Wirtschaft

Übergewicht: Ärzte warnen vor Gesundheitsapps

So wie die Zahl der Smartphones steigt, steigt auch die Zahl der Apps, die dafür angeboten werden. Dieser Entwicklung hat sich auch die Gesundheitsbranche angenommen. Immer mehr Gesundheitsapps überschwemmen den Markt – auch gegen Übergewicht. Doch die Ärzte hierzulande und in anderen europäischen Ländern misstrauen diesen.

Seit 1980 hat sich die Zahl der Übergewichtigen weltweit mehr als verdoppelt. (Foto: Flickr/Sandra Cohen-Rose and Colin Rose/CC by 2.0)

Seit 1980 hat sich die Zahl der Übergewichtigen weltweit mehr als verdoppelt. (Foto: Flickr/Sandra Cohen-Rose and Colin Rose/CC by 2.0)

Übergewicht ist seit nunmehr 15 Jahren eine der Volkskrankheiten der Industriestaaten bzw. Post-Industriestaaten. Mittlerweile sterben mehr Menschen an den Folgen von Übergewicht als an denen von Untergewicht. Um das eigenen Übergewicht zu beseitigen greifen die Betroffenen zu ganz unterschiedlichen Methoden: Diäten, Operationen, Kuren etc. Doch oft hält der Erfolg nicht lange an. Es fehlt an Durchhaltevermögen oder an einer neuen Lebens- und Ernährunsgweise, die dem eigenen Rhythmus auch wirklich entspricht.

Genau an diesen Punkten setzen die Gesundheitsapps an. Personal Trainer, Diätplaner, die Liste ist lang. Übergewichtige suchen deshalb aktiv nach digitalen Hilfen gegen ihr Übergewicht, das zeigt eine von Ipsos durchgeführte Big Data Analyse von Social Media Daten. Tatsächlich nutzen sogar zwei Drittel der Betroffenen Facebook dafür.

In der klassischen Gesundheitsbranche wird das argwöhnisch beobachtet. Zwar schätzt jeder vierte Arzt, dass die neuen Technologien eine steigende Relevanz zur Bekämpfung von Adipositas erlangen werden. Und mehr als 72 Prozent der befragten Ärzte in England, Frankreich und Deutschland haben ihren Patienten bereits eine App, ein Forum oder ein mobiles Gerät zur Überwachung ihrer Beschwerden empfohlen. Aber ein Drittel der deutschen Ärzte misstraut den Daten der mobilen Überwachung der Gesundheitswerte. Fast jeder dritte ist sogar besorgt, dass die Apps Konflikte zwischen Patient und Arzt auslösen könnte.

Bei diesem Misstrauen spielt aber auch der Initiator hinter den Gesundheitsapps eine entscheidende Rolle. Nicht wenige werden von Pharmaunternehmen selbst entwickelt bzw. in Auftrag gegeben. 40 Prozent der Ärzte sagten nämlich, dass sie einer von einem Pharmaunternehmen entwickelten App nicht trauen. Kommt die App aber aus der Schmiede eines Technologieunternehmens misstrauen nur etwa ein Viertel dieser.

Die Zahl der Übergewichtigen hat sich der Weltgesundheitsorganisation zufolge seit 1980 mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr litten weltweit über 1,9 Milliarden Erwachsene an Übergewicht. Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und einige Krebsarten stehen im Zusammenhang mit Übergewicht.

Mittlerweile nutzt jeder Sechste in Deutschland Gesundheitsapps und jeder dritte interessiert sich dafür. Bisher sind unter den Nutzern von so genannten Gesundheits-Apps die Fitness-Apps zurzeit am beliebtesten. Und mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von mehr als 6 Monaten bei jedem dritten Nutzer sind die Fitness-Apps auch diejenigen, die die Konsumenten am längsten halten können. Immerhin ein Drittel der Smartphone-Nutzer ist einer Umfrage der Bitkom sogar bereit, seine Daten an die Krankenkasse weiterleiten zu lassen. Jeder fünfte Befragte (19 %) wünscht sich im Gegenzug für die Weiterleitung seiner Daten Versicherungsrabatte.

Die AOK hat darauf entsprechend reagiert. Die AOK Nordost geht nun soweit, den Kauf eines Geräts als Fitness-Trackers wie etwa die Apple Watch zu bezuschussen. Die Versicherer wollen so aber vor allem an die Gesundheitsdaten der Kunden gelangen. Datenschützer warnen vor Missbrauch dieser Daten durch die Versicherer. „Dieser Zuschuss wird für sämtliche Geräte gewährt, die Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch usw. dokumentieren, also für Fitnessarmbänder und Smartwatches – auch die AppleWatch“, hieß es von Seiten der AOK Nordost. Für Smartphones hingegen werde der Zuschuss nicht bezahlt, da diese zwar auch zum Fitness-Tracking verwendet werden können, allerdings hauptsächlich einem anderen Zweck dienen. Entsprechende Fitness Apps jedoch werden demnach ebenso bezuschusst wie die Mitgliedschaft bei Online-Fitnessportalen oder andere E-Health-Angebote.

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