Wirtschaft

Zu wenig Frauen als Führungskräfte in den Krankenkassen

Die Gesundheitsbranche weist in Sachen Frauen in Führungspositionen ähnlich große Mängel auf wie andere Branchen in Deutschland. Vor allem bei den Krankenkassen gibt es diesbezüglich einen erheblichen Nachholbedarf.

: In den neuen Bundesländern sind Frauen in der Führungsetagen weit häufiger vertreten als in den alten. (Foto: Flicrkr/ Ilmicrofono Oggiono/CC by 2.0)

: In den neuen Bundesländern sind Frauen in der Führungsetagen weit häufiger vertreten als in den alten. (Foto: Flicrkr/ Ilmicrofono Oggiono/CC by 2.0)

Zwar sind im Gesundheitswesen drei Viertel aller Mitarbeiter weiblich, doch von einer angemessenen Repräsentation dieser Mitarbeiter in den Führungsetagen kann nicht gesprochen werden. Im Management zum Beispiel ist nur jede dritte Position mit einer Frau besetzt, wie eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens Price Waterhouse Coopers zeigt. „Mit 33 Prozent entspricht der Frauenanteil in diesem Bereich genau dem Durchschnitt der gesamten Wirtschaft“, sagt Michael Burkhart von PwC.  In der Chefetage sieht der Schnitt sogar noch schlechter aus: Hier sind es nur 15 Prozent.

Besonders gravierend ist der Frauenmangel bei den Krankenkassen. Hier liegt der Frauenanteil bei leitenden Positionen lediglich bei 12 Prozent. Im Vorstand bzw. in der Geschäftsführung liegt der Anteil gar bei nur neun Prozent. „Dieses Ergebnis erstaunt. Schließlich stehen Krankenversicherungen als Körperschaften des öffentlichen Rechts im Blick der Öffentlichkeit“, so Corinna Friedl, Expertin bei PwC im Bereich Gesundheitswesen. „Ein Punkt ist sicherlich, dass Frauen bislang noch die nötigen Netzwerke fehlen, um in diesen männlich dominierten Strukturen Fuß zu fassen.“

Es gibt aber auch Bereiche im Gesundheitswesen, in denen die Frauen auch gut in Führungspositionen vertreten sind. So beispielsweise in der Presse- und Marketingabteilung oder im Personalwesen. „An wissenschaftlichen Instituten sind 69 Prozent der Führungskräfte in diesem Bereich weiblich, an Kliniken 58 Prozent“, heißt es in der Untersuchung. Bei über 60 Prozent liegt der Frauenanteil Pflegedienst- und OP-Leitung sowie im Qualitätsmanagement.

Tatsächlich findet sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen den Führungspositionen in den neuen und den alten Bundesländern. In Krankenhäusern der neuen Bundesländer sind deutlich mehr Frauen in Führungspositionen: So liegen Sachsen-Anhalt (49,5 Prozent), Brandenburg und Sachsen (beide 47,7 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (47,3 Prozent) weit über dem Durchschnitt. In Niedersachsen sind es nur 29,5 Prozent, in Baden-Württemberg 32,6 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 31,6 Prozent. Es sei schade, „dass Frauen, die das Bild des Gesundheitswesens so stark prägen, ihre Erfahrung und ihr Know-how nicht stärker in Managementfunktionen einbringen können“, so Fried. „In der Branche liegt also viel Potenzial brach.“

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