Wirtschaft

Krankenkasse warnt vor zu hohen Arzneimittel-Ausgaben

Trotz immer der wachsenden Zahl an Generika zahlen die Krankenkassen wieder mehr für Arzneimittel.

Die Kosten für Originalpräparate stiegen zwischen 2007 und 2014 im Schnitt um 31 Prozent. (Foto: Eu-Kommission)

Die Kosten für Originalpräparate stiegen zwischen 2007 und 2014 im Schnitt um 31 Prozent. (Foto: Eu-Kommission)

Krankenkassen und Pharmafirmen sind nicht gerade das, was man gute Freunde nennt. Seit Längerem beschweren sich beispielsweise die Pharmafirmen, dass Medikamente aufgrund von Rabattverträgen immer billiger werden und Generika am Ende der Forschung einen Strich durch die Rechnung machen. Schließlich sei der Preis für neue Medikamente nur so hoch, weil die Forschung für das entsprechende Medikament so teuer gewesen sei. Auf der anderen Seite versuchen aber die Krankenkassen immer öfter, ihre Kosten zu senken. Zu hoch sind mittlerweile die jährlichen Verluste  der Kassen.

„Wir verfolgen die Entwicklungen auf dem Arzneimittel-Markt mit großer Sorge“, sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit anlässlich des Berliner Dialogs. „Bald zahlen Krankenkassen wieder mehr für Medikamente als für die gesamte ärztliche Behandlung. Das sind ganz bittere Pillen für das Gesundheitswesen.“ Allein zwischen 2007 und 2014 seien die Kosten für Arzneimittel bei der KKH um 32 Prozent gestiegen.

Dies sei vor allem bei den Originalpräparaten zu beobachten gewesen. Demnach stiegen die Kosten für diese zwischen 2007 und 2014 im Schnitt um 31 Prozent, während die Menge der abgegebenen Arzneimittel um 23 Prozent zurückging. Zwar stehe für die Kaufmännische Krankenkasse außer Frage, dass eine innovative Medikamentenversorgung ihren Preis habe. Aber die derzeitigen Preise vieler Medikamente hätten mit den eigentlichen Herstellungskosten nichts mehr zu tun. So haben sich beispielsweise die Jahrestherapiekosten für Hepatitis C zwischen 2010 und 2015 mehr als verfünffacht.

Vielmehr: „Zur Wahrheit gehört, dass Pharmafirmen für die Vermarktung ihrer Produkte häufig doppelt so viel zahlen wie für Forschung und Entwicklung“, so Kailuweit. Allein für die direkte Vermarktung seien circa 15.000 Pharmaberater eingesetzt, die jedes Jahr ungefähr 20 Millionen Besuche bei Ärzten durchführten.

Tatsächlich beschränken sich die hohen Preise für Arzneimittel vor allem auf den deutschen Raum. Ein Vergleich mit den Niederlanden zeigt, dass 27 der 30 umsatzstärksten Medikamente in Deutschland teurer sind als bei unseren niederländischen Nachbarn. So kostet zum Beispiel eine Packung Gerinnungshemmer Pradaxa in Deutschland 25 Euro mehr. Sovaldi, das bei Hepatitis C zum Einsatz kommt, kostet hierzulande sogar 300 Euro mehr, so der aktuelle KKH-Bericht.

Der KKH zufolge kann unter den derzeitigen Bedingungen von einem Marktversagen auf dem Arzneimittelmarkt gesprochen werden, da die üblichen Marktgesetze in diesem Bereich nicht greifen. „Der Profitmaximierung der Pharmaindustrie zu Lasten des solidarisch finanzierten Gesundheitssystems muss wirksam begegnet werden“, fordert KKH-Chef Kailuweit.

Allein bis 2019 rechnet der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen mit einem Durchbruch bei der Behandlung von etwa 120 Krankheiten. Vor allem im Bereich der Krebsforschung und bei koronalen Erkrankungen gibt es viele Studien und viel Forschung. Problematisch ist der KKH zufolge aber auch in diesem Zusammenhang, dass die Pharmaindustrie nicht zur Offenlegung der tatsächlichen Produktions-, Forschungs-und Entwicklungskosten und ihrer Verteilung auf die einzelnen Wirkstoffe verpflichtet ist. Damit werde den Kassen eine wirtschaftliche Betrachtung entzogen.

Die aktuellen Marktdaten zeigen, dass die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr durch einen höheren Einsatz von Generika 2,7 Milliarden Euro hätten einsparen können.

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