Überraschungen sorgen, ist bekannt. Hunde etwa konnten von Forschern darauf getrimmt werden, verschiedene Krebsarten zu erkennen. „Unsere Studie zeigt, dass der Einsatz von Hunden künftig eine echte klinische Chance darstellen könnte, wenn er zusammen mit gebräuchlichen diagnostischen Geräten geschieht“, zitiert der Nachrichtendienst Bloomberg den Studienautor Gian Luigi Taverna. Die größte jemals durchgeführte Studie zur Krebserkennung mithilfe von Hunden fand heraus, dass die gut trainierten Tiere Prostatakrebs mit einer Genauigkeit von 98 Prozent erkennen konnten. Dazu hatten sie an Urinproben geschnüffelt.

In einer Hundeschnauze befinden sich 220 Millionen Geruchszellen, beim Menschen sind es nur 50 Millionen. Der Standardtest misst ein von den Prostatazellen erzeugtes Protein, das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA). Wenn Hunde nach Krebs schnüffeln, können sie die von einem Tumor ausgestoßenen Chemikalien erkennen. Diese Chemikalien werden als volatile organische Verbindungen (FOV) bezeichnet. Sie sind sowohl im Atem von Lungenkrebs- und Dickdarmkrebspatienten als auch im Urin von an Prostatakrebs Erkrankten gefunden worden.

Und Mitte des vergangenen Jahres war es Forschern erstmals gelungen, mithilfe von Fruchtfliegen dem Geruch von Krebszellen auf die Spur zu kommen. Durch den Geruchssinn der Fruchtfliege können gesunde Zellen von Krebszellen unterschieden werden. Dafür wird die Fruchtfliege mit einem Duft besprüht. In dem Moment, in dem die Fliege mit dem Aroma in Verbindung kommt, erscheinen auf einem Monitor Farbmuster. Tatsächlich hat jeder Duft ein bestimmtes Muster von Neuronen, das auf dem Monitor zu sehen ist. Das Muster der Krebszellen unterscheidet sich von dem gesunder Zellen. Da nicht nur kranke und gesunde Zellen unterschieden werden können, „sondern auch Untergruppen innerhalb der Krebszellen erkennbar waren, scheinen über die Antenne der Drosophila sogar verschiedene Brustkrebszellarten differenzierbar zu sein“, erläutert Alja Lüdke, Wissenschaftlerin an der Universität Konstanz.

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